Freizeit- Personen A-Z



Hendrikus Johannes (Johan) Cruijff

*Amsterdam, 25. April 1947 - Fußball-Legende, Fußballtrainer

Johan Cruijff

Johan Cruijff im Zweikampf mit dem deutschen Nationalspieler Berti Vogts bei der WM 1974, Quelle: Rainer Mittelstädt/BA/cc-by-sa

Hendrikus Johannes Cruijff wird am 25.04.1947 als Sohn von Hermanus Cornelis Cruijff und Petronella Bernarda Draaijer in Amsterdam geboren. Seine „Nähe“ zum Verein Ajax Amsterdam wird Cruijff quasi in die Wiege gelegt, da der junge „Jopie“ in der Akkerstraat, einen Steinwurf vom Ajax-Stadium entfernt, aufwächst. Im Alter von 10 Jahren bekommt Cruijff einen Brief von Ajax. Ohne ein Probetraining durchlaufen zu müssen, wird Cruijff als Ajax-Mitglied aufgenommen. Jany van der Veen, ein Nachwuchstrainer bei Ajax, hatte den jungen Cruijff zuvor schon des Öfteren beim Bolzen beobachtet und fand ihn talentiert genug, um ihn direkt bei Ajax aufzunehmen.


Im Alter von zwölf stirbt Johans Vater und muss die Mutter, die zuvor noch mit ihrem Mann einen Gemüsehandel betrieb, sich das Geld als Putzkraft verdienen. Sie arbeitet u .a. in der Vereinskantine von Ajax. Ob Johan von dieser Tätigkeit aufgrund der Kontakte der Mutter zu Ajax-Spitzenspielern profitieren konnte, ist nicht belegt, gilt jedoch als wahrscheinlich. Im Alter von 13 Jahren trifft Johan Cruijff die Entscheidung, die Schule abzubrechen – jetzt heißt es alles oder nichts: Fußballstar oder sich auf ein schwieriges Leben ohne Bildungsabschluss einstellen. Für Cruijff steht die Entscheidung fest und was vielen nicht gelingt, sollte er erreichen können. Er wird im Alter von 19 Jahren Ajax-Profi.

Cruijff wird schnell Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft, besitzt ein intelligentes Spiel, ein exaktes Ballgefühl und ist an vielen Toren als Vorbereiter oder Vollstrecker beteiligt. Unter Cruijff gelingt Ajax der Weg an die europäische Spitze. Ajax gewinnt in der Zeit von 1971 bis 1973 dreimal den Europapokal der Landesmeister. Wie souverän „König Johan“ den europäischen Fußball seiner Zeit regiert, zeigt ein Blick auf die Statistik: Von 25 Europapokalspielen dieser Zeit gewinnt Ajax 19 bei nur 3 Unentschieden und eben so wenigen Niederlagen. Nachdem sich Cruijff zuvor mit Ajax drei Mal die europäische Fußballkrone aufgesetzt hat, fehlt als Abschluss noch der Weltmeistertitel. 1974 sollte das Jahr der Jahre werden – und tatsächlich bietet die niederländische Elf bei dieser Weltmeisterschaft den mit Abstand schönsten Fußball und der Titel rückt in greifbare Nähe. Bei ihrem Ballbesitz spielen die Niederländer geschickt über die Flügel, und schaffen sich so Räume für ihren Angriff. Wegen dieser taktischen Philosophie des "flexiblen Raums" bezeichnet der Times Journalist David Miller Cruijff als "Pythagoras in Fußballschuhen", woduruch er den Spitznamen „Pythagoras“ erhalten sollte. Im Endspiel des 7. Juli stehen sich Deutschland und die Niederlande gegenüber. Sekunden nach Spielbeginn drängt Cruijff in den Strafraum, wird von Hoeneß gefoult. Elfmeter - 1:0 durch Neeskens. Die deutsche Hintermannschaft ist irritiert, die Niederländer haben den Sieg schon vor Augen. Dann, nach einer vermeintlicher "Schwalbe" von Hölzenbein verwandelt Breitner den Elfmeter zum 1:1. Zwei Minuten vor der Pause die Entscheidung: Flanke Bonhof, Müller stoppt den Ball mit dem Rücken zum Tor, und schießt ihn mit einem Drehschuss an Torhüter Jongbloed vorbei ins Tor. Es ist die Entscheidung, an der auch der Sturmlauf der Niederländer in der zweiten Hälfte nichts mehr ändern kann. Cruijff kann es nicht fassen, die niederländische Mannschaft kann es nicht fassen und Holland versinkt in Tristesse. Der Glaube an die eigene fußballerische Unbesiegbarkeit während der WM ist zerstört. Franz Beckenbauer wird das Spiel später mit den Worten kommentieren „Johan war der bessere Spieler, aber ich bin Weltmeister.“

Nach der Niederlage von München erklärt Cruijff seinen Rücktritt aus der Nationalelf. Nach einem Intermezzo beim FC Barcelona beschert Cruijff noch seinem alten Verein Ajax Amsterdam sowie dem Rivalen Feyenoord Rotterdam mehrere Meisterschaftstitel. Nach seiner Zeit als aktiver Spieler ist Cruijff von 1985-1987 weiter als Trainer von Ajax Amsterdam und in der Zeit von 1988-1996 als Trainer des FC Barcelona erfolgreich tätig und kann seine Titelsammlung um fünf weitere Meisterschaften, drei Europapokal- und einen Pokalsieg erweitern. Nach einem Herzinfarkt im Jahre 1991 stellt der leidenschaftliche Raucher Cruijff, der bis zu 80 Zigaretten am Tag geraucht haben soll, das Rauchen ein und feiert fortan seinen 44. Geburtstag als Wiedergeburt. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Fußballgeschäft engagiert sich Cruijff in der 1997 gegründeten Johan Cruijff Foundation, welche Projekte und Organisationen unterstützt, die sich zum Ziel gesetzt haben über Sport- und Spielaktivitäten die geistige und körperliche Gesundheit von Jugendlichen zu fördern. Darüber hinaus gründet er im Jahre 1999 die Johan Cruijff University, in der sich Absolventen vor allem für den Bereich des Sportmarketings ausbilden lassen können. Seit 2006 ist Johan Cruijff in der offiziellen niederländischen „Wall of Fame“ in der Amsterdamer Zuiderkerk aufgrund seiner Verdienste als Gründer der Johan Cruijff Foundation verewigt. Was für Deutschland „Der Kaiser“ Franz Beckenbauer ist, ist für die Niederländer Johan Cruijff. Viele sehen in ihm neben van Basten den besten Spieler, den der niederländische Fußball hervorgebracht hat.

Autor: Boris Krause
Erstellt: November 2006


Links

Wichtige Institutionen im Bereich Freizeit finden Sie unter Institutionen

Weitere Informationen befinden sich im Dossier Fußballrivalitäten

Weitere Informationen befinden sich im Kurzbeitrag David gegen Goliath auf dem Spielfeld

Weitere Informationen befinden sich im Kurzbeitrag Rezension 'Wij waren de besten'

Literatur

Alle bibliographischen Angaben der Rubrik Freizeit finden Sie unter Bibliographie

Cruijff, J.: Ik houd van voetbal . ‘s-Gravenhage 2002.

Davidse, H. (Hrsg.): Je moet schieten, anders kun je niet scoren en andere citaten van Johan Cruijff. ’s-Gravenhage 2006.

Hiddema, B.J.: Cruijff! : van Jopie tot Johan : de opkomst van de beste voetballer aller tijden Amsterdam 2002.

Scheepmaker, N.: Cruijff, Hendrik Johannes, fenomeen. Amsterdam 2004.


  • RSS-Feed
  • Facebook
  • Twitter
  • RSS-Feed

Impressum | © 2014 NiederlandeNet
NiederlandeNet
Alter Steinweg 6/7
· 48143 Münster
Tel.: +49 251 83285-16 · Fax: +49 251 83285-20
E-Mail: