Die Geschichte der niederlande im 16. bis 18. Jahrhundert


XIV. Der lange Weg zum Frieden

In innenpolitisch ruhigerem Fahrwasser vollzog sich nach dem Tod von Moritz (1625) der Übergang der Statthalterschaft an seinen jüngeren Bruder Friedrich Heinrich fließend. Der neue Statthalter war zunächst militärisch gefordert, denn der Krieg mit Spanien war nach dem Ablauf des Waffenstillstandes wieder ausgebrochen, und es galt zunächst, die zwischenzeitlichen Erfolge der spanischen Truppen wieder rückgängig zu machen. Friedrich Heinrich war darin ausgesprochen erfolgreich und verschaffte der Republik eine mächtige Verhandlungsposition gegenüber der spanischen Krone. Das ist insofern bedeutsam, als seit 1632 über einen Friedensschluss verhandelt wurde. Wenn sich der Krieg dennoch weitere sechzehn Jahre hinzog, so ist dies wiederum vor allem im Zusammenhang des europäischen Mächtesystems zu verstehen.

Westfälischer Frieden
Westfälischer Frieden von Münster 1648, Quelle: Gerard ter Borch II
In Frankreich führte seit 1625 Kardinal Richelieu die Regierungsgeschäfte und setzte die Politik der Schwächung Habsburgs mit allen Mitteln fort. Nachdem auf dem deutschen Kriegschauplatz der Kaiser die Oberhand zu gewinnen schien, spielte die Republik daher eine entscheidende Rolle in den Plänen des Kardinals. Mit hohen Subsidienzahlungen konnte er die niederländische Politik zur Fortführung des Krieges gewinnen, dessen Ziel nun die Aufteilung der südlichen Niederlande zwischen Frankreich und der Republik war. Dieses auf eine empfindliche Schwächung Habsburgs zielende Kriegsziel wurde jedoch nie erreicht. Neben militärischen Rückschlägen kamen Veränderungen in den politischen Einschätzungen hinzu. So wurde man sich in den nördlichen Niederlanden der Risiken bewusst, die sich aus einer Aufteilung ergaben. Zu der Furcht vor einem Wiedererstarken der südniederländischen Wirtschaft traten vor allem Bedenken wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zu einer Großmacht wie Frankreich, die eine permanente Kriegsgefahr mit sich bringen konnte. Daher gewann die Konzeption der südlichen Niederlande als Barriere gegenüber Frankreich, immer deutlichere Konturen. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen erschien nun eine Einigung mit Spanien möglich. Seit 1646 verhandelten darum Diplomaten beider Seiten auf dem bereits zwei Jahre zuvor zusammengetretenen europäischen Friedenkongress in Münster. Es sollte zwar noch zwei Jahre dauern, bis der Frieden offiziell verkündet wurde, aber als am 15. Mai 1648 im Münsteraner Rathaus der Friedensvertrag zwischen Spanien und der Republik feierlich unterzeichnet wurde, hatten achtzig Jahre Krieg endgültig ihr Ende gefunden.

Der Westfälische Frieden, in den Niederlanden übrigens Frieden von Münster („vrede van Munster“) genannt, ist zweifellos eines der bedeutsamsten Ereignisse der europäischen Geschichte. Er markiert das Ende der konfessionellen Kriege und er konstituierte gleichzeitig das frühneuzeitliche europäische Mächtesystem, das für die nächsten 150 Jahre die internationale Politik bestimmen sollte. Die Republik der Vereinigten Niederlande war ein fester Bestandteil dieses Mächtesystems geworden, wie allein die Teilnahme an dem Kongress zeigt. Vor allem aber hatte sie gegenüber Spanien ihre vitalen Interessen durchsetzen können. Dazu gehört nicht nur die rückhaltlose Anerkennung der Unabhängigkeit, sondern auch die Anerkennung der Eroberungen, die die Republik während des Achtzigjährigen Krieges gemacht hatte. Auch die für die Städte des Nordens so wichtige Schließung der Schelde wurde nun völkerrechtlich sanktioniert. Schließlich schieden die nördlichen Niederlande 1648, obwohl es in der Praxis ohnehin kaum mehr eine Rolle gespielt hatte, offiziell aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation aus.

Autor: Dr. Christoph Schäfer
Erstellt: April 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Geyl, Pieter: The Netherlands in the Seventeenth Century, Bd. 1: 1609 – 1648, New York 1961.

Israel, J.I.: A Conflict of Empires. Spain and the Netherlands 1616 – 1648, in: Past and Present 76 (1977), S. 34 – 74.

Poelhekke, J.J.: De Vrede van Munster, Den Haag 1948.

Personen

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Links

Wichtige geschichtliche Institutionen finden Sie unter Institutionen

Projekt Europäische Friedensverträge Universität Mainz


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