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Frits Bolkestein

*Amsterdam, 4. April 1933 - niederländischer Politiker (VVD) und ehem. EU-Kommissar

Wilders-Mentor Frits Bolkestein
Wilders-Mentor Frits Bolkestein (hier als designierter EU-Kommisar im Brüsseler Parlament), Quelle: Europäische Union

Frits Bolkestein hatte schon eine lange Karriere in der Wirtschaft und in der Politik hinter sich, als er in ganz Europa als Wirtschaftskommissar der Europäischen Union bekannt wurde. Der debattierfreudige Liberale gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten in der neueren niederländischen Politik.

Frederik (Rufname: Frits) Bolkestein, Sohn eines Anwalts, wuchs in Amsterdam auf. Den Familiennamen hatte bereits sein Großvater Gerrit Bolkestein in der niederländischen Politik etabliert. Dieser war ab 1939 Kultusminister gewesen und hatte diese Funktion auch während der deutschen Besatzung der Niederlande im Londoner Exil weiter ausgeübt. Frits Bolkestein besuchte in Amsterdam das Gymnasium. Nach seinem Abitur studierte er zunächst in den USA Mathematik, dann in Amterdam Mathematik und Physik, später außerdem noch Griechisch und Philosophie. 1960 stieg er als Mitarbeiter der Ölgesellschaft Shell ins Berufsleben ein. Er arbeitete hauptsächlich im Ausland, zuerst in Ostafrika, dann in Honduras und El Salvador, anschließend in Großbritannien und in Indonesien. Schließlich beendete er seine Karriere bei der Ölgesellschaft als Direktor von Shell Chemie in Paris. Während Bolkestein für Shell um die Welt reiste, bildete er sich zielstrebig weiter. Er machte ein Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre in London und absolvierte 1965 das Jurastudium an der Leidener Universität.

1978 stieg Bolkestein aus der Wirtschaft aus und ging in die Politik. Er wurde Parlamentsmitglied für die liberale VVD. Vier Jahre später ernannte man ihn zum Staatssekretär für Außenhandel der Regierung Lubbers, in der die VVD mit dem christdemokratischen CDA koalierte. Danach kehrte Bolkestein ins Parlament zurück, um 1988 nach vier Jahren wieder in die Regierung zu wechseln, diesmal als Verteidigungsminister. Als die Regierung nach kurzer Zeit zurücktreten musste, kehrte Bolkestein in die Zweite Kammer zurück. Er brachte es 1990 zum Fraktionsvorsitzenden der liberalen Fraktion und sollte diese Funktion bis 1998 ausüben.

Als Politiker fiel Bolkestein zum wiederholten Male durch kontroverse Aussagen auf. Er forderte dazu auf, neue gesellschaftliche Werte zu bestimmen und scheute harte Aussagen bezüglich der Immigrationspolitik nicht im Geringsten. So vertrat er die Meinung, dass Kinder, die sich illegal in den Niederlanden aufhielten, nicht am Schulunterricht teilnehmen dürfen sollten. Mit Warnungen vor einer grundlagenlosen multikulturellen Gesellschaft griff er Fragen auf, die fast zehn Jahre später erst in einer breiteren Öffentlichkeit zur Debatte gestellt wurden. In vielen Büchern nahm er zu aktuellen Fragen Stellung. Im Parlament machte er sich auch einen Namen als begabter Redner und polemischer Debattierer. Weniger positiv fiel er 1996 auf, als er angeblich versuchte, seine Kontakte zur Gesundheitsministerin zugunsten eines Betriebs zu nutzen, dessen Kommissar er war.

Bolkestein war ein Wegbereiter der zweiten "violetten Koalition", die sich aus der VVD, der sozialdemokratischen PvdA und der sozialliberalen Partei D'66 zusammensetzte. In dieser war zum ersten Mal seit der Wahlrechtsreform 1918 keine christliche Partei vertreten. Trotzdem trat Bolkestein nicht der Regierung bei, sondern führte seine Partei lieber aus dem Parlament heraus an. Nachdem er 1998 einen großen Wahlsieg für die VVD errungen hatte, trat er als Fraktionsvorsitzender zurück. 1999 verließ er die niederländische Politik: in Brüssel wurde er Kommissar der von Romano Prodi geleiteten EU-Kommission. In diesem Amt befürwortete er eine Erweiterung des gemeinsamen europäischen Marktes. Vor allem die Dienstleistungsrichtlinie, die er zum Ende seiner Amtszeit vorlegte, traf auf eine große öffentliche Resonanz. Diese Richtlinie sollte den Abbau von nationalen Beschränkungen für Dienstleistungen bewirken. Viele Berufsgruppen befürchteten, die Richtlinie würde zu einer harter Konkurrenz mit ausländischen Fachkräften führen, die ihre Arbeit billig anbieten könnten, weil sie nicht von den gleichen nationalen Regeln betroffen seien.

Nachdem Bolkestein 2004 als Kommissar abgetreten war, nahm er einen Ruf als Professor für "Intellektuelle Grundlagen politischer Entwicklungen" in Leiden und Delft an. Auf seine Partei und auf das öffentliche Leben nimmt er, sei es mit einer gewissen Zurückhaltung, nach wie vor Einfluss.

Autor: Peter van Dam
Erstellt: Juli 2008


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Geschichte finden Sie unter Bibliographie

Ornstein, L./ Weezel, M. van (Hrsg.): Frits Bolkestein. Portret van een liberale vrijbuiter, Amsterdam 1999.

Links

Wichtige geschichtliche Links finden Sie unter Institutionen

Offizielle Homepage von Frits Bolkestein

Biographie (Parlament & Politiek) Frits Bolkestein


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