Nachrichten Februar 2018


POLITIK: Dringend nötige Reduzierung der Groninger Gasförderung

Den Haag. LM/NRC/VK/Trouw. 02. Februar 2018.

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Die Groninger Gasförderung muss dringend reduziert werden. Die Staatstoezicht op de Mijnen empfiehlt eine drastische Reduzierung von 21,6 Milliarden Kubikmetern auf 12 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Quelle: NiederlandeNet/CC BY-NC-SA 2.0

Am 8. Januar gab es in Groningen aufgrund der Gasförderung erneut ein starkes Erdbeben. Nach dem Beben steht jetzt neben den Schadensersatzzahlungen für die Groninger Bürger vor allem die Reduzierung der Groninger Gasförderung im Fokus, um die Sicherheit der Bürger gewährleisten zu können.

Die Staatstoezicht op de Mijnen, kurz SodM, (Staatsaufsicht für Minen) hat Eric Wiebes, den niederländischen Minister für Wirtschaft und Klima mit einer klaren Forderung konfrontiert: Um die Sicherheit der Groninger Bürger garantieren zu können, müsse die Gasförderung von 21,6 Milliarden Kubikmetern auf 12 Milliarden Kubikmeter reduziert werden. Diese Forderung der SodM steht im Widerspruch zu dem Gasverbrauch der niederländischen Haushalte und Betriebe. Selbst in einem sehr warmen Jahr, in dem nicht so viel Gas wie sonst verbraucht werde, seien mindestens 14 Milliarden Kubikmeter Gas nötig, um die niederländischen Haushalte und Firmen versorgen zu können. In einem sehr kalten Jahr würden sogar 27 Milliarden Kubikmeter benötigt. Gleichzeitig schlug die SodM vor, die fünf Gasförderungsanlagen, die in der Nähe des Dorfes Loppersum angesiedelt sind, zu schließen. Es bestehe die Möglichkeit, dass diese Anlagen mitverantwortlich für das Beben in Groningen am 8. Januar dieses Jahres gewesen seien.

Minister Wiebes möchte den Forderungen der SodM nachkommen. Er will die Gasförderung in Groningen trotz der vielen Hürden und des hohen Gasverbrauchs so schnell wie möglich auf 12 Milliarden Kubikmeter pro Jahr reduzieren. Die Sicherheit der Groninger Bürger stehe natürlich an erster Stelle. Er forderte die niederländische Erdöl-Gesellschaft NAM (Nederlandse Aardolie Maatschappij) und den Gashändler GasTerra dazu auf, die Gasförderung im Rahmen des Möglichen zu reduzieren. Allerdings bringt die extreme Reduzierung der Gasförderung einige Probleme mit sich, so sind nicht nur die Groninger Bürger bzw. viele niederländische Bürger davon betroffen, sondern auch die Nachbarländer Belgien und Deutschland, die viel Gas aus Groningen beziehen. Für die Reduzierung ist folglich eine große Umstrukturierung nötig, weshalb nach Möglichkeiten zur Gasförderungsminimierung gesucht wird.

Die niederländische Tageszeitung De Volkskrant hat vier Möglichkeiten zur Reduzierung der Gasförderung näher betrachtet. Eine Möglichkeit wäre es, die niederländischen Haushalte auf ein anderes Gas umzustellen. Zurzeit sind 7 Millionen niederländische Haushalte von dem speziellen Groninger Gas abhängig, das einen besonders niedrigen, kalorischen Wert hat. Die niederländischen Haushalte verbrauchen ungefähr 9 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Es wäre möglich, mehr Gas aus England zu importieren, doch dieses Gas hat einen höheren kalorischen Wert, für den die meisten Haushalte nicht ausgerüstet sind. Eine andere Überlegung ist es, Neubauten nicht mehr mit Gas zu versorgen. Ab dem kommenden Jahr ist ein Gasanschluss wahrscheinlich nicht mehr verpflichtend. Allerdings ist der Umbau bestehender Häuser, die mit Gas versorgt werden, äußerst teuer, sodass von dieser Möglichkeit eher abgesehen wird.


Das Gas, das aus anderen Ländern importiert werden könnte, könnte auch mit Stickstoff vermengt werden, um so die Groninger Qualität zu erhalten. Der Bau einer Stickstofffabrik würde allerdings noch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und hohe Kosten mit sich bringen. 
Natürlich verbrauchen nicht nur niederländische Bürger, sondern auch niederländische Betriebe viel Gas. Das Ziel des Ministers ist es deshalb, viele dieser Betriebe dazu zu bewegen, nicht mehr das Groninger Gas zu beziehen. Nach Möglichkeit sollen diese Betriebe Gas importieren. Doch das Umschwenken auf anderes Gas ist meist eine kostspielige Angelegenheit, die nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann.


Letztendlich könnte auch die Verringerung des Gasexports zur Lösung des Problems beitragen. Der Gasexport wurde in den letzten Jahren bereits auf die Hälfte reduziert und es werden auch keine neuen Verträge aufgesetzt oder bestehende Verträge verlängert. Belgien, Deutschland und Frankreich haben deshalb auch schon mit dem Umbau der Heizkessel begonnen und stellen sich auf andere Gasquellen ein. Vorläufig wird das Gas aus Groningen allerdings noch benötigt, erst in einigen Jahren kann der Gasexport noch stärker reduziert werden.

Im März wird Minister Wiebes die Bestandsaufnahme aller Möglichkeiten zur Reduzierung der Groninger Gasförderung vorstellen. Im Juni soll das Kabinett dann einen Beschluss zur Lösung des Gasförderungsproblems vorlegen. Wie diese Lösungsansätze aussehen werden, bleibt nicht nur für die Niederlande selbst, sondern auch für die Nachbarländer spannend, die vorerst weiterhin auf das Groninger Gas angewiesen sind.


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