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Pieter Oud

*Purmerend, 5. Dezember 1886 - Rotterdam, 12. August 1968  - niederländischer Politiker (VDB, PvdA, PvdV, VVD)

Pieter Oud
Pieter Oud, 1959, Quelle: Polygoon Hollands Nieuws/Wikipedia

Pieter Jacobus Oud war ein niederländischer Politiker mit drei Parteibüchern. Vor dem Zweiten Weltkrieg war er Mitglied des linksliberalen Vrijzinnig Democratische Bond (VDB) , danach trat er der sozial-demokratischen PvdA bei. Zudem gilt er als Gründer der rechtsliberalen VVD, die sich aus der liberalen PvdV entwickelt hat. Bei der Gründung der VVD steuerte er sowohl den neuen Namen als auch das Grundsatzprogram der Partei bei und blieb bis zu seinem politischen Ausscheiden 1963 der Spitzenkandidat der Partei.

1904 begann er sein Studium für Notar- und Registrierungswesen. Schon 1907 war er Notariatsanwärter und arbeitete nach nur zwei Jahren für das Finanzministerium. Das Jahr 1912 brachte einschneidende Veränderungen für Oud mit sich. Er heiratete und wurde zum Beamtenanwärter in der Abteilung für Registrierung und Staatsbesitz, wo er weitere fünf Jahre arbeiteten sollte. In dieser Zeit hatte er an der Universiteit Amsterdam promoviert, wo er seit 1912 Recht studiert hatte. Nach seiner universitären Laufbahn begann seine politische Karriere.

Schon von 1906 bis 1909 war Oud Mitglied der Jugendorganisation des VDB gewesen. 1917 wurde er dann Abgeordneter der Zweiten Kammer für den Wahlkreises Den Helder und somit einer der jüngsten Abgeordneten des VDB. In der Zweiten Kammer stach er schnell mit seinem Engagement und seinen Ideen hervor. So reichte er 1921 eine Gesetzesinitiative ein. In dieser hieß es, dass man durch eine außerordentliche Besteuerung die vorhandenen Staatsschulden abmildern könne. Jedoch wurde der Antrag abgelehnt. Seinen Kurs als sparsamer Wirtschafter sollte sich durch seine gesamte Karriere ziehen. Als Oud ab 1933 als Finanzminister des Krisenkabinetts Colijn wurde, führte er eine strengere Sparpolitik ein. Dieser Sparkurs stieß nicht überall auf Gegenliebe. Als Ministerpräsident Hendrikus Colijn Oud 1937 in sein nächstes Kabinett übernehmen wollte, protestierte die RKSP (Roomsch-Katholieke Staatspartij) dagegen, wodurch Oud wieder ein Abgeordneter wurde. Hinzu kam jedoch, dass er nun den Posten des Fraktionsvorsitzenden bekleidete.

Neben seiner Tätigkeit als Fraktionsvorsitzender wurde Oud im Oktober 1938 zum Bürgermeister von Rotterdam ernannt. Auch hier wurde sein Schaffen von Sparmaßnahmen begleitet. Sein vorauseilender Ruf als „Sparer“ hatte bereits im Vorfeld für eine negative Stimmung gesorgt. Selbst nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Bombardierung Rotterdams blieb Oud Bürgermeister. Als dieser leitete er sofortige Aufbaumaßnahmen für die Stadt ein und versuchte den Schaden – so gut es unter der Besatzung ging –zu begrenzen. Er konnte es jedoch irgendwann nicht mehr mit sich selbst vereinen, unter der Nazi-Herrschaft tätig zu sein und räumte deshalb 1941 seinen Posten. Untätig war er jedoch nicht, sondern verfasste Bücher zur parlamentarischen Geschichte. Im Mai 1945 übernahm er dann wieder das Amt. Er blieb bis 1952 Bürgermeister von Rotterdam.

Kurzzeitig war er in der Nachkriegszeit Mitglied der sozial-demokratischen PvdA geworden. Doch zufrieden war er dort nicht, weshalb er nur von Februar 1946 bis Oktober 1947 dort blieb. Aus dieser Unzufriedenheit über die beiden damals größten Parteien VDB und PvdA entschloss sich Oud, zusammen mit Dirk Stikker dazu, die PvdV (Partij van de Vrijheid ) umzustrukturieren. Dazu gehörte eine neues Grundsatzprogramm, an dem Oud maßgeblich beteiligt war. Zudem brauchte man einen neuen Namen für die jetzt neue Partei. Auch da lieferte Oud die entscheidende Idee: Volkspartij voor Vrijheid en Democartie – kurz VVD. Zwar hatte es im Vorfeld Bedenken über die Bezeichnung Volkspartij – wegen der sprachlichen Nähe zum „völkischen“ Gedankengut der Nationalsozialisten – gegeben, jedoch setzte sich der Vorschlag trotzdem durch. Im Januar 1948 nahm der Kongress der PvdV das neue Grundsatzprogramm. Daher gilt Oud als der Gründer der VVD und blieb während seiner Tätigkeit für die Partei der unangefochtene Spitzenkandidat. Begünstigt wurde seine Stellung vor allem dadurch, dass Mitgründer Strikker sich selbst nicht als großen Politiker sah und von daher eher zurückhaltend zeigte. So übertrug er Oud nach einem knappen halben Jahr den Parteivorsitz. Trotzdem war Strikker oft kritisch gegenüber Ouds Politik eingestellt und bemängelte seinen fehlenden Realismus. Vielfach wurde Oud auch vorgeworfen, dass er ein Wendehals sei, was viele durch seinen vergleichsweise häufigen Parteiwechsel bestätigt sahen. Bis 1963 blieb er der unangefochtene Parteiführer der VVD.

Im Laufe seiner Karriere bekam Oud einige Ehrentitel verliehen. So wurde er etwa 1925 zum Ritter des Ordens der niederländischen Löwen ernannt und war nach seinem Ausscheiden aus der Politik bis zu seinem Tod Minister van Staat.

Autor: Andrea Hoppe
Erstellt: Juni 2015


Literatur

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