Geschichte - Personen A-Z


Balthasar Gerards

*ca. 1557 in Vuillafans (Frankreich) - †14. Juli 1584 in Delft - Sekretär, Attentäter

Balthasar Gerards
Attentatsopfer Wilhelm von Oranien  und Attentäter Balthasar Gerards, Quelle: Wikipedia

Jedes niederländische Schulkind kennt seinen Namen aus dem Geschichtsunterricht – Balthasar Gerards, der Attentäter, der Wilhelm von Oranien am 10. Juli 1584 mit drei Pistolenschüssen niederstreckte. Es handelte sich um einen politischen Mord bei dem die Konfessionsgegensätze eine bedeutende Rolle spielten. Vier Tage nach dem geglückten Mordanschlag im Prinzenhof in Delft starb Gerards einen grauenvollen Hinrichtungstod.   

Balthasar Gerards (Gérard) wurde um das Jahr 1557 im französischen Flecken Vuillafans in der ostfranzösischen Region Franche-Comté als neuntes von zwölf Kindern streng katholischer Eltern geboren. Der Vater stand wohl im Dienst der örtlichen Adelsfamilie, der Bauffremonts. Die Mutter Balthasars stammte wohl aus der niederländischen Region Dordrecht. Mit zwölf Jahren wurde Gerards zur Ausbildung in das benachbarte Dôle, die Hauptstadt der Region, geschickt. Hier trat er zunächst als Schreiber in den Dienst der örtlichen Gerichtskanzlei. Später wurde er Sekretär im Heer des Grafen Peter Ernst I. von Mansfeld, der in kaiserlichen Diensten stand und als Statthalter der spanischen Krone in Luxemburg (1545–1604) und Brüssel (1566), später auch in den Niederlanden (1592–1594) regierte. In dieser Zeit scheint Gerards sich politisch radikalisiert zu haben: der fanatische Katholik wurde ein erbitterter Gegner Wilhelms von Oranien, der in den Niederlanden einen protestantischen Staat aus der Taufe heben wollte.

Nachdem Wilhelm von Oranien 1568 von Phillip II. von Spanien verbannt und seiner Güter enteignet wurde, eröffnete er den bewaffneten Konflikt gegen Spanien. Im März 1580 wurde Wilhelm von König Phillip für vogelfrei erklärt, woraufhin Gerards den Beschluss fasste, Wilhelm zu ermorden. Er desertierte 1584 aus der Mansfeld‘schen Armee und gelangte über Trier nach Doornik, wo es zum Treffen mit dem Herzog von Parma kam. Der Herzog, dem er seine Absicht darlegte, verweigerte Gerards jegliche Hilfe, weil er sich von dem Unternehmen des radikalen Attentäters keine Erfolgsaussichten versprach. Dennoch ließ er Gerards gewähren. Dieser kam im Mai 1584 in Delft an und logierte in einer Herberge unweit des Prinzenhofs – der Residenz Wilhelms. Unter dem Decknamen François Guyon und mithilfe eines gefälschten Briefs, der ein offizielles Siegel trug, dass Gerard zuvor aus der Schreibstube der Mansfeld‘schen Armee entwendet hatte, präsentierte er sich als protestantischer französischer Edelmann, der in den Dienst des Prinzen zu treten wünsche. Am 10. Juli 1584 erfuhr Gerards, dass Wilhelm ihm noch am selbigen Abend eine Audienz gewähren wolle. Bewaffnet mit zwei geladenen Pistolen trat er zum vereinbarten Zeitpunkt den Weg zum Prinzenhof an, wo er Wilhelm auf der Treppe aus nächster Nähe in Brust und Seite schoss. Nach kurzer Flucht wurde Balthasar Gerards gestellt. Im Kerker schrieb er eine Erklärung mit seinen Beweggründen nieder. Mittels Folter versuchte man ihm die Namen potentieller Mitverschwörer zu entlocken – er aber nennt nur den Herzog von Parma. Vier Tage nach dem Mord an Wilhelm von Oranien, am 14. Juli 1584 wird dem zum Tode Verurteilten auf dem Marktplatz von Delft das Herz aus dem Leib geschnitten, dann ziehen Pferde den Körper in Stücke.

König Phillip von Spanien ‚belohnte‘ die Familie des Balthasar Gerards für das geglückte Attentat mit dem Adelstitel und den Ländereien Wilhelms von Oranien in der Franche-Comté.

Autor: Christian Kuck
Erstellt: August 2011


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Geschichte finden Sie unter Bibliographie

Baar, P.P. de et al.: Balthasar G., Amsterdam 1984.

Bosma, Nanne J.: Balthazar Gerards : moordenaar en martelaar, Amsterdam 1983.

Links

Wichtige geschichtliche Links finden Sie unter Institutionen

Geständnis des Balthasar Gerards (Niederländisch) WikiSource


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2015 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: