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Laura Dekker

*Whangarei (Neuseeland), 20. September 1995 - „Zeilmeisje“, jüngste Weltumseglerin

Laura200Laura Dekker 2011 auf der HISWA Amsterdam Boat Show, Quelle: ukexpat/cc-by-sa

„Über Angst darf man nicht nachdenken, sonst ist sie da. […] Angst allein bringt mich nicht weiter.“

Mit 14 Jahren alleine die Welt umsegeln  – das Zeilmeisje (dt. Segelmädchen) Laura Dekker sorgte nicht nur in den Niederlanden für Aufruhr, als ihre Reisepläne publik wurden, sondern erhielt auch international Aufmerksamkeit. Begleitet von großem Medienaufgebot beendete sie im Jahr 2012 ihre Weltumsegelung und wurde weltberühmt – nicht nur in Seglerkreisen.

Kindheit

Laura Dekker wurde 1995 während der siebenjährigen Segel-Weltreise ihrer Eltern, der Deutschen Babara Müller und dem Niederländer Dick Dekker, in Neuseeland geboren. Die ersten fünf Lebensjahre verbrachte sie mit ihren Eltern und ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Kim Dekker weiterhin auf See und wuchs somit auf dem Boot auf.

Nach ihrer Rückkehr in die Niederlande begann Laura Dekker im Alter von 6 Jahren selbstständig und alleine zu segeln. Sie segelte erfolgreich auch in Wettkämpfen und stieg mit zunehmendem Alter und Erfahrung schnell auf größere Bootstypen um. Als sich im Jahr 2002 ihre Eltern scheiden ließen, entschied sich Laura bei ihrem Vater, der zu der Zeit als Schiffsbauer arbeitete, zu leben. Sie wohnten gemeinsam auf einem Hausboot in Wijk bij Duurstede und später in verschiedenen niederländischen Orten. Im Alter von zehn Jahren kaufte Laura sich mit selbst verdientem Geld ihr erstes eigenes Boot, eine Hurley 700, mit der sie kürzere Segeltörns unternahm. Als sie im Mai 2009 alleine nach England und zurück segelte, wurde ihr klar, dass sie ihren Traum, alleine die Welt zu umsegeln, wahr werden lassen wollte.

Vorbereitungen auf die Reise

Gemeinsam mit ihrem Vater begann sie ab dem Jahr 2009 Vorbereitungen auf die Weltreise zu treffen. Als er sie jedoch von der Schule abmeldete und die Rektorin der Schule das Jugendamt über Lauras Vorhaben informierte, wurde dem Vater vorübergehend das Sorgerecht entzogen und die Weltreise untersagt. Der Konflikt zwischen dem Jugendamt und Lauras Eltern entwickelte sich zu einer grundsätzlichen und öffentlichen Diskussion um das Verhalten von Jugendlichen und inwieweit der Staat in ebendieses eingreifen darf. Das Amt für Kinderschutz urteilte, eine solche Reise könne „Lauras Gesundheit und ihre geistige Entwicklung gefährden“ und fand damit in großen Teilen der Bevölkerung Zustimmung.

Es wurden Gutachten von Psychologen, Segellehrern und Pädagogen erstellt, die besagten, dass Laura Dekker durchaus bereit sei, diese Reise zu unternehmen. Trotzdem wurde der Entzug des Sorgerechts ihres Vaters verlängert und ihr ein Segelverbot erteilt. Infolge dessen unternahm sie einen Selbstmordversuch. Nach zehn Monaten Gerichtsverhandlungen erhielten die Eltern das Sorgerecht zurück und Dekker konnte am 21. August 2010 von Gibraltar aus ihre Weltumsegelung starten.

Weltumsegelung

Sie segelte in vier Tagen nach Lanzarote und verließ die Kanarischen Inseln am 10. November 2010 um am 2. Dezember die Atlantiküberquerung von Kap Verde nach Sint Maarten zu beginnen. Für diese Etappe von 2200 Seemeilen (~4070 km) benötigte sie 17 Tage. Nach der Durchquerung des Panamakanals am 10/11 April 2011 erreichte sie am 25 August 2011 den Hafen von Darwin an der australischen Nordküste und hatte damit den Pazifischen Ozean überquert. Von Darwin aus wollte sie ursprünglich durch den Suezkanal und über das Mittelmeer zurücksegeln, wählte jedoch aus Angst vor Piratenübergriffen vor Somalia die Route um das Kap der Guten Hoffnung, die Südspitze Afrikas. 47 Tage und ca. 5600 Seemeilen (~10500 km) nach ihrer Abfahrt aus Australien erreichte sie die Südafrikanische Stadt Durban. Nachdem sie am 12. Dezember 2011 Kapstadt verließ, erreichte sie am 21. Januar 2012 nach insgesamt 17 Monaten und ca. 27000 Seemeilen (~50000 km) ihren Zielhafen Sint Maarten und beendete damit offiziell ihre Weltumsegelung.

Das Boot

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„Guppy“, Laura Dekkers Boot, Quelle: Lighthouse Roter Sand/cc-by-sa

Ursprünglich sollte eine Hurley 800 durch einen Sponsor zur Verfügung gestellt werden. Dieser Sponsor trat jedoch nach der öffentlichen Debatte die Laura Dekkers Vorhaben anstieß von seinem Angebot zurück, sodass Dick Dekker ein Boot kaufen musste. Wie alle ihre Boote, taufte Laura Dekker auch die umgebaute Jeanneau Gin Fizz, mit der sie zur Weltumsegelung aufbrach „Guppy“. Bei dem Boot handelt es sich um einen 40 Fuß (12 Meter) Zweimaster mit 3,76 Meter Breite, 1,90 Meter Tiefgang und einem Gewicht von 11 Tonnen. Dieses Boot war damit erheblich größer als die ursprünglich vorgesehene Hurley 800. Da das Boot größer als 7 Meter war, durfte sie aufgrund ihres Alters nicht in den Niederlande segeln und startete deshalb von Gibraltar aus.

Die Route

Route der Weltumsegelung von Laura Dekker, Quelle: BIL/cc0

Konsequenzen

Im Alter von 16 Jahren war sie damit der jüngste Mensch, der alleine die Welt umsegelt hatte. Jegliche offizielle Preise oder Rekorde wurden jedoch aus Angst vor Nachahmern abgeschafft. Dekker schrieb während ihrer Reise einen wöchentlichen Bericht für das Algemeen Dagblad und führte einen Blog, in dem sie regelmäßig Infos und Bilder teilte. Die Reise war für sie ein voller Erfolg, denn ihr Ziel, zu segeln und möglichst viele Länder kennen zu lernen, hat sie dank zahlreicher Zwischenstopps erreicht. Die gefährlichste Situation, die sie später beschrieb, sei ein riesiger Wal gewesen, der kurz vor ihrem Boot auftauchte.
Nach ihrer Ankunft arbeitete sie an der Veröffentlichung ihres Buches: Ein Mädchen, Ein Traum. Solo um die Welt (2013) und trat in Talkshows auf oder hielt Vorträge über ihre Reise. Ihren Kritikern sagte sie: „Ich wusste genau, was ich tue. Natürlich wusste ich nicht alles, aber genug, um um die Welt zu segeln.“
Sie  entschied sich schließlich nach Whangarei, Neuseeland zu segeln um ihren Geburtsort zu besichtigen, wo sie seitdem weiterhin auf ihrem Boot wohnt. Sie verbrachte einige Zeit mit Reisen an Land und segelte mit ihrem deutschen Freund unter anderem zur Norfolkinsel im Pazifischen Ozean. Am 28. März 2015 heiratete sie ihren Freund Daniel Thielmann (*1985) in Neuseeland.

Laura Dekker möchte als Kapitän arbeiten und bereut daher die Entscheidung, die Schule abgebrochen zu haben, nicht. Sie kann sich auch in Zukunft das Leben an Land nicht vorstellen: „Ein Haus fühlt sich für mich an wie ein Gefängnis, ich fühle mich eingesperrt“.

Autoren: Matthias Kramer
Erstellt: Januar 2016


Links

Wichtige Institutionen im Bereich Freizeit finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen zum Thema Segeln befinden sich im Dossier Sportland Niederlande

Offizielle Homepage von Laura Dekker

Alle Informationen über die Reise in Laura Dekkers Blog

Literatur

Alle bibliographischen Angaben der Rubrik Freizeit finden Sie unter Bibliographie

Dekker, Laura: Ein Mädchen, ein Traum. Solo um die Welt, Bielefeld 2013.

Alle Artikel zur Weltumsegelung auf Spiegel Online finden sich auf einer eigenen Themenseite Laura Dekker


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