Die Geschichte der niederlande im 16. bis 18. Jahrhundert


XII. Der Aufstieg der Vereinigten Niederlande zur europäischen Großmacht

Der zwölfjährige Waffenstillstand (1609) ist für die Geschichte der Niederlande wohl ein mindestens so wichtiges Datum wie die Union von Utrecht (1579) oder das „Placcaet van Verlatinghe“ (1581) . Die spanische Krone erkannte nämlich darin die Unabhängigkeit der Republik an – wenn auch zunächst nur für zwölf Jahre. Auch ansonsten konnte sich Johan van Oldenbarnevelt , de facto der höchste Diplomat der jungen Republik, in fast allen Punkten durchsetzen: Die Schelde die die Aufständischen seit 1585 blockiert hatten, blieb geschlossen. Damit war die ökonomische Dominanz der nördlichen Handelsstädte besiegelt, denn Antwerpen, vormals wichtigster Handelshafen der Niederlande, war als Konkurrenz fortan ausgeschaltet. Die Handelsaktivitäten in Ostindien wurden nicht, wie von Spanien gefordert, eingestellt, sondern sogar ausgeweitet und die Bekenntnisfreiheit für Katholiken wurde nur für die vom Norden eroberten Gebiete Brabants und Flanderns gewährt.

Einmischung in bestehende Konflikte

Die Anerkennung der Republik bedeutete gleichzeitig auch eine Verschiebung im europäischen Mächtesystem. War der Aufstand in den Niederlanden für die Großmächte Frankreich und England zunächst die Möglichkeit eine Art Stellvertreterkrieg gegen das Haus Habsburg führen zu lassen, so trat die Republik fortan selbst als Großmacht auf. Beginnend mit England entsandten die gekrönten Häupter Europas offiziell Botschafter nach Den Haag. Gleichzeitig griff die Republik nun ihrerseits in zahlreiche Konflikte ein oder trat als Vermittler auf – die bis heute geltende Rolle Den Haags als Zentrum der internationalen Diplomatie hat in dieser Zeit ihren Ursprung. Vor allem aber übernahm die Republik von Frankreich vorübergehend die Rolle der Führungsmacht im Kampf gegen Habsburg. So unterstützte sie dessen Widersacher mit Geld, Waffen und Truppen. In den Dreißigjährigen Krieg griffen die Niederlande zwar offiziell nicht ein, aber die Gegner der katholischen Liga fanden in Den Haag durchaus Unterstützung. Zudem nutzten Spanien und die Republik den deutschen Kriegschauplatz - besonders am Niederrhein - um die offiziell ruhenden Kampfhandlungen fortzusetzen. Überdies bedingten die ökonomischen Interessen der Seeprovinzen nahezu zwangsläufig die Einmischung in bestehende Konflikte, etwa in Skandinavien, wo die Republik sich mehrfach in die Auseinandersetzungen zwischen Dänemark und Schweden einschaltete.

Autor: Dr. Christoph Schäfer
Erstellt: April 2004


Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Geyl, Pieter: The Netherlands in the Seventeenth Century, Bd. 1: 1609 – 1648, New York 1961.

Israel, J.I.: A Conflict of Empires. Spain and the Netherlands 1616 – 1648, in: Past and Present 76 (1977), S. 34 – 74.

Israel, J.I.: The Dutch Republic. It's rise, greatness and fall, 1477-1806, Oxford 1998.

Prak, Maarten: The Dutch Republic in the seventeenth century. The Golden Age, Cambridge 2005.

Schama, Simon: The embarrasment of the riches. An interpretation of Dutch culture in the Golden Age, London 1987.

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