Das Schulsystem der Niederlande


I. Einführung

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Niederländische Grundschüler in Groep 8, Quelle: Waag Society/cc-by-nc-sa

Als die Niederlande, die sich beim ersten Durchlauf der OECD-Studie PISA nicht qualifiziert hatten, 2005 plötzlich als große Gewinner dastanden, sah es auf den ersten Blick so aus: Auch ein Land, das Kinder in einem gegliederten Schulsystem unterrichtet und viele Schüler aus sozial schwachen Schichten sowie mit Migrationshintergrund hat, kann Erfolg haben. So ganz stimmt das aber nicht. In den Niederlanden besuchen Schülerinnen und Schüler zunächst acht Jahre lang dieselbe Schule. Erst im Alter von 12 oder 13 Jahren wechseln sie in ein Schulsystem, das im Anschluss tatsächlich noch weit ausdifferenzierter ist als das deutsche: mit verschiedenen Schultypen, aber auch mit verschiedenen Lernwegen, die dafür sorgen sollen, dass jeder ein geeignetes Profil findet und am Ende möglichst mit einem verwertbaren Abschluss dasteht.

Für das gesamte niederländische Schulsystem gilt: Viel Autonomie, aber auch viel Kontrolle. Jede Schule entwirft ihre Lernziele, Lehrmethoden und Arbeitsschwerpunkte selbst und legt sie der Kommune und dem Bildungsministerium zur Absegnung vor. Im Gegenzug sind Schulinspektoren regelmäßige Gäste und landeseinheitliche Tests sowie Schulrankings an der Tagesordnung. In den Niederlanden ist man sich einig, dass die so gesicherte Freiheit der Schulen zu Individualisierung und damit qualitativ hochwertigem Unterricht führt. Sie führt aber zu noch etwas: zu viel Konkurrenz. Ab der ersten Klasse können Eltern völlig frei wählen, wo sie ihr Kind unterbringen. Und wem die bestehenden Schulen nicht passen, der gründet mit wenig Mühe und staatlicher Unterstützung selber eine. Sieben von zehn niederländischen Kindern besuchen eine Privatschule.

Das Resultat ist, wie überall, gemischt: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viele Trends zum Guten statt zum Schlechten entwickelt haben, liegen die Defizite auf der Hand: Wie in Deutschland haben es auch in den Niederlanden vor allem Kinder aus sozial schwachen Schichten, unter ihnen viele mit Migrationshintergrund, weitaus schwerer, erfolgreich die Schule zu verlassen und in das akademische oder Berufsleben überzutreten. Eine Alternative dazu, weiter an der Verbesserung der Chancen aller zu arbeiten, gibt es nicht: Die Niederlande sind eine Wissensgesellschaft und auf deren stetigen Ausbau aus demographischen wie strukturellen Gründen angewiesen – dass das so ist, wussten und wissen sie auch schon weit länger als viele europäische Industrieländer.

Autorin: Jeannette Goddar
Erstellt: 2014


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