Geschichte - PERsonen A-Z



Anton Adriaan Mussert

*Werkendam, 11. Mai 1894 - † ’s-Gravenhage, 7. Mai 1946 - Politiker und Führer der NSB (Nationaal-Socialistische Beweging)

Mussert
A. Mussert, Quelle: BArch (183-S61074)/cc-by-sa
Anton Adriaan Mussert wurde 1894 in Werkendam als Sohn des Schullehrers Joannes Leonardus Mussert und seiner Frau Frederika Witlam geboren. Er war ein mittelmäßiger Schüler, aber ein guter Student und schloss 1918 das Studium der Straßen- und Wasserbaukunde an der Technischen Hochschule in Delft mit der Ingenieursprüfung ab. Danach arbeitete er zunächst bei der Niederländischen Obersten Straßen- und Wasserbaubehörde (Rijkswaterstaat), danach bei der Wasserbaubehörde der Provinz Utrecht. Mussert galt als fachlich sehr begabt und ehrgeizig und wurde in Utrecht bereits 1927 Leitender Ingenieur. Dass er seit 1917 mit seiner 18 Jahre älteren Tante Maria Witlam verheiratet war, stellte die einzige Besonderheit in seinem Lebenslauf dar, ehe er 1925 erstmals öffentlich politisch aktiv wurde und zwar mit einer landesweiten Aktion gegen den geplanten niederländischen Staatsvertrag mit Belgien. Der Erfolg der Aktion stärkte Musserts Eitelkeit und überzeugte ihn von seinen Fähigkeiten als politischer Organisator. Während er in jungen Jahren nationalistisch-liberalen Ideen angehangen hatte, verschoben sich seine politischen Vorstellungen nun allmählich in Richtung faschistischer Denkbilder.

Am 14. Dezember 1931 gründete Mussert zusammen mit dem Verwaltungsangestellten Cornelis van Geelkerken in Utrecht die „Nationaal-Socialistische Beweging“ (NSB) mit Mussert als „Leider“ (Führer). Die neue Partei betonte das Ideal einer starken politischen und militärischen Führung und trat für straffe gesellschaftliche Ordnung und nationale Einheit ein. Mussert hing nationalistisch-großniederländischen Ideen nach. Mit seiner kleinbürgerlich-biederen Form des Faschismus und seinem organisatorischen Talent gelang es ihm, die Partei im versäulten System der Niederlande zu etablieren. Die NSB wuchs vorübergehend auf über 50.000 Mitglieder und erhielt Mitte der dreißiger Jahre bei den Provinzialwahlen landesweit knapp 8 Prozent der Stimmen. Die in der Bevölkerung unpopuläre politische Nähe zum „Dritten Reich“, Musserts Unterstützung des italienischen Abessinienkrieges und Gegenpropaganda der etablierten Parteien und der Kirchen trugen aber dazu bei, dass die NSB schon 1937 bei den Parlamentswahlen nur noch 4 Prozent der Stimmen erhielt.

Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande im Mai 1940 begrüßten Mussert und die NSB die faschistische „Neuordnung Europas“ unter deutscher Führung und hofften auf ihre politische Chance. Aber die Assoziation mit der deutschen Besatzungsmacht und der Vorwurf des Landesverrats stellten Mussert und die NSB in der Öffentlichkeit ins politische Abseits. Musserts Traum, niederländischer Ministerpräsident oder gar Regent zu werden, blieb unerfüllt. Als Parteiführer wusste er sich souverän zu behaupten, aber die Deutschen trauten ihm keine politischen Führungsqualitäten zu, und so kam Mussert über den funktionslosen Ehrentitel eines „Führers des niederländischen Volkes“ nicht hinaus.

Er machte zahlreiche Zugeständnisse ― von der Hinnahme der Judenverfolgung über die Gründung einer niederländischen SS bis zum persönlichen Eid auf Hitler ―, ohne dafür mit mehr als symbolischen Gesten belohnt zu werden. Gleichzeitig verschärfte sich die Kluft zwischen NSB und niederländischer Bevölkerung. Mussert hielt bis zum Ende an seinem Glauben an Hitler und an eine gleichberechtigte Stellung der beiden „germanischen Brudervölker“ im neuen Europa fest, ohne in den letzten zwei Jahren in irgendeiner Weise politischen Einfluss ausüben zu können, der ihn diesem Ziel näher gebracht hätte.

Nach dem „dolle dinsdag“ im September 1944 begann die NSB zu zerfallen. Unmittelbar nach der Befreiung wurde Mussert am 7. Mai 1945 in Den Haag verhaftet, vor Gericht gestellt, als Landesverräter zum Tode verurteilt und nach der Ablehnung eines Gnadengesuchs genau ein Jahr später hingerichtet.

Autor: Dr. Christoph Strupp
Erstellt: Mai 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Geschichte finden Sie unter Bibliographie

Strupp, Christoph: Der verachtete Führer. Anton Adriaan Mussert und die unliebsame Rechte in der niederländischen Historiographie, in: Georg Christoph Berger Waldenegg/ Francisca Loetz (Hrsg.): Führer der extremen Rechten. Das schwierige Verhältnis der Nachkriegsgeschichts- schreibung zu „grossen Männern“ der eigenen Vergangenheit, Zürich 2006, S. 161-180.

Jonge, A. A. de: Het nationaal-socialisme in Nederland. Voorgeschiedenis, ontstaan en ontwikkeling, Den Haag 1968.

Havenaar, Ronald: De NSB tussen nationalisme en „volkse“ solidariteit. De vooroorlogse ideologie van de Nationaal-Socialistische Beweging in Nederland, ’s-Gravenhage 1983.

Havenaar, Ronald: Anton Adriaan Mussert. Verrader voor het vaderland. Een biografische schets, Den Haag 1978.

Meyers, Jan: Mussert. Een politiek leven, Amsterdam 1984.

Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie (Hrsg.): Het proces Mussert, Amsterdam 1987.

Links

Wichtige geschichtliche Links finden Sie unter Institutionen

Biographie (Parlament & Politiek) A. A. Mussert


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