Die Geschichte der niederlande im 16. bis 18. Jahrhundert


II. Die Niederlande als Teil eines Weltreiches - Karl V.


Die Heirat Maximilans mit Maria von Burgund stellte den ersten Schritt der Habsburger auf dem Weg zur überragenden Dynastie des frühmodernen Europa dar. Eine weitere Hochzeit hob sowohl das Haus Habsburg als auch die Niederlande auf die Ebene der Weltgeschichte. 1496 arrangierte Maximilan eine Doppelhochzeit zwischen seinen Kindern Philipp und Margarete einerseits und den Kindern Ferdinands II. von Aragon und Isabellas II. von Kastilien, Johann und Johanna, andererseits. Zwar war der ursprüngliche Zweck dieser Ehen die Eindämmung des französischen Expansionsdranges auf der italienischen Halbinsel gewesen, doch entstanden daraus internationale Konstellationen, die die europäische Geschichte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestimmen sollten.

Kaiser Karl V um 1532
Kaiser Karl V. (1500-1558), Porträt um 1532, Quelle: Christoph Amberger

„Belli gerant alii, tu felix Austria nube“ (Andere führen Kriege, doch du, glückliches Österreich, heiratest). Diese in späterer Zeit formulierte euphorische Charakterisierung der habsburgischen Außenpolitik zeigt sich wohl in keinem Fall so deutlich wie am Sohn Philipps des Schönen und Johannas, Kaiser Karl V. Auf Grund des habsburgischen Erbrechts fielen Karl nicht nur das burgundische Erbe seines Vaters (1506), sondern auch die Kronen Kastiliens und Aragons (1516) und die österreichischen Erblande seines Großvaters Maximilan zu (1519). 1519 wurde er zum Römischen König gewählt und 1530 als letzter Kaiser vom Papst gekrönt. Damit herrschte Karl V. über ein Imperium, wie es bis dahin nicht vorstellbar gewesen war und von dem zu Recht behauptet wurde, in ihm ginge die Sonne nie unter, gehörten doch auch Besitzungen in Amerika und Asien dazu. Entsprechend groß waren die Aufgaben des Kaisers, zumal in einer bewegten Zeit. In Deutschland stand nach dem Auftreten Luthers nicht weniger als die Einheit des Reiches und der Römischen Kirche auf dem Spiel. Auf der iberischen Halbinsel vereinigte Karl die Kronen Kastiliens und Aragons in einer Hand und wurde der erste König von Spanien. Den größten Teil seiner Kräfte beanspruchten jedoch die Kriege gegen Frankreich, die Europa ein halbes Jahrhundert lang in Atem hielten.

Vor diesem Hintergrund gerät die Rolle Karls V. in der niederländischen Geschichte leicht in Vergessenheit – zu Unrecht. Zunächst ist von Bedeutung, dass Karl burgundische Wurzeln hatte. Er war in Gent geboren und am burgundischen Hof erzogen worden. Seine Muttersprachen waren Französisch und Flämisch. Auch die Kriege gegen Frankreich waren teilweise von dem alten Wunsch motiviert, das Herzogtum Burgund für das eigene Haus zurückzugewinnen. Gleichwohl beanspruchten Karl seine Aufgaben als Kaiser und König so sehr, dass er die Herrschaft in den Niederlanden einer Regentin, der Habsburgerin Maria von Ungarn, anvertraute. Für die Geschichte der Niederlande ist das Zeitalter Karls V. dennoch von allergrößter Bedeutung. Viele Gebiete, die man heute wie selbstverständlich als niederländisch bezeichnet, wurden erst durch Karl V. dem burgundisch-niederländischen Herrschaftskomplex hinzugefügt, nämlich Friesland (1528), Utrecht], Overijssel (beide 1536), Groningen, Drenthe (beide 1536) sowie Gelderland (1543), mithin also der größte Teil der späteren Vereinigten Niederlande. Außerdem unternahm Karl bedeutende Anstrengungen um den Zusammenhalt der einzelnen Territorien zu stärken. Hierzu gehört neben wichtigen Verwaltungsreformen die Gründung des burgundischen Reichskreises, dessen Ziel die Stärkung der Unabhängigkeit der Niederlande vom Reich, aber auch von den österreichischen Erblanden war. Auch gelang es ihm in der sogenannten Pragmatischen Sanktion (1549) die einheitliche Erbfolge in allen burgundischen Provinzen durchzusetzen. Weiterhin wurde von Karl V., bedingt durch seine dauerhafte Abwesenheit, das später so bedeutsame Amt des Generalstatthalters– es wurde in der Regel von einer Frau ausgeübt - eingeführt.

Autor: Dr. Christoph Schäfer
Erstellt: April 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Blockmans, W.: Prevenier - The Promised Lands. The Low Countries under Burgundian Rule 1369 – 1530, Philadelphia 1999.

Blockmans, W.: Maximilian und die burgundischen Niederlande, in: Kaiser Maximilian I. Bewahrer und Reformer, Ausstellungskatalog Reichskammergerichts- museum Wetzlar 2002, Ramstein 2002

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