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Dirk Jan de Geer

*Groningen, 14. Dezember 1870 - † Soest, 27. November 1960 - niederländischer Politiker (CHU) , zweifacher Ministerpräsident der Zwischenkriegszeit

Dirk Jan de Geer wurde 1870 als Sohn des reformierten Pastors Jonkheer Lodewijk de Geer und seiner Frau Petronella Elisabeth Beckeringh geboren. Nach dem Schulbesuch in Rotterdam und Arnheim studierte er Jura in Utrecht und schloss sein Studium 1895 mit der Promotion ab. Er war zunächst als Redakteur der christlich-historischen Tageszeitung „De Nederlander“ tätig und machte ab 1901 für die Christelijk-Historische Unie (CHU) Karriere in der Politik. Er wurde Mitglied des Rotterdamer Gemeinderates, Deputierter für Südholland, Abgeordneter der Zweiten Kammer des Parlaments und Bürgermeister von Arnheim.

De Geer war als Persönlichkeit schwierig, unzugänglich für Ratschläge und von sich selbst überzeugt, von begrenztem politischem Horizont, zugleich aber tüchtig und arbeitsam. In der CHU war er bis zum Zweiten Weltkrieg eine tonangebende Figur. Seine Interessen als Politiker konzentrierten sich dabei ganz auf die Innen- und Finanzpolitik. 1921 übernahm er das Amt des Finanzministers, trat aber bereits zwei Jahre später zurück ― offiziell aus Protest gegen das neue Flottengesetz, in Wirklichkeit, weil er sein Ziel eines ausgeglichenen Haushalts nicht erreichen konnte. 1925 amtierte de Geer als Innenminister in dem kurzlebigen zweiten Kabinett Hendrik Colijns und bildete 1926, nach der Lösung der innenpolitischen Krise um die niederländische Gesandtschaft beim Vatikan, erstmals eine eigene Regierung auf außerparlamentarischer Grundlage. Zu seinen Leistungen in dieser Phase gehörte die umfassende Reform der Gemeindefinanzierung.

Unter seinem Nachfolger Ruijs de Beerenbrouck, in den Anfängen der Weltwirtschaftskrise, behielt de Geer das Finanzministerium bis 1933. Danach wurde er Fraktionsvorsitzender der CHU in der Zweiten Kammer und unterstützte bis 1939 die Kabinette Hendrik Colijns von der Antirevolutionären Partei. Nach dessen Sturz übernahm de Geer zum zweiten Mal die Regierungsbildung, obwohl er als Innenpolitiker und dezidierter Pazifist angesichts der internationalen Spannungen im Herbst 1939 und der Bedrohung der Niederlande durch das „Dritte Reich“ dafür von vornherein wenig geeignet erschien. Erstmals traten nun zwei Abgeordnete der sozialdemokratischen Partei der Regierung bei.

Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande am 10. Mai 1940 versagte de Geer als Regierungschef kläglich. Er trat in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung, war unfähig, Beschlüsse zu fassen, und begab sich am 14. Mai unter chaotischen Umständen mit der Regierung nach London. In London setzte er sich dafür ein, den niederländischen militärischen Widerstand sofort zu beenden, den Sieg Hitlers anzuerkennen und mit den Deutschen zusammenzuarbeiten. Angesichts seiner defätistischen Haltung wurde er Ende August 1940 zum Rücktritt als Ministerpräsident gezwungen und sollte sich eigentlich nach Niederländisch-Indien begeben. Statt dessen kehrte er in die besetzten Niederlande zurück und warb öffentlich für einen Friedensschluss mit den Deutschen.

Nach dem Krieg wurde de Geer für sein Verhalten zur Verantwortung gezogen und zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung sowie Hausarrest verurteilt. Er verlor den 1933 verliehenen Ehrentitel eines „Ministers van Staat“ und seine königlichen Orden. Das letzte Jahrzehnt seines Lebens verbrachte er verbittert und gesellschaftlich isoliert mit der Abfassung von Rechtfertigungsschriften.

Autor: Dr. Christoph Strupp
Erstellt: Juni 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Geschichte finden Sie unter Bibliographie

Brandhof, J. C. E. van den: De besluitwetgeving van de kabinetten De Geer en Gerbrandy, Deventer 1986.

Horst, Han van der: Onze premiers (1901-2002). Hun weg naar de top, Amsterdam 2007, S. 127-142.

Pos, Hugo/ Kuijk, Jan: Het averechts handelen. De Geer in Lissabon. Naïef, wereldvreemd, eigengereid, Haarlem 1997.

Puchinger, George: Colijn en het einde van de coalitie, Bd. 1: De geschiedenis van de kabinetsformaties, 1918-1924, Kampen 1969.

Puchinger, George: Colijn en het einde van de coalitie, Bd. 2: De geschiedenis van de kabinetsformaties, 1925-1929, Kampen 1980.

Puchinger, George: Colijn en het einde van de coalitie, Bd. 3: De geschiedenis van de kabinetsformaties, 1933-1939, Leiden 1993.

Links

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Biographie (Parlament & Politiek) D.J. de Geer

Übersicht Kabinett I (Parlament & Politiek) Kabinett De Geer I

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