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Hendrikus Colijn

*Burgerveen, 22. Juni 1869 - † Ilmenau/Deutschland, 18. September 1944 - niederländischer Politiker (ARP) und Wirtschaftsführer, fünffacher Ministerpräsident der Zwischenkriegszeit

Colijn
H. Colijn, Quelle: Wikipedia

Colijn wurde 1869 als Sohn des Landwirts Antonie Colijn und seiner Frau Anna Verkuijl geboren. Nach erfolgreichem Schulbesuch meldete er sich 1886 zum Militär und ging nach Abschluss seiner Ausbildung mit seiner Frau Helena Groenenberg 1893 nach Niederländisch-Indien. Dort machte er Karriere und übernahm neben militärischen Kommandos, deren Charakter jüngst kontrovers diskutiert wurde, auch wichtige Verwaltungsaufgaben. 1907 wechselte Colijn in die Spitze der zivilen Kolonialverwaltung, ehe er 1909 nach über 15 Jahren nach Europa zurückkehrte, um Abgeordneter der Zweiten Kammer für die calvinistische Anti-Revolutionäre Partei (ARP) zu werden.

Bereits Anfang 1911 wurde er zum Kriegsminister ernannt und stellte mit einschneidenden Reformen die niederländische Landesverteidigung auf eine neue Grundlage. Nach dem Abtritt der Regierung Heemskerk zog Colijn es aus finanziellen Gründen vor, in die Wirtschaft zu wechseln und im April 1914 den Direktorenposten der Bataafsche Petroleum Maatschappij (BPM) zu übernehmen. Nach dem Ersten Weltkrieg ging er als Direktor der Koninklijke Petroleum Maatschappij und Verwaltungsratsmitglied von Shell nach London. Enge Kontakte zur niederländischen Politik blieben durch die Mitgliedschaft in der Ersten Kammer des Parlaments erhalten. Außerdem ermöglichte ihm seine Stellung nun, in Wirtschaftsfragen eine informelle Mittlerfunktion zwischen den Niederlanden und den Entente-Mächten einzunehmen.

Nachdem Colijn im August 1918 ein erstes Angebot, niederländischer Ministerpräsident zu werden, noch abgelehnt hatte, kehrte er 1922 aus London zurück und widmete sich nun ganz seiner politischen Karriere bei der ARP. Im August 1923 wurde er Finanzminister und setzte einschneidende Sparmaßnahmen durch. Im August 1925 übernahm Colijn dann erstmals selbst das Amt des Ministerpräsidenten, konnte sich aber wegen einer Koalitionskrise um die niederländische Gesandtschaft beim Vatikan nur wenige Monate halten. Ab 1927 fungierte er als Chef der niederländischen Delegation bei den Wirtschaftsverhandlungen des Völkerbunds in Genf. Auf die niederländische Bühne kehrte er 1929 mit dem Einzug in die Zweite Kammer zurück und übernahm den Fraktionsvorsitz der ARP.

Im April 1933 begann die eigentliche Ära Colijn. Als Ministerpräsident bis 1939 im Amt bemühte Colijn sich darum, Kabinette auf breiter Grundlage zu bilden, um der Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre Herr zu werden. Ein ausgeglichener Staatshaushalt und die Stabilität des Guldens sollten gewahrt bleiben. Die Ausgaben mussten begrenzt werden, und Hilfen für die Krisensektoren und die Arbeitslosen wurden nur ungenügend bereitgestellt. Der Amsterdamer Jordaan-Aufstand im Juli 1934 war ein Zeichen der sozialen Spannungen der Zeit. Colijn widerstand allerdings Versuchungen, der Krise mit autoritären Mitteln zu begegnen und blieb ein Verteidiger der niederländischen parlamentarischen Demokratie.

Im Sommer 1939 scheiterte Colijn daran, dass sich das Ideal eines ausgeglichenen Haushalts und die unerlässlichen Mehrausgaben für Soziales und für Verteidigung nicht mehr in Einklang bringen ließen. Noch stets national und international hoch angesehen, engagierte sich Colijn nach seinem Ausscheiden als Ministerpräsident wieder für den Völkerbund und führte im Frühjahr 1940 politische Spitzengespräche in ganz Europa. Nach dem deutschen Überfall auf die Niederlande am 10. Mai 1940 kritisierte er die Flucht der Regierung nach London und erkannte die deutsche Vormachtstellung in Europa an, wandte sich aber zugleich gegen eine politische Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht. Im Juni 1941 wurde er verhaftet, nach Deutschland gebracht und ab März 1942, nur in Begleitung seiner Frau, in dem thüringischen Städtchen Ilmenau streng isoliert festgehalten. Dort erlag er im September 1944 einem Herzanfall.

Hendrik Colijn war durch seine Herkunft, sein breites Spektrum beruflicher Erfahrungen in der Armee, der Kolonialverwaltung, als Wirtschaftsführer im In- und Ausland sowie als Parteipolitiker eine Ausnahmeerscheinung unter den Führungsfiguren der niederländischen Politik der Zwischenkriegszeit. Zwar fand er in den 1930er Jahren keine Lösung für die Wirtschaftskrise und die daraus folgenden sozialen Spannungen, aber zugleich verteidigte er das niederländische politische System erfolgreich gegen die Angriffe von rechts und links.

Autor: Dr. Christoph Strupp
Erstellt: Juni 2007


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Geschichte finden Sie unter Bibliographie

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Velde, Henk te: Stijlen van leiderschap. Persoon en politiek van Thorbecke tot Den Uyl, Amsterdam 2002, S. 107-152.

Werkman, Paul E./ Woude, Rolf E. van der: Hendrik Colijn. Soldaat, ondernemer, politicus, in: dies.(Hrsg.): Geloof in eigen zaak. Markante protestantse werkgevers in de negentiende en twintigste eeuw, Hilversum 2006, S. 191-233.

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