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Cornelis Lely

*Amsterdam, 23. September 1854 - † ’s-Gravenhage, 22. Januar 1929 - niederländischer Ingenieur und Staatsmann

Cornelis Lely
Cornelis Lely, Quelle: NA (119-0548)

Der niederländische Wasserbauingenieur Cornelis Lely machte Anfang des 20. Jahrhunderts die teilweise Trockenlegung der Zuiderzee möglich. Auf einem der Polder entstand die Provinz Flevoland; Ihre Hauptstadt wurde nach Lely benannt.

Cornelis Lely wird am 23.09.1854 als siebter Sohn des Saatguthändlers Jan Lely und Adriana Maria Elisabeth van Houten in Amsterdam geboren.Nach Beendigung der „hogere burgerschool“ (HBS) im Amsterdam studiert Lely an der Polytechnischen Schule, welche später in die rennomierte Technische Hochule zu Delft übergehen sollte. Dort schließt er 1875 sein Studium im Alter von 20 Jahren mit dem Diplom zum ziviltechnischen Ingenieur ab. Die hohen Erwartungen, welche Lelys Delfter Ausbilder an ihn hatten, sollten sich zunächst nicht bestätigen. Lely muss sich mit eher schlecht als recht bezahlten Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen begnügen. Es folgen in den Jahren 1875-1876 Beteiligungen an der „nauwkeurigheidswaterpassing“ und Planungstätigkeiten zu Entwürfen der Spaarndamer Schleuse.

1878 folgen erste Leitungsfunktionen bei der Staatlichen Bahn und der obersten Straßen- und Wasserbaubehörde in Zwolle, für die er an der Entwicklung der Zwoller Sperrschleuse im „Zwolse Diep“ beteiligt ist. Sein Chef ist zu dieser Zeit J. van der Toorn. Dieser wird ein Jahr später nach Den Haag versetzt, wo er nun für die Planung und Entwicklung der großen niederländischen Seengebiete zuständig wird. Da Lely  für ihn unverzichtbar ist, wird auch er nach Den Haag versetzt und zunächst mit der Planung eines Kanals von Amsterdam nach Tiel beauftragt. 1881 kündigt er jedoch seine Stelle, um in Leiden eine leitende Anstellung als Vermessungsingenieur anzutreten.

Seinen ehemaligen Chef wird er aber fünf Jahre später wieder sehen - beim größten Wasserbauprojekt der niederländischen Geschichte, dem „Zuiderzeeprojekt“. Hierfür wurde am 4. Januar 1886 die Zuiderzeevereinigung gegründet. Sie soll den Nutzen und die Machbarkeit der Landgewinnung in Form der Einpolderung durch Trockenlegung oder teilweise Trockenlegung der Zuidersee analysieren. Van der Toorn wird Chef des technischen Forschungsstabs, Lely Projektingenieur. Als sich abzeichnet, dass die Finanzmittel knapp werden, schmeißt van der Toorn das Handtuch, woraufhin Lely Leiter des Projektes wird. Lely entwickelt aus seinen Forschungsarbeiten und Machbarkeitsstudien acht politische Beschlussvorlagen, sogenannte nota’s. Noch vor Veröffentlichung der letzten nota wird Lely im Alter von 36 Jahren zum Minister van Waterstaat, Handel en Nijverheid (Wasserwirtschaft, Industrie und Handel) im Kabinet van Tienhoven (1891-1894) ernannt.

Da im Kabinett jedoch keineswegs Einigkeit über die Notwendigkeit und Machbarkeit des Abschlusses und der Einpolderung der Zuidersee herrscht, wird auf Initiative Lelys hin eine Staatskommission einberufen, welche die Beantwortung eben dieser Fragestellungen zum Ziel hat. Lely selbst übernimmt den Vorsitz dieser Kommission und im Jahre 1894 stimmt sie mit einer großen Mehrheit für das Zuiderzeeprojekt. Nach den Wahlen des selben Jahres wird Lely für die Liberalen Mitglied der Zweiten Kammer – nicht zuletzt um weiter Einfluss auf sein Projekt zur Trockenlegung der Zuiderzee nehmen zu können. Drei Jahre später wird er erneut Minister van Waterstaat, Handel en Nijverheid und reicht 1901 einen Gesetzesentwurf zur Trockenlegung der Zuiderzee ein, welcher aufgrund von Einwänden des Finanzministers Pierson geändert wird. Realisiert werden sollten nach dem geänderten Entwurf nur der Abschlussdeich und die zwei beiden kleinsten Polder. Nach den Wahlen, welche im selben Jahr abgehalten werden, gehört Lely nicht wieder dem Kabinett an und sein Gesetzesentwurf wird verworfen.

Lely wird in den Jahren 1902-1905 Gouverneur von Suriname, von 1905-1910 erneut Mitglied der Zweiten Kammer und in den Jahren 1908-1913 Beigeordneter der Stadt Den. Danach allerdings (im Jahre 1913) wird Lely erneut Minister van Waterstaat, wobei er zur Bedingung macht, dass die Trockenlegung der Zuiderzee im Regierungsprogramm verankert wird. Tatsächlich wird erneut ein Gesetzesentwurf im Kabinett de Meester eingereicht. Dieser sieht allerdings lediglich die trockenlegung des Wieringermeers vor und wird wiederum nicht zu einem Gesetz weiterentwickelt.

Es sollte noch bis 1918 dauern bis Lely’s Lebenswerk der Trockenlegung der Zuiderzee, wofür er jahrelang gekämpft hatte, endlich in die Praxis umgesetzt wird. In diesem Jahr wird ein entsprechender Gesetzentwurf angenommen und mit der Umsetzung begonnen. Die Fertigstellung des Abschlussdeiches, welcher ein zentraler Bestandteil des Projektes ist und die Zuiderzee von der Nordsee seither zwischen den Städten Den Oever (Provinz Nordholland) und Zurich bei Harlingen (Provinz Friesland) mit Hilfe eines 32 Kilometer langen und 90 Meter breiten und befahrbaren Deich abtrennt, wird Lely nicht mehr miterleben. Er stirbt am 22. Januar 1929 in ’s Gravenhage.

Als Vorsitzender des Zuiderzeerates, dem Beratungsorgan zur Vorbereitungder Zuiderzeewerke, arbeitet er bis zu seinem Tode an der Realisierung des größten niederländischen Wasserbauprojektes mit. Neben dieser Funktion bekleidet Lely eine Reihe von Nebenfunktionen, wie dem Vorsitz des Kuratoriums des Königlich Niederländischen Meteorologischen Instituts in den Jahren 1906-1913, der Funktion des Präsidenten des Kuratoriums der Technischen Hochschule in den Jahren 1927-1929 und ist Vorsitzender oder Mitglied zahlreicher in- und ausländischer Kommissionen. Für seine wissenschaftlichen Verdienste wird er 1895 zum Mitglied der naturwissenschaftlichen Abteilung der Königlichen Akademie der Wissenschaften berufen und im Jahre 1905 mit der Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Delft bedacht.

Autor: Boris Krause
Erstellt: November 2006


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Geschichte finden Sie unter Bibliographie

Buhlmann, I.: Die Landgewinnung im Ijsselmeer, Wiesbaden 1976.

Nispen, L.C.W.J.M. van: Cornelis Willem Lely, in: Tijdschrift voor Waterstaatsgeschiedenis, Jaargang 11,2, 2002, S. 39-46.

Links

Wichtige geschichtliche Links finden Sie unter Institutionen

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