Niederländisch im Unterricht



V. Bilinguale Realschule (BIRS) – ein Schulversuch

Anfang der 90er Jahre führten vier Realschulen bilingualen Unterricht auf Niederländisch probeweise ein. Pro Jahrgang bildeten die Schulen jeweils eine Eingangsklasse und bauten den bilingualen Zweig so bis zur Klasse 10 aus. Im Juni 2001 legte das Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen seinen Abschlussbericht dazu vor.

Langsame Steigerung des Niederländischunterrichtes

Auf Basis eines Erlasses vom 1. Mai 1993 hatten die teilnehmenden Realschulen zunächst die Möglichkeit, Niederländisch in den Klassen 5 und 6 als Begegnungssprache anzubieten. In den Klassen 7 bis 10 wurde Niederländisch als zweite Fremdsprache erteilt, wobei zunächst Unterrichtssequenzen vor allem für den Sachfachunterricht, insbesondere für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, vorgesehen waren. Spätestens in der Klasse 9 sollte dann langsam der Erdkundeunterricht auf die neue Sprache umgestellt werden. In der 10. Klasse hatten Lehrer mindestens zwei der Fächer Erdkunde, Geschichte und Politik auf Niederländisch zu unterrichten. Weitere Fächer konnten ebenfalls in das bilinguale Angebot einbezogen werden.

Nur vier Schulen übernahmen niederländische Variante

Während sich 29 nordrhein-westfälische Schulen für einen bilingualen Versuch in englischer Unterrichtssprache entschieden hatten, fanden sich für die niederländische Variante nur vier. Für die Schulen in Borken, Emmerich, Gronau und Kleve hatte die Möglichkeit gesprochen, sich jederzeit mit Schulen und Menschen in den Niederlanden austauschen zu können. Viele Schüler stammten zudem aus Familien, in denen Mutter oder Vater aus dem Nachbarland stammten. Mehr als ein Drittel kam täglich mit der Sprache in Berührung. Zum Teil hatten einige schon in der Grundschule Erfahrungen mit Niederländisch als Begegnungssprache gemacht. Während ihr eigener Lebenskontext eine wertvolle Basis für den Schulversuch darstellte, nahmen auch Kinder ohne Fremdsprachenvorkenntnisse an dem Projekt teil. In den Klassen 5 und 6 bestand die Aufgabe der Lehrer somit darin, vor allem einen passiven Wortschatz aufzubauen. Wer seine Kinder am bilingualen Unterricht teilnehmen ließ, versprach sich davon in ferner Zukunft vor allem bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt im deutsch-niederländischen Grenzgebiet. Viele Eltern hegten zudem freundschaftliche Beziehungen zu Niederländern oder verbrachten die Ferien hinter der Grenze. Über das Ergebnis des Versuchs konnten sie sich freuen. Denn der Versuch, Niederländisch zunächst als Begegnungssprache einzuführen, erwies sich als überaus erfolgreich. Anders als in den Regelklassen hatten die Versuchsschüler in der siebten Klasse weniger Schwierigkeiten mit der neuen Sprache. Die Schüler zeichneten sich durch ein ausgeprägtes Hörverstehen, bessere Aussprache, Sprech- und Lesefertigkeiten aus. Das Lerntempo ließ sich eher beschleunigen. Die Lernmotivation war größer.

Fach Erdkunde idealer Einstieg

Als Sachfächer für den bilingualen Niederländischunterricht boten sich zu Beginn jene an, in denen die Schüler die Lücke zwischen ihren intellektuellen und fremdsprachlichen Fähigkeiten schnell überwinden konnten. Möglich war dies insbesondere im Erdkundeunterricht. Sachverhalte ließen sich hier visualisieren und wurden so verständlicher. Die Versuchsschüler machten sich schnell mit der niederländischen Kulturlandschaft vertraut und lernten, Vorurteile früh abzubauen. Innerhalb von Unterrichtsreihen etwa zum Thema „vakantie aan zee“ veranstalteten Lehrer Austausche mit Partnerschulen und Exkursionen. Anders als in Erdkunde konnten im Fach Geschichte bestimmte Themenbereiche nur bedingt im Unterricht behandelt werden. Schulintern einigten sich die Lehrer etwa darauf, „die Niederlande im Zweiten Weltkrieg” oder „den Aufstand in Spanien” zu behandeln. Da es sich hier um ein weniger anschauliches Fach handelte, wurde eine höhere Sprachkompetenz erforderlich. Geschichte auf Niederländisch bot sich daher erst in den Klassen 9 und 10 an.

Autoren: Yvonne Globert
Erstellt: 2005
Aktualisiert: April 2010


Links

Wichtige Links im Bereich Bildung finden Sie unter Institutionen

Das internetbasierte Schulprojekt ist zur politischen Bildung über die Niederlande für Schüler und Lehrer gedacht Landeskundliche Schulprojekt

Das Bildungsportal des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW Schulministerium.NRW

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Braam, M./Wenzel, V. : Wir sprechen über Niederländischunterricht – warum schreiben wir nicht? Viele Fragen und ein Appell, in: nachbarsprache niederländisch, 18. Jg.(2003), S.3-10.

Arntz, R./ Wilmots, J.: Kontrastsprache Niederländisch. Ein neuer Weg zum Leseverstehen, Hildesheim 2002.

Hiligsman, Ph./Wenzel V. : Contrastiviteit in taalonderzoek – nuttig,nodig of overbodig?,in: Elshout, G. et al.: Perspectieven voor de internationale Neerlandistiek in de 21ste eeuw, Münster 2001, S. 317-336.

Elshout, G.: Perspectieven voor de internationale Neerlandistiek in de 21ste eeuw. Handelingen Veertiende Colloquium Neerlandicum,Woubrugge, Münster 317-336.

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