Die Geschichte der niederlande im 16. bis 18. Jahrhundert


VI. Die Geburt der Republik der Vereinigten Niederlande aus der Unmöglichkeit eines Kompromisses


König Philipp musste einsehen, dass er seine bisherige Linie nicht durchhalten konnte. Der Schaden für den spanischen Handel war enorm und seine Truppen in den Niederlanden begannen zu meutern. Darum zog er Alba ab und entsandte 1575 eine auf Ausgleich gesinnte Persönlichkeit, nämlich Don Louis de Requesens. Dieser zog die Steuergesetze zurück, erließ einen Generalpardon und berief die Generalstände ein. Die Stände, ebenfalls um eine friedliche Lösung bemüht, verlangten Friedensverhandlungen mit Holland und Zeeland. Die Verhandlungen scheiterten zwar an der Unnachgiebigkeit des Statthalters in der Ketzerfrage, doch sein plötzlicher Tod eröffnete eine neue Chance. Die Generalstände traten nun eigenmächtig zusammen und fanden nach kurzer Zeit eine für alle Seiten annehmbare Lösung. Am 8. November 1576 wurde daher die Genter Pazifikation unterzeichnet, deren Inhalt bemerkenswert ist. Neben den Passagen zur allgemeinen Versöhnung und des gegenseitigen Vergebens sollte den Flüchtlingen die Rückkehr ermöglicht werden, was de facto auf die Anerkennung des reformierten Bekenntnisses hinauslief. Man ging jedoch noch weiter, indem beschlossen wurde, die spanischen Truppen aus dem Land zu jagen und es dem Landesherrn auf diese Weise unmöglich zu machen die Rechte der Stände zu beschneiden und das Land erneut in einen Bürgerkrieg zu stürzen.

Karte der 7 Provinzen 1658
Republik der Sieben Vereinigten Provinzen Karte von 1658, Quelle: Joannes Janssonius

Auch wenn die Stände die Hoffnung hegten Philipp von der Richtigkeit ihres Tuns überzeugen zu können, war es doch in diesem Konflikt der bis dahin größte Affront gegen den König. Zunächst stand es nur dem Landesherrn zu die Generalstände einzuberufen. Außerdem war klar, dass Philipp die Anerkennung eines zweiten Bekenntnisses unter seiner Herrschaft nicht dulden konnte und schließlich hätte die Vertreibung seines Heeres bedeutet, dass er in seinem Herrschaftsanspruch auf die Position seiner Vorgänger zurückgefallen wäre. Dem Nachfolger von Requesens, Don Juan d‘Austria gelang es zunächst trotz der verfahrenen Situation zu einem Kompromiss zu kommen. Gegen die Zusage des vollständigen Abzuges der spanischen Truppen wurden in den Generalständen 1577 im Ewigen Edikt seine Friedensbedingungen angenommen. Doch brachte auch diese Einigung dem Land keine Ruhe, denn in der Ketzerfrage war Don Juan hart geblieben. Als Konsequenz zogen die von einer calvinistischen Minderheit beherrschten Provinzen Holland und Zeeland aus den Generalständen aus. Zwar gelang es der gemäßigten Mehrheit unter den Ständen zunächst, einen erneuten Ausbruch der Kampfhandlungen zu verhindern, doch Don Juan verspielte auch diese Chance auf Frieden, indem er seinerseits zu militärischen Mitteln griff. Dies führte dazu, dass sich auch die bisher Gemäßigten auf die Seite Wilhelms von Oranien schlugen, der 1577 in Brüssel einzog. Wenige Monate später erklärten die Generalstände Don Juan für abgesetzt und ernannten Erzherzog Matthias von Österreich zu seinem Nachfolger. Obwohl sich nun erstmals die Mehrheit der Provinzen am Aufstand beteiligte, spitzte sich die Krise erneut zu. Permanente Geldnot und der Einsatz schlecht ausgebildeter Truppen hatten schmerzliche militärische Niederlagen zur Folge. Bedrohlicher war jedoch die Lage innerhalb der meisten Provinzen, denn 1578 ergriffen vielerorts nun radikale Calvinisten die Macht und terrorisierten die Katholiken, ohne dass Wilhelm von Oranien in der Lage gewesen wäre ihnen Einhalt zu gebieten. Man spricht deshalb auch vom zweiten Bildersturm .

Spätestens 1579 war klar, dass ein Bruch unausweichlich war. In diesem Jahr schlossen sich Holland, Zeeland sowie einige Vertreter anderer Provinzen zur Union von Utrecht zusammen, die den Kampf gegen den König fortsetzen wollte. Wenige Wochen zuvor hatten die wallonischen Südprovinzen die Union von Arras (Atrecht) begründet, die um jeden Preis einen Ausgleich mit Philipp suchte. Alle Versuche Wilhelms von Oranien, zwischen den Extremen zu vermitteln, waren gescheitert, sodass er sich der Utrechter Union anschloss. Nachdem auch ein letzter Vermittlungsversuch des Kaisers kein Ergebnis gebracht hatte, muss die Trennung der Niederlande als vollzogen gelten, auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht klar war, wie die territoriale Ausdehnung der beiden Teile aussehen würde. Die Union von Utrecht und das Jahr 1579 gelten daher heute als der Beginn der eigenständigen Geschichte der heutigen Niederlande.

Autor: Dr. Christoph Schäfer
Erstellt: April 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Boogman, J.C.: The Union of Utrecht. Its Genesis and Consequences, in: Bijdragen en Mededelingen betreffende de Geschiedenis der Nederlanden 94 (1979), S. 377–407.

Parker, Geoffrey: Der Aufstand der Niederlande. Von der Herrschaft der Spanier zur Gründung der Niederländischen Republik, 1549 – 1609, München 1979.

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