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Antoni van Leeuwenhoek

* Delft, 24. Oktober 1632 - † Delft, 26. August 1773 - Wissenschaftler und Kaufmann, Mitbegründer der Zell- und Mikrobiologie, Beitrag zur Erfindung des Mikroskops

Antoni van Leeuwenhoek

Antoni van Leeuwenhoek, Quelle: Abraham de Blois

Der niederländische Wissenschaftler Antoni van Leeuwenhoek gilt heutzutage als einer der Gründerväter der Zell- und Mikrobiologie. Auch wegen seines Beitrags an der Entwicklung des Mikroskops gehört Van Leeuwenhoek zu den bedeutendsten Wissenschaftlern der niederländischen Vergangenheit.

Thonis Philipszoon – auf diesen Namen wurde der zukünftige Wissenschaftler, geboren am 24. Oktober 1632 zu Delft, von seinen Eltern getauft. Weil sein Elternhaus in Delft sich nahe der "Leeuwenpoort" (Löwenpforte) befand, nannte er sich dann später "van Leeuwenhoek", was von der Löwenecke heißt. Van Leeuwenhoek wurde als Tuchhändler ausgebildet und machte bereits im frühen Alter durch seine große Neugierde für die Naturwissenschaften auf sich aufmerksam. Diese Neugierde musste er jedoch zunächst zurückstellen, denn er gründete mit Barbara de Meij in Delft eine Familie, und um den Lebensunterhalt zu verdienen, vertrieb er Leinen und andere Stoffprodukte.

Als Tuchhändler studierte Van Leeuwenhoek seine Produkte mithilfe geschliffener Glasscheiben, einer Art Linsen also. Um bessere Linsen zu entwickeln, brachte Van Leeuwenhoek sich das Glasblasen, Schleifen und Polieren bei. Im Hinterzimmer seines Ladens entwickelte er auf dieser Weise ein Mikroskop. Mit diesem Mikroskop beobachtete er bald nicht nur Tuch, sondern auch Muskelfasern und Blut in Haargefäßen. Weil er für die damaligen Verhältnisse außerordentliche gute Linsen schleifen konnte, war er in der Lage vieles zu beobachten, das Anderen noch verborgen blieb. So stammen von Van Leeuwenhoek die ersten Beschreibungen von Bakterien. Diese "dierkens" (Tierchen) fand er in dem Plaque, das er seinen eigenen Zähnen abkratzte, und in Eiter. Auch beschrieb er 1679 die Samenzellen in Sperma. Seine Feststellung, dass Leben nicht einfach aus Staub entstehen könne, sondern sich aus kleinen Zellen entwickle, revolutionierte die damalige Wissenschaft und war mit den gängigen religiösen Vorstellungen schwer vereinbar.

Van Leeuwenhoek hielt seine Wahrnehmungen in Briefen an einige bekannten Zeitgenossen fest. Reinier de Graaf, ein Arzt aus Delft, machte Van Leeuwenhoek anlässlich seiner Darstellungen bei dem Royal Society in London vorstellig. Die Gelehrten dieser Gesellschaft waren beeindruckt von seinen Beschreibungen, und baten ihn, häufiger zu berichten, was Van Leeuwenhoek prompt tat, obwohl er nur des Niederländischen mächtig war. Die aufsehenerregenden Briefe wurden in England aus dem Niederländischen ins Englische und Lateinische übersetzt. Seine Darstellungen konnten die Mitglieder der Royal Society jedoch bald kaum noch glauben, denn Van Leeuwenhoek beschrieb kleine Lebewesen, die sonst kein Mensch gesehen hatte. Da Van Leeuwenhoek über seine Methoden und über die Weise, auf die er seine Mikroskopen baute, wenig Information preisgab, konnten seine Zeitgenossen die Aussagen auch nicht verifizieren. Um sie dennoch zu überprüfen, reisten einige Mitglieder der Royal Society zu ihm nach Delft, um die Wesen selbst zu sehen. Nachdem die angereisten Gelehrten mit eigenen Augen Van Leeuwenhoeks Beschreibungen verifizieren konnten, schenkte man ihm das Vertrauen. Kurz darauf, im Jahre 1680, wurde Van Leeuwenhoek sogar zum Mitglied der Royal Society ernannt.

Interessierte aus aller Welt reisten in dieser Zeit nach Delft um mit Hilfe des Mikroskops mit eigenen Augen die kleinen Wesen und andere spektakuläre Vergrößerungen zu sehen. Nicht nur Mitglieder der Royal Society besuchten die Stadt aus diesem Grund, auch Staatsoberhäupter wie Zar Peter von Russland und Mitglieder des englischen Fürstenhauses ließen sich bei Van Leeuwenhoek anmelden. Leibniz, Spinoza und andere Wissenschaftler zeigten sich genauso fasziniert und schauten durch die von dem Delfter Tuchhändler geschliffenen Linsen, die zum Teil bis zu 480 Mal vergrößern konnten.

Van Leeuwenhoek starb – neunzig Jahre alt – am 26. August 1723. Er wurde in der Oude Kerk in seiner Geburtsstadt begraben, wo unter anderem auch der berühmte Maler Johannes Vermeer, und die Seefahrer Piet Hein und Maarten Tromp ihre letzte Ruhestätte fanden.

Autor: Peter van Dam
Erstellt: Januar 2008


Literatur

Alle bibliographischen Angaben im Bereich Bildung und Forschung finden Sie unter Bibliographie

Jonkink, E.: Wetenschap en wereldbeeld in de Gouden Eeuw, Hilversum 1999.

Palm, L.C./Snelders, H.A.M. (Hrsg.): Antoni van Leeuwenhoek 1632-1723. Studies on the life and work of the Delft scientist commemorating the 350th anniversary of his birthday, Amsterdam 1982.

Links

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