Niederländisch im Unterricht



XXV. Sprachunterricht soll sich auf Erlebniswelt der Jugendlichen beziehen

Interview mit Henny Rönneper (R.D.) ist beim nordrhein-westfälischen Ministerium für Schule, Jugend und Kinder zuständig für den Fremdsprachenunterricht.

Globert: Welche Relevanz kommt dem Fach Niederländisch in Nordrhein-Westfalen aus bildungspolitischer Perspektive zu?

Rönneper: Niederländisch ist eine moderne Fremdsprache und für NRW speziell als Sprache unseres unmittelbaren Nachbarn von Belang. Sie dient einerseits der internationalen Verständigung und fördert ein Weiterkommen in Europa. Andererseits hilft sie als Grenzsprache, sich etwa in der euregionalen Berufswelt zu orientieren.

Globert: In welchen Maßnahmen schlägt sich die Bedeutung nieder?

Rönneper: Wir kooperieren vor allem eng mit der Taalunie, die sich für die Förderung der niederländischen Sprache im Ausland einsetzt. In einem gemeinsamen Projekt arbeiten wir gerade an einer jugendspezifischen Variante des „Certificaat Nederlands als Vreemde Taal“, dem internationalen Sprachzertifikat für Niederländisch. Jeder, der möchte, soll die Möglichkeit haben, sich im Unterricht darauf vorzubereiten. Bislang können interessierte Schüler nur an der Prüfung teilnehmen, die auch in der Erwachsenenbildung angeboten wird. Bei dieser Form kommen mündliche Fertigkeiten bislang zu kurz. Künftig soll sich die Prüfung mehr an der Erlebniswelt von Jugendlichen orientieren und damit einen zusätzlichen Lernanreiz bieten.

Ein weiteres Vorhaben besteht darin, den bilingualen Unterricht an Schulen weiterzubringen und dafür entsprechendes Material zu entwickeln. Lehrer, die Sachfächer unterrichten, sollen zudem animiert werden, ihre vorhandenen Niederländischkenntnisse etwa durch Aufenthalte an einer Partnerschule aufzufrischen. Außerdem gibt es Pläne für Schulabschlüsse, die in Deutschland und den Niederlanden gleichermaßen anerkannt werden. Erste Ansätze dafür gibt es schon an einem Gymnasium in Aachen. Schüler können einzelne Blockstunden im Nachbarland belegen und lernen Niederländisch auf hohem Niveau. Zur Überprüfung des Lerngrads wird schließlich eine Kommission des Partnerlandes eingesetzt.

Globert: Was hat sich in punkto Themen und Unterrichtsgestaltung in den vergangenen Jahren verändert?

Rönneper: Der Niederländischunterricht hat sich insgesamt sehr gewandelt. Früher standen vor allem literarische Texte im Mittelpunkt. Inzwischen sind die Themen, in denen es etwa um Jugend und Zusammenleben geht, anwendungsbezogener geworden. Im Unterricht werden vor allem Gebrauchstexte behandelt, die sich an konkreten Lebenssituationen orientieren und Einblicke in interkulturelle Zusammenhänge geben. Schüler sollen in der Lage sein, große Textpassagen zu lesen und die wichtigsten Informationen, die etwa im beruflichen Zusammenhang wichtig sein könnten, beispielsweise aus einem Fax herauszuziehen. Insgesamt wurden vor allem mündliche Fähigkeiten ausgebaut. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit zur Kommunikation.

Globert: Ist es denkbar, Niederländisch über die Grenzregionen hinaus zu etablieren?

Rönneper: Welcher Sprachunterricht erteilt wird, richtet sich nach der Anzahl von Lehrkräften und der Nachfrage von Schülern. Niederländisch konzentriert sich daher schon auf die Grenzgebiete, wird aber auch darüber hinaus in nordrhein-westfälischen Großstädten unterrichtet. In NRW schreiben wir den Schulen nicht vor, welche Sprachen sie zu unterrichten haben. Aber wir regen schon mit Broschüren und Veranstaltungen zum Niederländischunterricht an.

Globert: Vielen Dank für das Gespräch.

Autoren: Yvonne Globert
Erstellt: 2005
Aktualisiert: April 2010


Links

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Das internetbasierte Schulprojekt ist zur politischen Bildung über die Niederlande für Schüler und Lehrer gedacht Landeskundliche Schulprojekt

Das Bildungsportal des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes NRW Schulministerium.NRW

Literatur

Alle bibliographischen Angaben des Dossiers finden Sie unter Bibliographie

Braam, M./Wenzel, V. : Wir sprechen über Niederländischunterricht – warum schreiben wir nicht? Viele Fragen und ein Appell, in: nachbarsprache niederländisch, 18. Jg.(2003), S.3-10.

Arntz, R./ Wilmots, J.: Kontrastsprache Niederländisch. Ein neuer Weg zum Leseverstehen, Hildesheim 2002.

Hiligsman, Ph./Wenzel V. : Contrastiviteit in taalonderzoek – nuttig,nodig of overbodig?,in: Elshout, G. et al.: Perspectieven voor de internationale Neerlandistiek in de 21ste eeuw, Münster 2001, S. 317-336.

Elshout, G.: Perspectieven voor de internationale Neerlandistiek in de 21ste eeuw. Handelingen Veertiende Colloquium Neerlandicum,Woubrugge, Münster 317-336.

Personen

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