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Max Blokzijl

*Leeuwarden, 20. Dezember 1884 - †Den Haag, 16. März 1946 – Journalist, Autor, NS-Propagandasprecher

Max Blokzijl 1907
Max Blokzijl, 1907 Quelle: Unbekannt/Gemeinfrei

Marius Hugh Louis Wilhelm (Max) Blokzijl war während der deutschen Besatzung der Niederlande im zweiten Weltkrieg Radio-Propagandasprecher der Nationalsozialisten. Viele betrachteten ihn als den niederländischen Goebbels. Nach der deutschen Kapitulation am 7. Mai 1945 wurde er als erster Niederländer wegen Landesverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Von Leeuwarden nach Berlin
Max Blokzijl wurde am 20. Dezember 1884 in Leeuwarden geboren. Nach seinem Hochschulabschluss arbeitete er als Journalist bei der Zeitung Algemeen Handelsblad in Amsterdam. Um dem Alltagstrott zu entfliehen, reiste Max Blokzijl Ende 1907 mit seinem Arbeitskollegen Jean-Louis Pisuisse für neun Tage durch die Niederlande. Dabei verkleideten sich die beiden als italienische Straßenmusikanten. Ihre gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen hielten sie schriftlich fest und veröffentlichten diese im Anschluss an ihre Reise als Reportage im Algemeen Handelsblad.

Nach zahlreichen positiven Rückmeldungen und erfolgreichen Verkaufszahlen erschien ihre Reportage nochmals als Buch, zusätzlich enthalten waren nun Illustrationen von Louis Raemaekers und Jan Feith. Der große Erfolg ermöglichte es dem Duo weitere Reisen zu unternehmen. So bereisten sie als musikspielende Journalisten zwischen 1908 und 1913 ganz Europa, Niederlande-Indien, China, Japan und Russland.

Max Blokzijl Und Jean-louis Pisuisse 1907
Max Blokzijl (links) und Jean-Louis Pisuisse (rechts),  verkleidet als italienische Straßenmusikanten 1907, Quelle: Unbekannt/Gemeinfrei

Anfang 1913 wurde Max Blokzijl vom Algemeen Handelsblad als Korrespondent in Berlin eingesetzt. Doch mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 ging er zurück in die Niederlande und diente als Kurier, später als Offizier, bei einem niederländischen Landwehr-Bataillon. 1917 nahm Blokzijl erneut seine Tätigkeiten als Korrespondent in Berlin auf. Dort erlebte er 1919 den Spartakusaufstand und die Novemberrevolution aus nächster Nähe. In seinen Memoiren gab er zudem an, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gut gekannt zu haben. Bis 1940 blieb Max Blokzijl in der deutschen Hauptstadt.

Propagandasprecher der Nationalsozialisten
Anfänglich stand Blokzijl der NSDAP kritisch gegenüber. Vielmehr war er Befürworter der Weimarer Republik. Über die Nationalsozialisten schrieb Blokzijl bei den Wahlen 1928: „Die Rechtsradikalen – immer noch die Gruppe, die dem österreichischen Tapezierer Hitler nachläuft“. Den aufkommenden Antisemitismus in Deutschland wollte Blokzijl auch nicht nachvollziehen: „In Zeiten der Not sucht man nun einen Sündenbock, und den meint man in den Juden gefunden zu haben“.

Doch nach der Machtübernahme Hitlers änderte Blokzijl seine Meinung. Trotz seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Antisemitismus bewunderte Blokzijl die Partei Hitlers für ihre Disziplin und ihren militärischen Charakter. Blokzijl entschloss sich 1935 im Geheimen Mitglied des NSB zu werden. Der Wirtschaftsaufschwung und das Absinken der Kriminalitätsrate bestärkten seine Sympathie gegenüber den Nationalsozialisten weiter.

1940 fragte ihn der prodeutsche Direktor des AVRO, Willem Vogt, ob Blokzijl im Rundfunk Radbiobeiträge halten wolle. Willi Janke, der damalige Pressechef des Reichskommissariats in Den Haag befürwortete die Idee, wollte Blokzijl jedoch lieber als Radiosprecher in den Niederlanden einsetzten. Blokzijl nahm letzteren Vorschlag an und zog nach Amsterdam.

Während des zweiten Weltkriegs, vom zweiten Februar 1941 bis zum fünften Mai 1945, hielt Blokzijl rund achthundert Vorträge im Radio. Er genoss als Radiosprecher große Popularität. Hunderttausende hörten ihm gespannt zu. Ein Teil seiner Beliebtheit war vermutlich noch auf seine Zeit als erfolgreiches Sänger-Duo mit Jean-Louis Pisuisse zurück zu führen.

Blokzijl traf und interviewte unter anderem Joseph Goebbels, Rudolf Hess, Hermann Goering und Adolf Hitler. Letzterem attestierte er eine „geniale Persönlichkeit“. So müsse man Hitler an erster Stelle als „Künstler und Architekt“ sehen. Außerdem sei es „eine Torheit anzunehmen, dass Hitler diesen Krieg gewollt hat“.

Maxblokzijl1945
Max Blokzijl während eines Verhörs im Mai 1945, Quelle: Commons

„Die Stimme des Teufels“
Nach der Kapitulation Deutschlands ließ sich Blokzijl am 9. Mai 1945 widerstandslos festnehmen. Ihm wurde das Betreiben von Propaganda vorgeworden, die darauf ausgerichtet war, den Wille zum Widerstand der Bevölkerung zu brechen. Der Staatsanwalt bezeichnete Blokzijl als „Stimme des Teufels“.

Beim Gerichtsprozess versuchte Blokzijl seine Verdienste für die Niederlande im ersten Weltkrieg herauszustellen. Seinen Einfluss als Propagandasprecher relativierte Blokzijl stark. So wären hinsichtlich der Propaganda keine sichtbaren Resultate seiner Vorträge zu erkennen gewesen. Zudem wäre er bei all seiner Arbeit an erster Stelle von Idealismus und Vaterlandsliebe geleitet worden. Bis zuletzt hielt Blokzijl daran fest, kein Verbrechen begangen zu haben, dass eine Todesstrafe rechtfertigte.

Wie groß letztendlich sein Einfluss auf die Bevölkerung wirklich war, lässt sich schwer schätzen. Die große Anzahl an Briefen und Rückmeldungen zu den Radiovorträgen lassen jedoch andeuten, dass Blokzijls Einfluss nicht unerheblich war. Im Vergleich zu seinem großen Vorbild Joseph Goebels war sein Anteil an der Umsetzung der Propaganda aber vergleichsweise gering. Letztendlich war Blokzijl jedoch für viele Niederländer wie kaum ein anderer das Symbol des Verrats.

Am 25. September 1945 verlas der Richter das Todesurteil. Blokzijls Gnadengesuch bei Königin Wilhelmina wurde abgewiesen. Am 16. März 1946 wurde Max Blokzijl schließlich durch ein Erschießungskommando hingerichtet.

Autor: Paul Hegers
Erstellt: März 2015


Literatur

Bibliographischen Angaben zum Thema Geschichte finden Sie unter Bibliographie

Kok, René: Max Blokzijl, Amsterdam 1988.

Links

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