Nachrichten Januar 2018


TOURISMUS: Ferienwohnungen in Amsterdam dürfen nur noch 30 Tage im Jahr an Touristen vermietet werden

Amsterdam. EF/VK/NRC/NOS. 11. Januar 2018.

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Um der Wohnungsnot in Amsterdam vorzubeugen dürfen Wohnungen nur noch bis zu 30 Tage pro Kalenderjahr an Touristen vermietet werden, Der größte Anbieter Airbnb ist von dieser Maßnahme enttäuscht. Schließlich kooperiere das Unternehmen bereits seit einiger Zeit mit der Gemeinde, Quelle: NiederlandeNet/CC BY-NC-SA 2.0

Die Gemeinde Amsterdam verbietet ihren Bürgern ab 2019, ihren Wohnraum für mehr als 30 Tage im Jahr via Airbnb oder anderen Portalen an Touristen zu vermieten. Das gab die Gemeinde am Mittwoch bekannt. Bisher lag die Obergrenze bei 60 Tagen pro Kalenderjahr. Mit diesem neuen Gerichtsbeschluss kann die Gemeinde nicht nur den Forderungen aller politischen Parteien, sondern auch dem Wunsch vieler Einwohner entgegenkommen, die die Vermietung von Wohnungen an Touristen nicht gutheißen. Ein Grund für die Entscheidung des Gerichts ist die starke Wohnungsnot in der niederländischen Hauptstadt.

Am 5. Dezember vergangenen Jahres entschied ein Amsterdamer Richter in einem Fall der Gemeinde gegen einen Airbnb-Vermieter, dass es sich auch bei gelegentlicher Wohnungsvermietung um den Entzug von Wohnraum handelt. Durch diese Art der kommerziellen Nutzung von Wohnraum gehen Wohnungen für Einheimische verloren. Kein Wunder also, dass auch viele Amsterdamer für die Einschränkung von Wohnungsvermietungen an Touristen plädieren. Der neue Gerichtsbeschluss ist damit für viele Amsterdamer ein Schritt in die richtige Richtung. Die Gemeinde begrenzt nun die Höchstdauer von Wohnungsvermietungen, die im Jahr 2014 auf 60 Tage im Jahr festgelegt wurde, auf 30 Tage im Jahr. Diese Obergrenze gilt jedoch ausschließlich für die Vermietung von Häusern und ganzen Wohnungen. Die Vermietung einzelner Zimmer ist von dieser Regelung ausgeschlossen.

Angesichts der anstehenden Kommunalwahlen in Amsterdam im März 2018 melden sich auch Politiker hinsichtlich dieses Themas zu Wort: „Wir machen hier die Regeln, nicht die Unternehmen“, so Laurens Ivens (SP), Mitglied des Amsterdamer Gemeinderats, zuständig für alle Angelegenheiten zum Thema ‚Wohnen‘. Ivens betont außerdem, dass die Gemeinde Amsterdam massiv in die Bekämpfung illegaler Ferienvermietungen investiert. Für das Jahr 2017 bedeutete dies ein zusätzliches Budget von 500.000 Euro. Dieses Geld floss unter anderem in digitale Recherchen, in den Einsatz von Undercover-Kontrolleuren, aber auch in Aufklärungsarbeit. Seit Oktober letzten Jahres müssen sich Amsterdamer, die ihre Wohnungen vermieten, selbst, wenn es sich dabei nur um eine Nacht handelt, bei der Gemeinde diesbezüglich anmelden. Mit der neuen Regelung möchte Ivens rund 60.000 illegale Übernachtungen pro Jahr verhindern, die insgesamt nicht einmal 1 Prozent der gesamten Übernachtungen von Touristen in der Hauptstadt der Niederlande ausmachen. Darüber hinaus möchte man gegen die steigende Preisentwicklung von Ferienwohnungen vorgehen. Durch die neue Regelung wird das Gewinnpotential für die Nutzung einer Wohnung als Ferienappartement halbiert. Auch das große Aufkommen von Touristen in manchen Wohngegenden kann durch diese Maßnahme eingedämmt werden. „Ich bin mir bewusst, dass das Herabsetzen der Obergrenze nicht die Lösung für die Hektik in der Stadt ist“, so Ivens. „Wohl aber wird diese Maßnahme die Massen von Touristen in manchen Stadtvierteln stark reduzieren. Außerdem wird es immer unattraktiver, eine eigene Wohnung als gewerbliches Objekt zu nutzen.“

Doch nicht nur die Gemeinde ergreift Maßnahmen, um die illegale Vermietung von Wohnungen an Touristen einzudämmen. Auch Airbnb selbst unterstützte die Gemeinde in der Durchsetzung ihrer Richtlinien. Zu diesem Zweck passte das Unternehmen im März 2017 die niederländische Airbnb-Website dahingehend an, dass Vermieter, nachdem sie die 60 erlaubten Tage eines Kalenderjahres erreicht haben, ihre Wohnung auf dieser Plattform nicht mehr anbieten können. Bis dato hatten jedoch bereits viele Anbieter die Obergrenze von 60 Tagen überschritten. Für den weiteren Verlauf des Jahres fuhr Airbnb mit dieser Maßnahme aber gute Resultate ein, denn immerhin nahm die Anzahl der Wohnungen, die mehr als 60 Tage im Jahr und damit illegal vermietet wurden, um 75 Prozent ab. Nach diesem Prinzip geht nun auch die Hotel- und Appartementplattform Booking.com vor. „Es funktioniert sehr gut“, bestätigt auch Ivens.

Die neue Obergrenze tritt am 1. Januar 2019 in Kraft. Die Gemeinde hofft, dass die Vermittlungsportale zu diesem Zeitpunkt erneut mit ihnen kooperieren wollen. Die Plattform Airbnb jedoch, die mit 19.000 Amsterdamer Mietanbietern im Jahr 2017 mit Abstand der größte Anbieter von Ferienwohnungen ist, hält sich mit Kooperationsangeboten stark zurück. „Darauf wollen wir jetzt noch nicht eingehen“, sagt Bernard D‘heygere, Pressesprecher von Airbnb. Dennoch äußerte die Plattform ihre Enttäuschung über die Entscheidung der Gemeinde, da man bislang von einer guten Zusammenarbeit ausgegangen sei. Airbnb sei der Gemeinde schließlich in vielerlei Hinsicht entgegengekommen, sei es der Informationsaustausch zwischen dem Portal und der Gemeinde oder das Einrichten einer Anlaufstelle, wenn Probleme auftauchen. Darüber hinaus habe man die festgelegte Obergrenze von 60 Tagen in das System eingeführt, zahle Steuern und helfe dabei, die Touristen auf die gesamte Stadt zu verteilen. Außerdem würden die Amsterdamer auch gut an der Internetplattform verdienen. Insgesamt belaufen sich die Einnahmen der Vermieter und Unternehmen, die die eigenen Immobilien als Ferienwohnungen anbieten, laut Aussage der Gemeinde auf rund 220 Millionen Euro pro Jahr.

Das Portal, das Haus- bzw. Wohnungsbesitzern oder auch Mietern mit Zustimmung des Eigentümers erlaubt, ein einzelnes Zimmer oder eine ganze Wohnung an Touristen zu vermieten, wirft daher viele Diskussionen auf. Befürworter dieses Konzepts sind der Meinung, ein Eigentümer müsse selbst entscheiden, an wen er eine Wohnung vermietet oder auch eben nicht. Darüber hinaus trage Airbnb zu der guten Wirtschaftslage in Amsterdam bei, wovon alle profitieren würden. Gegner von Airbnb sind diesbezüglich allerdings anderer Meinung und behaupten, Airbnb würde die Kluft zwischen Arm und Reich noch vergrößern. Schließlich würden die Plattformen zunehmend von gewerblichen Nutzern in Anspruch genommen, die den sowieso schon geringen Wohnraum mit Touristen besetzen. Hausbesitzer hätten so die Möglichkeit, sehr viel Geld zu verdienen. Mieter hingegen erhalten in der Regel keine Erlaubnis vom Eigentümer, ihre Wohnung auf Airbnb anzubieten. Weiterhin beanstandet Airbnb, dass die Gemeinde versuche, das Angebot von Ferienwohnungen zu minimieren, während die Hotels immer weiter wachsen können. Dies führe ebenfalls zu vielbesuchten Plätzen und zu immer größeren Ansammlungen von Touristen.


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