Nachrichten September 2017


GESUNDHEIT: Zuckerhaltige Erfrischungsgetränke verschwinden bald aus niederländischen Schulen

Den Haag. EF/NRC/VK/Trouw. 07. September 2017.

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In vielen niederländischen Schulen wimmelt es nur so von Automaten. Neben verschiedenen Snackautomaten sind auch Getränkeautomaten höchst populär, Das große Angebot an zuckerhaltigen Lebensmitteln verleitet junge Menschen jedoch zu einem hohen Zuckerkonsum, Quelle: Morten Just/CC BY-NC 2.0

Bereits gegen Ende des Jahres 2018 dürfen zuckerhaltige Erfrischungsgetränke in niederländischen middelbare scholen, vergleichbar mit der deutschen Sekundarstufe I, nicht mehr verkauft werden.  Getränkehersteller oder Großhändler dürfen Schulen dann nur noch mit Erfrischungsgetränken in der Light-Version oder aber mit kalorienarmen Getränken beliefern, meldete die niederländische Vereinigung Frisdranken, Waters en Sappen (FWS). Fruchtsäfte werden den Schulen weiterhin erhalten bleiben, da es sich bei dem Zucker in diesen Getränken um Fruchtzucker und nicht um Zuckerzusätze handelt.  

Der durchschnittliche Niederländer nimmt am Tag rund 103 Gramm Zucker bzw. 23 Zuckerwürfel zu sich. Lediglich die USA und Deutschland können den durchschnittlichen Zuckerverbrauch noch überbieten, so eine Studie des internationalen Markforschungsinstituts Euromonitor – und das bei einer von der Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organization) empfohlenen Tagesration von rund 50 Gramm. Eine große Menge des konsumierten Zuckers stammt aus Erfrischungsgetränken, den sogenannten Softdrinks, von denen jeder Niederländer im Durchschnitt rund 93 Liter pro Jahr zu sich nimmt. Handelt es sich um Kinder und Jugendliche im Alter von bis zu 19 Jahren, ist der Zuckerkonsum mit zusätzlichen 30 Gramm pro Tag sogar noch stärker ausgeprägt. Kein Wunder also, dass sich Ernährungsexperten vor allem um Kinder im Schulalter sorgen.

„Wir wollen auch etwas zur Gesundheit von Schülerinnen und Schülern beitragen“, sagte Raymond Gianotten, der Direktor der FWS. „Wir möchten ihnen helfen, eine gesunde Wahl zu treffen“. Die Vereinigung FWS unterstützt damit das Abkommen Gezonde Voeding op Scholen (dt.: Gesunde Ernährung in Schulen) verschiedener Hersteller, die sich für eine gesunde Nahrungs- und Getränkeauswahl an Schulen einsetzen. „Softdrink-Hersteller verkaufen natürlich gerne ihre Produkte, zeigen sich in der Diskussion um Gesundheit, die sich oft auch auf das Thema Übergewicht zuspitzt, aber auch verantwortlich“, sagte Gianotten. Im Rahmen dieses Abkommens werden alle Verträge mit Lieferanten und Herstellern Ende 2018 ablaufen, die sich auf stark zuckerhaltige Softdrinks beziehen. Light-Produkte bleiben nach wie vor erhalten. Bei diesen Produkten handelt es sich bereits um die kalorienreduzierte Variante eines Getränks. Den Terminus Light bekommt ein Lebensmittel schließlich erst dann verliehen, wenn es minimal 30 Prozent weniger Zucker, Fett oder Kalorien enthält als das Ursprungsprodukt. Oft wird hier auch mit Süßstoffen statt mit Zucker gearbeitet. Für kalorienarme aber dennoch zuckerhaltige Getränke tritt dann die folgende Richtlinie in Kraft: Kalorienarme Erfrischungsgetränke, Fruchtsäfte ausgeschlossen, dürfen nur dann in Schulen verkauft werden, wenn sie den maximalen Kaloriengehalt von 20 Kalorien pro 100 ml nicht überschreiten. Alle Getränke mit einem höheren Kaloriengehalt werden aussortiert.

Mithilfe dieser und noch anderer Maßnahmen möchte der Softdrink-Sektor dafür sorgen, dass der Kaloriengehalt in Erfrischungsgetränken verringert wird. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob bestimmte Getränke auch mit weniger Kalorien produziert werden können oder ob kleine Verpackungen das Konsumverhalten verändern. Auch soll die Vermarktung von Light-Produkten unterstützt werden. Man geht davon aus, dass bereits im Jahr 2020 diverse Softdrinks rund 15 Prozent weniger Kalorien enthalten. Mithilfe des Verkaufsstopps von ungesunden Getränken in Schulen, der Förderung von Innovationen und des Vertriebs von gesunden Produkten strebt die Softdrink-Branche einen Imagewechsel der Erfrischungsgetränke an. Man möchte demonstrieren, dass Erfrischungsgetränke nicht per se ungesund sind. „Light- und Zero-Produkte sind eine gute Alternative zu Wasser“, so Gianotten. Trotz der Euphorie um die Light-Produkte ist sich Gianotten darüber im Klaren, dass auch diese ihre Tücken haben. „Es geht uns um die Kalorien“, sagt er. „Ich behaupte nicht, dass sie gesund sind, aber man muss sich auch mal was gönnen. Immer Wasser ist ja auch langweilig.“ Diese Umstrukturierungen bezüglich der Ernährung von Schülerinnen und Schülern betreffen allerdings nicht nur das Getränkeangebot. „Wir werden auch andere Zulieferer und Caterer bitten, Verantwortung zu übernehmen und unseren Maßnahmen Folge zu leisten“.

Auch Matthijs van den Berg, Leiter der Abteilung Ernährung, Prävention und Pflege des RIVM (Rijksinstituut voor Volksgezondheid en Milieu) ist mit der Maßnahme des Verkaufsstopps stark zuckerhaltiger Getränke zufrieden und hält die Entscheidung der Produzenten für einen guten Schritt in die richtige Richtung. „Junge Menschen trinken zu viele Softdrinks. Es wäre natürlich besser für ihre Gesundheit, wenn sie davon weniger trinken würden." Aktuell nehmen junge Leute zu viel Zucker zu sich, was auch, so Van den Berg, mit dem Konsum von Erfrischungsgetränken zu tun habe. Schließlich geht aus einer 2016 veröffentlichten Studie des RIVM, die die Ernährung an middelbare scholen untersucht, hervor, dass das Getränkeangebot in Schulen nur so vor Softdrinks wimmelt. Schulen stellen demzufolge zu viele Getränkeautomaten bereit und auch in Kantinen würden große Mengen an ungesunden Getränken verkauft. Insgesamt sind 85 Prozent der Schulen mit eben so einem Automaten ausgestattet. Van den Berg schließt jedoch nicht aus, dass sich die Jugendlichen nach einem Verkaufsstopp in Schulen anderweitig ungesunde Getränke besorgen. Das ließe sich ihm zufolge nicht vermeiden. Das Gesamtangebot der Schulen würde sicher dadurch jedoch verbessern. Über die möglichen finanziellen Folgen, könne man laut FWS-Direktor Gianotten noch keine Aussage treffen. Er ist aber guter Hoffnung, dass das Resultat nicht negativ ausfalle. „Wir sind glücklicherweise eine innovative Branche mit einem breiten Sortiment, zu dem fast jede Woche Produkte hinzukommen.“   


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