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Louis Beel

*Roermond, 12. April 1902 - 11. Februar 1977 - niederländischer Politiker (RKSP, KVP) und ehemaliger Ministerpräsident

Louis Beel
Louis Beel 1958, Quelle: Rijksoverheid.nl

Louis Beel war während zwei getrennten Perioden der Ministerpräsident der Niederlande und leitete die Kabinette Beel I und Beel II. Doch schon davor hatte er einen bewegten Werdegang und war nicht nur in der Politik tätig.
Beel studierte bis 1928 Rechtswissenschaften und promovierte 1935 mit "Zelfbestuur of afhankelijke descentralisatie?" (dt. Selbstverwaltung oder abhängige Dezentralisierung?). In der Zwischenzeit war er in Eindhoven als Gemeindesekretär und stellvertretender Gemeindesekretär tätig gewesen.

Trotz dessen hatte Beel eigentlich keine politische Karriere angestrebt, sondern wollte sich einer wissenschaftlichen Laufbahn widmen. Gelegenheit dazu sah er aber erst nach Enden des zweiten Weltkriegs. Dazu kam es aber auch nach dem Krieg nicht. Mehr zufällig wurde er von der Militärobrigkeit von Nordbrabant als Berater in sozialen Angelegenheitennach London geschickt. Dort hielt sich zu diesem Zeitpunkt- trotz Kriegsende - Königin Wilhelmina im Exil auf. Beel erarbeitete sich das Vertrauen der Monarchin, was ihn immer mehr in die Nähe der Politik brachte. Zudem trug er die Hauptverantwortung bei der Säuberung der Niederlande von den Nationalsozialisten in der Nachkriegszeit. Dies verschaffte ihm allgemein großen Respekt und machte seinen Namen bekannt.

Trotz seiner Mitgliedschaft in der Roomsch-Kathilieke Staatspartij (RKSP) 1933 bis 1945 war Beel nie selbst politisch aktiv gewesen. Das änderte sich erst im Februar 1945, als er als Innenminister in den Kabinetten Gerbrandy III und Schermerhorn/Drees tätig war. Im Dezember wurde die Katholieke Volkspartij (KVP) Nachfolgepartei der RKSP und konnte direkt 1946 die Wahl für sich entscheiden. Louis Beel wurde dann am 3. Juli 1946 zum ersten Mal Ministerpräsident der Niederlande. Er hatte dieses Amt bis zum August 1948 inne, konnte es danach aber nicht erneut antreten. Ab 1948 übernahm er den Posten als Vertreter der Krone in Niederländisch-Indien. Diesen räumte er aber nach etwa einem Jahr wieder. Grund dafür war, dass es Unstimmigkeiten zwischen ihm und der Regierung gab. Er war der Meinung, dass die Indonesienpolitik viel zu nachgiebig sei. Um seine Position zu untermauern trat er ab. Schon im Juli 1947 hatte er ein militärisches Auftreten gegen die Republik Indonesien angekündigt und zeigte damit schon zuvor seine Einstellung zu den (ehemaligen) niederländischen Kolonien.

Nach diesem konfliktreichen Abtritt entfernte sich Beel wieder von der Politik und unterrichtete zwei Jahre lang Verwaltungsrecht und -kunde an der Universität Nijmegen. Die kurze Lehrzeit war dem Umstand geschuldet, dass er im Dezember 1951 bereits wieder in die Politik gerufen wurde. Diesmal für das Kabinett Drees II, erneut als Innenminister. Für seine Leistungen für die niederländische Politik ernannte ihn Königin Juliana 1956 zum Staatsminister. Grund dafür war unter anderem seine Rolle im Skandal um die Gesundbeterin Greet Hofmans. Bei dieser ging es um ihren Einfluss auf Königin Juliana, was damals - laut Spiegel - beinahe rasputinartige Züge angenommen hatte. Beel war dabei Teil einer Kommission, die für Ruhe am Hof der königlichen Familie sorgte und damit das Abdanken der Königin oder eine Scheidung ihrer Ehe verhinderten. 1958 wurde er nochmals für ein Jahr Ministerpräsident mit dem Kabinett Beel II. Das Rumpfkabinett unter seiner Leitung war lediglich der Ersatz für die zuvor zerbrochene Regierung unter Willem Drees (PvdA) gewesen und arbeitete hauptsächlich auf die Wahlen 1959 hin.

Beels markante, hohe Stirn war einer der Gründe warum eine bestimmte Art von Zügen inoffiziell nach ihm benannt wurden. Die Züge der niederländischen Bahn von der 2600er Serie wurden "Beelen" genannt, was daraus resultierte, dass ihre Vorderseiten dem Gesicht des Ministerpräsidenten überaus ähnlich waren. Louis Beel war insgesamt eine überaus markante Person des öffentlichen Lebens. So trug er unter anderem den beinamen "De Onderkoning van Nederland" (dt. Der Unterkönig der Niederlande), was auf seinen immensen Einfluss als Vizevorsitzender des Raad van State anspielte. Zudem erhielt er dadurch unter anderem auch den Beinamen "De Sfinx van Wassenaar" (dt. Die Sphinx von Wassenaar).

Autor: Andrea Hoppe
Erstellt: Mai 2015


Literatur

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