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Guus Hiddink

*Varsseveld, 08. November 1946 - Niederländischer Fußballspieler und -trainer

Guus Hiddink2Guus Hiddink 2009 in seiner Funktion als russischer Nationaltrainer, Quelle: Новикова Юлия/cc-by-sa

Viele Fußballtrainer werden mit heimlichem Neid auf die Leistungen des niederländischen Erfolgstrainers Guus Hiddink schauen. Seit er 1986 zunächst beim PSV Eindhoven Hauptverantwortlicher wurde, feierte er mit den unterschiedlichsten Mannschaften beachtenswerte Erfolge. Zuerst verbrachte er bei seinem Heimatverein Wunder, später in der ganzen Welt.

Obwohl Guus Hiddink sich als Trainer einen großen Namen machte, war seine Karriere als aktiver Spieler wenig auffällig. Er wurde am 8. November 1946 in Varsseveld, nahe der deutsch-niederländischen Grenze, geboren. Als zwanzigjähriger debütierte er für De Graafschap; ein eher kleiner Verein aus Doetinchem, unweit seines Geburtsorts. Der Mittelfeldspieler wechselte 1970 zu PSV Eindhoven, konnte sich dort aber nicht etablieren. Nach zwei Jahren in Eindhoven kehrte er zu De Graafschap zurück. Zweimal versuchte er sein Glück in der Fußballliga der USA, außerdem spielte er, bevor er seine Karriere 1982 bei De Graafschap beendete, beim NEC Nijmegen. Das Ende von Hiddinks Laufbahn als Spieler ging fließend in eine Trainerlaufbahn über.

Ab und zu lässt sich Guus Hiddink bei Cafe Jansen in Doetinchem noch mal blicken. „Wenn er in der Nähe ist, dann schaut er auch rein“, sagt Kneipier Ben Hiddink, der sich freut, dass sein Bruder auch nach so vielen Jahren regelmäßig seine Kneipe an der Catharina-Kirche aufsucht. „Die Bindung zu seiner Heimat, zu seiner Stadt Doetinchem, die ist ihm ziemlich wichtig“, sagt Ben Hiddink. „Guus ist da absolut auf dem Teppich geblieben.“ Und das ist für den Fußballtrainer vermutlich gar nicht so einfach. Guus Hiddink ist ein Weltreisender in Sachen Fußball, und er ist zweifelsohne einer der besten Trainer der Welt. Er war sechs Mal niederländischer Fußballmeister, 1998 führte er die niederländische Nationalmannschaft bei der WM in Frankreich ins Halbfinale. In Südkorea gelang ihm das Kunststück vier Jahre später noch einmal. Selbst mit den Mannschaften aus Australien und Russland schaffte er das für unmöglich geglaubte: Die Qualifikation für eine Endrunde. Australien spielte bei der WM 2006 in Deutschland mit und kam bis ins Achtelfinale, Russland konnte sich für die EM 2008 in Österreich und der Schweiz qualifizieren, schaffte es bis ins Halbfinale und besiegte unterwegs ausgerechnet die Niederlande mit 3:1.

Aus einer bodenständigen Gegend zum weltweiten Erfolg

Guus Hiddink ist ein Star: In Südkorea wird er auf Händen getragen und in Australien als „Saint Gus“ verehrt. Und trotzdem: „Im Grunde seines Herzens ist er ein bescheidener Bauernlümmel aus dem Achterhoek geblieben“, sagt Bert Wagendorp. Der Journalist der Zeitung de Volkskrant hat 2008 eine beeindruckende Biographie über Guus Hiddink vorgelegt - das Leben „eines Weltbürgers aus dem Achterhoek“.

Viele Weltbürger gibt es im Achterhoek nicht. Außer dem Maler Piet Mondriaan, der in Winterswijk lebte, oder den Dichtern Anthony Staring aus Vorden und Gerrit Komrij hat es überhaupt keiner zu nationalem Ruhm geschafft. Die Region zwischen Doetinchem und Winterswijk ist eine verschlafene Ecke, geprägt von bodenständigen Bauern, die ihre besten Fußballer – die erste Mannschaft von De Graafschap Doetinchem – passenderweise „Superboeren“ (dt. Superbauern) nennt.

Auch Guus Hiddink war lange Jahre ein Superbauer und führte die drittklassige Mannschaft aus Doetinchem in die erste Liga des niederländischen Fußballs. Von 1967 bis 1977 spielte er fast ununterbrochen bei De Graafschap, einem Verein, dem er bis heute angehört. Hiddink hatte immer eine romantische Beziehung zu seinem Verein. Er erzählt, dass er als Schuljunge jeden Tag an seinem Traumstadion, dem „Vijverberg“ von De Graafschap, vorbei fuhr, sich auf den Sattel seines Fahrrades stellte, kurz auf das Spielfeld schaute und von einer großen Karriere träumte. Die sollte Guus Hiddink später tatsächlich machen.

Ab 1981 war er zwei Jahre Co-Trainer bei De Graafschap. Dann wechselte er, wie er zuvor auch als Spieler getan hatte, zum PSV Eindhoven. Bis 1986 war er auch hier Co-Trainer, danach durfte er sich aber als Hauptverantwortlicher versuchen. Unter seiner Führung wurde der Eindhovener Verein bis 1990 dreimal Landesmeister und dreimal Pokalsieger. Außerdem gewann Hiddink 1988 mit dem Team um Hans van Breukelen, Ronald Koeman, Eric Gerets, Ronald Vanenburg und Wim Kieft den Europapokal der Landesmeister, ein ungekannter Erfolg. Guus Hidding, der fließend Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch spricht, war fortan ein gefragter Mann und begann wenig später seine Laufbahn als Weltenbummler in Sachen Fußball.

Hiddink blieb zwar noch bis 1990 in Eindhoven, wechselte dann aber zum türkischen Fenerbahce Istanbul, wo er aber bereits vor Ende seiner ersten Saison entlassen wurde. Daraufhin zog er um nach Spanien, wo er von 1991 bis 1994 den FC Valencia trainierte. In dieser Zeit gelang es ihm jedoch nicht, ansprechende Preise zu gewinnen. Nach einer turbulenten letzten Saison bei Valencia – nach seiner Entlassung im November 1993 wurde er im März 1994 zurückgebeten – fragte ihn der niederländische Fußballbund als Nationaltrainer an.

Bei der Europameisterschaft 1996 gelang es Hiddink noch nicht, eine erfolgreiche Mannschaft zu schmieden; Probleme zwischen verschiedenen Spielergruppen innerhalb der Mannschaft konnte er nur ungenügend kanalisieren. Während der Weltmeisterschaft in Frankreich im Jahr 1998 zeigte er jedoch seine Fähigkeiten. Eine gut ausgewogene und schwer besiegbare niederländische Nationalmannschaft strandete schließlich in einem denkwürdigen Halbfinale gegen Brasilien (die Niederländer verloren, nicht untypisch, 2:4 im Elfmeterschießen). Nach diesem Turnier trennte sich Hiddink von seinem ersten Engagement bei „Oranje“. Er wurde für kurze Zeit Trainer beim FC Real Madrid, danach ebenfalls in Spanien beim Real Betis Sevilla.

Im Jahr 2000 übernahm Guus Hiddink überraschenderweise das Traineramt der südkoreanischen Nationalmannschaft. Viele Beobachter sahen dies als einen undankbaren Job an, denn der Fußball hatte sich in Süd-Korea noch nicht sehr stark etabliert, und die Erwartungen an die Nationalmannschaft waren im Vorfeld der von Süd-Korea gemeinsam mit Japan organisierten Weltmeisterschaft 2002 riesig. Hiddink überraschte aber alle, indem er aus der unerfahrenen Spielergruppe durch eine lange und intensive Vorbereitung eine gut organisierte Mannschaft schmiedete, die sich bis ins Halbfinale des Turniers durchkämpfte. Einen solchen Erfolg hatte niemand vorher für möglich gehalten. „Hiddink schrieb in Südkorea Fußballgeschichte. Er erlebte einen jener seltenen Momente, die wohl nur der Fußball hervorbringen kann“, sagt Bert Wagendorp. In Süd-Korea wurde Hiddink zum Nationalhelden und in seinem Heimatdorf Varsseveld wurde der Ausnahmezustand ausgerufen. Tausende Koreaner kamen in das Dorf, um das Geburtshaus von Hiddink zu sehen. Das Cafe Jansen in Doetinchem wurde zum Fußballtempel für die koreanischen Fans, die hier am TV die Spiele ihrer Nationalmannschaft verfolgten. Selbst die Ortseingangsschilder von Varsseveld wurden ins Koreanische übersetzt. Es wurde ein Fußballstadion nach dem Erfolgstrainer umbenannt und in seinem Geburtsort Varsseveld wurde ein „Guuseum“ eingerichtet, das von den vielen Koreanern besucht wurde. „Das war schon verrückt“, erinnert sich Cafe-Eigentümer Bas Jansen.

Nach diesem bewegten Sommer 2002 kehrte Hiddink in die Niederlande zurück, wo er erneut beim PSV Eindhoven als Trainer antrat. Auch dieses zweite Trainerengagement in Eindhoven wurde ein voller Erfolg: Er blieb bis zum Sommer 2006 beim Eindhovener Verein. In dieser Zeit führte er die Mannschaft dreimal zur Landesmeisterschaft – 2005 wurde man zudem Pokalsieger. Außerdem erzielten die Eindhovener in der Champions League beachtliche Erfolge. Neben diesen deutlichen Erfolgen modernisierte Hiddink die interne Struktur des Vereins: er setzte sich für einen Ausbau der Jugendarbeit und eine bessere Anbindung der Jugendmannschaften an die erste Mannschaft ein.

Dem weltmännischen Hiddink war die Arbeit in Eindhoven jedoch nicht genug. 2005 wurde er außerdem Nationaltrainer Australiens – mit der Aufgabe, die Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft in Deutschland zu führen. Trotz Kritik an dieser vermeintlichen Selbstüberschätzung schaffte Hiddink sowohl die Landesmeisterschaft mit PSV als auch die Qualifikation für die WM mit Australien. Bei der WM 2006 erreichte er dann mit den Australiern sogar das Achtelfinale. Gleichzeitig gab es jedoch in Eindhoven immer mehr Kritik an seiner Person. Er würde im Verein eine zu starke Machtstellung haben, auch wurde gemunkelt, er hätte bei manchen Transfergeschäften auch eigene Vorteile gesucht. 2006 wurde Hiddink dann wegen Steuerhinterziehung von den niederländischen Behörden geahndet – Hiddink fühlte sich aus den Niederlanden fortgejagt. Er übernahm erneut eine Herausforderung, wie er sie zu lieben scheint: Der russische Ölmilliardär Roman Abramowitsch – der auch Besitzer des englischen FC Chelsea ist – hatte ihm den Posten des Trainers der russischen Nationalmannschaft angeboten. Hidding übernahm den Job im Februar 2006 mit der Aufgabe, nicht nur die erste Mannschaft zu trainieren, sondern auch den russischen Fußball zu modernisieren und die Jugendarbeit auszubauen. Er blieb bis 2010 und konnte dort 2008 den erwähnten Einzug ins Halbfinale bei der EM verbuchen.

Und Hiddink schien die Aufgabe in Moskau nicht zu reichen, denn 2009 stieg er zusätzlich zur Arbeit in der Nationalmannschaft beim schwächelnden Abramowitsch-Club Chealsea in London für 14 Spiele bis zum Saisonende als Interimstrainer ein. Elf der Spiele konnte das Team mit Hiddink gewinnen und so noch den dritten Platz der Premiere League erreichen.

2010 zog des den Weltenbummler dann in ein weiteres Land: Der Niederländer Hiddink übernahm die Nationalmannschaft der Türkei mit dem Auftrag, die Qualifikation zur EM 2012 zu schaffen. Die Erwartungen konnten aber nicht erfüllt werden, denn die Türkei scheiterte 2011 in den Playoffs und Hiddink wurde direkt im Anschluss auf die Straße gesetzt. Es folgte 2012 noch ein Engagement beim russischen Club Anschi Machatschkala, bei dem Hiddink zwei Saisons blieb und den Verein jeweils in die Europa League führte.

Acht Jahre nachdem er sich aus seinem Heimatland fortgejagt fühlte, zog es Guus Hiddink aber schließlich zurück in die Niederlande. Am 1. August 2014 begann er zum zweiten Mal nach der Periode von 1994 bis 1998 als Bondscoach der niederländischen Elftal. Er folgte damit auf Louis van Gaal, den es nach einer erfolgreichen WM und dem dritten Platz für die niederländische Nationalmannschaft zurück in den Vereinsfußball führte. Hiddink unterschrieb beim KNVB für zwei Jahre bis zur Europameisterschaft 2016. Im Anschluss – so der Plan – sollte er das Zepter an seinen Assistent Danny Blind übergeben.

Soweit sollte es aber nicht kommen. Bereits wenige Wochen nach dem Amtsantritt von Hiddink zeigte sich, dass er vielleicht doch nicht die beste Wahl für den Posten des neuen Bondscoach war. Seinen Einstand erlebte es mit einer Niederlage gegen die Auswahl aus Italien und seine Elftal konnte in den folgenden neun Begegnungen nur vier Siege erringen. Breits im November 2014 kam der KNVB sodann zu der Entscheidung, dass eine Trennung von Hidding unvermeidlich war. Bis Ende Juni 2015 sollte es aber noch dauern, bis KNVB-Direktor Bert van Oostveen in einer Pressekonferenz bekanntgab, dass beide Seiten zum 1. Juli die Zusammenarbeit beenden würden – für Hiddink ein ruhmloses Ende nach einer beachtlichen Karriere.

Ein friedlicher Mensch

Guus Hiddink gilt als umgänglicher Trainer. Ein Mensch, der keine Konflikte mag und harmoniebedürftig ist. „Ich kann kein raues, arrogantes Arschloch sein“, bekannte Hiddink 1998. „Loyalität, Harmonie, Ruhe, Ehrlichkeit. Das ist bei ihm oberstes Gebot“, schreibt Wagendorp. „Und diesbezüglich ist er immer ein Mann aus dem Achterhoek geblieben.“ Immer ein bisschen verlegen, sich selbst ins Rampenlicht zu stellen. Als seine Mannschaft 1988 den Europapokal gewann, erwiderte Hiddink auf die Frage, ob er ein Spitzentrainer sei: „Ach, Spitzentrainer. Was ist das? Ich bin ein Trainer, der auf Spitzenniveau arbeitet. Aber deswegen bin ich noch lange kein Toptrainer.“

Autoren: Peter van Dam und Andreas Gebbink
Erstellt: November 2006
Aktualisiert: Juni 2015, Onlineredaktion


Links

Wichtige Institutionen im Bereich Freizeit finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Fußballrivalitäten

Weitere Informationen befinden sich im Kurzbeitrag David gegen Goliath auf dem Spielfeld

Weitere Informationen befinden sich im Kurzbeitrag Rezension 'Wij waren de besten'

Literatur

Alle bibliographischen Angaben der Rubrik Freizeit finden Sie unter Bibliographie

Sportredactie de Volkskrant: Saint Gus. Biografie van Guus Hiddink, Amsterdam, 2006.

Nieuwenhof, Frans van den: Hiddink. dit is mijn wereld, Eindhoven 2006.

Wagendorp, Bert et al.: Tjaar Guus, Amsterdam 2008.


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