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Hendrik Antoon (Hendrik) Lorentz

* Arnheim, 18. Juli 1853 - † Haarlem, 4. Februar 1928 - Mathematiker und Physiker

Hendrik Antoon Lorentz

Hendrik Lorentz, Quelle: Wikimedia Commons

„Nicht nur in unserer Wissenschaft, sondern auch in Ihrer Stellung zu den einzelnen Menschen und menschlichen Angelegenheiten größeren Stiles sind und bleiben Sie mir ein leuchtendes, wenn auch unerreichbares Vorbild.’ Diese lobenden Worte richtete Albert Einstein – wahrscheinlich der bekannteste Physiker aller Zeiten – an den niederländischen Physiker und Nobelpreisgewinner Hendrik Lorentz (1853-1928). Für Einstein und viele andere war Lorentz der wichtigste Physiker seiner Zeit.

Lorentz wurde in Arnheim, Hauptstadt der Provinz Gelderland, geboren. Er besuchte in seinem Geburtsort die höhere Schule und glänzte dort sowohl in naturwissenschaftlichen Fächern als in Sprachen. Laut A.J. Kox, der ein Buch über achtzehn bekannte niederländische Wissenschaftler (darunter Lorentz) geschrieben hat, war Lorentz’ Abschlussprüfung so gut, dass sie in den folgenden Jahren an seiner Schule als Korrekturmodell diente. Er hätte nämlich kaum Fehler gemacht. Ein guter Schulabschluss berechtigte Ende des 19. Jahrhunderts jedoch noch nicht automatisch zum Besuch der Universität. Lorentz entschloss sich deshalb, die für ein Anschlussstudium notwendigen Fächer Latein und Griechisch nachzuholen. 1870 begann er schließlich mit seinem Mathematik- und Physikstudium in Leiden. Es markierte den Beginn einer erfolgreichen Wissenschaftskarriere.

Bereits als Student machte Lorentz Eindruck auf seine Dozenten. Seine Magister- und Doktorarbeit wurden mit Magna Cum Laude beurteilt und nach einer kurzen Zeit als Dozent in Arnheim und Leiden wurde er mit 24 Jahren Professor an der Universität in Leiden. Als Wissenschaftler führte er bahnbrechende Untersuchungen über die Eigenschaften von Elektronen, Magnetismus und Licht durch. 1902 wurde ihm und seinem Kollegen Pieter Zeeman der Physiknobelpreis für ihre Untersuchungen über den Einfluss des Magnetismus auf Strahlungsphänomene verliehen. Die physikalische Fakultät in Leiden gehörte dank Lorentz und seiner ebenfalls Nobelpreis gekrönten Kollegin Heike Kamerlingh Onnes zu den tonangebendsten Forschungseinrichtungen der Welt.

1912 entschied sich Lorentz seinen Lehrstuhl aufzugeben und in einem eigenen Labor weiter zu forschen. Er blieb jedoch als außerordentlicher Professor mit der Leidener Universität verbunden und hielt ein Mal pro Woche Vorlesungen. 1911 traf er erstmals Albert Einstein, mit dem ihn später eine enge Freundschaft verbinden sollte. Einsteins Relativitätstheorie sind viele Briefwechsel mit Lorentz vorausgegangen. Lorentz engagierte sich auch für mehr gesellschaftlich orientierte Projekte. 1918 wurde er Vorsitzender der Staatskommission, die den Abschluss der Zuiderzee vorbereitete. Wie sich später zeigen sollte, berechnete Lorentz damals minutiös den Einfluss des Abschlusses auf die Gezeiten des Wattenmeers.

1925 wurde das 50jährige Jubiläum von Lorentz Promotion als ein nationaler Festtag begonnen. Der damalige Premier Colijn und die Nobelpreisgewinner Einstein und Marie Curie hielten Reden. Drei Jahre später starb Lorentz nach kurzer Krankheit. Seinem Begräbnis wohnten Mitglieder des Königshauses und viele internationale Gäste bei. In den Niederlanden sind Schulen, Forschungseinrichtungen und eine renommierte Wissenschaftsauszeichnung, die sogenannte Lorentzmedaille, nach ihm benannt. Zudem stand er Pate für eine Anzahl physikalischer Fachausdrücke, wie der Lorentz-Kraft und der Lorentz-Verteilung bei statistischen Berechnungen.

Autor: Lennert Savenije
Erstellt: Dezember 2008


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Bildung und Forschung finden Sie unter Bibliographie

Kox, A.J. (Hrsg.): Van Stevin tot Lorentz. Portretten van achttien Nederlandse natuurwetenschappers, Amsterdam 1990. online

Links

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