Nachrichten Januar 2018


UMWELT: 7 Millionen Liter Wasser pro Sekunde – Hochwasser im Nachbarland

Nimwegen. Lisa Mensing/VK/NRC/Trouw. 09. Januar 2018.

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Strömender Regen hat in den letzten Tagen in Deutschland und den Niederlanden für Hochwasser gesorgt. Für die Niederländer ist das aber kein Grund zur Sorge, Quelle: NiederlandeNet/CC BY-NC-SA 2.0

In Deutschland hat es in den letzten Tagen in Strömen geregnet, und das hat nicht nur Auswirkungen auf Deutschland selbst, sondern auch auf das Nachbarland – die Niederlande. Momentan liegt der Pegel des Rheins 14,30 Meter über dem Amsterdamer Pegel (das ist der Nullpunkt einer Höhenfestlegung in Amsterdam) – das sind zwei Meter mehr, als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Doch das ist noch nicht die Spitze des Eisbergs: Am Mittwochmorgen sollen 7 Millionen Liter Wasser pro Sekunde in das Land strömen, sodass der Pegel 14,65 Meter über dem Amsterdamer Pegel liegen wird.

Das Wasser hat für die Niederlande schon immer eine Gefahr dargestellt. Diese Gefahr kann aus zwei Richtungen kommen: Entweder wühlen Stürme das Meer so sehr auf, dass das Wasser gegen die Deiche drückt, oder Schmelzwasser und übermäßige Regenfälle lassen die Flüsse ansteigen und das Land überfluten.

Dass der Pegel so weit ansteigt, wie in den letzten Tagen, kommt durchschnittlich einmal alle zehn Jahre vor. Die Niederländer sind auf diese großen Wassermassen vorbereitet und haben dementsprechend Vorkehrungen getroffen, so könnten sie selbst der doppelten Wassermenge die Stirn bieten, sagte Harold Waveren, der Vorsitzende der Landelijke Coördinatiecommissie Overstromingsdreiging (nationale Koordinationskommission für Hochwasserschutz). Bisher haben die Niederlande die Wassermengen der letzten Woche auch gut im Griff, die Stauanlagen am Niederrhein und an der Maas wurden geöffnet, damit das Wasser abfließen kann.

Die Einschränkungen und Probleme, die das Hochwasser bisher mit sich gebracht hat, sind übersichtlich. In Nimwegen ist die Waalkade seit Montagabend für den Verkehr gesperrt und auch die Zugänge zum weiter unten gelegenen Teil der Stadt wurden mit Schutzwänden verstärkt, die Fähren für Fußgänger und Fahrradfahrer haben den Betrieb vorläufig eingestellt. In der Gemeinde Woudrichem in Nordbrabant wurden die Stadttore geschlossen und in den Rheingebieten steht das Deichvorland unter Wasser. Es wurden zusätzliche Deichinspektionen von Waterschap Rievierenland (Wasserwirtschaftsverband) in Arnheim, Nimwegen und in der Nähe von Tiel durchgeführt, dabei konnten keine beunruhigenden Schäden ausgemacht werden. Alles sei unter Kontrolle, teilte ein Sprecher der niederländischen Nachrichtenagentur ANP (Algmeen Nederlands Persbureau) mit.
Nur für einige Schafe kam die Hilfe zu spät. 43 Schafe am Niederrhein bei Heteren ertranken im Hochwasser. Bei Schloss Loevestein konnten 122 Konik-Ponys und etwa 60 Rinder frühzeitig aus dem Deichvorland in höher gelegene Gebiete gebracht werden.

Die vielen Naturgebiete in den Niederlanden helfen dabei, die großen Wassermassen zu bewältigen. Der Deich des Naturgebiets Millingerwaard, das an der Waal entlang zwischen Nimwegen und Deutschland liegt, wurde im letzten Jahr im Rahmen von Maßnahmen für den Hochwasserschutz  geöffnet, wodurch sich das Wasser des Flusses weiter ausbreiten kann. Durch den derzeitigen Pegel ist das Naturgebiet aktuell überflutet, was von vielen Menschen als positiver Nebeneffekt des Hochwassers angesehen wird. Millingerwaard ist in den letzten Tagen eine regelrechte Touristenattraktion geworden. Zwar ist der Zugang zum Naturgebiet gesperrt, um den vor den Wassermengen flüchtenden Tieren zusätzlichen Stress zu ersparen, doch ist es von den Deichen aus möglich, die Wassermengen zu bestaunen und die Reiher und Bussarde dabei zu beobachten, wie sie die ertrunkenen Frösche und Mäuse als Festmahl aus dem Wasser fischen.

Der Wasserstand in den Niederlanden ist zwar hoch, doch das Land ist auf diese Wassermengen bestens vorbereitet. Das Bewusstsein für die Ausmaße, die starke Regenfälle oder Stürme haben können, ist bei unseren Nachbarn vorhanden und die nötigen Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen. Diese werden sicherlich dabei helfen, auch die 7 Millionen Liter Wasser pro Sekunde am Mittwochmorgen verkraften zu können.


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