Nachrichten Juli 2017


WIRTSCHAFT: Die Anzahl der Ladestationen für Elektroautos nimmt in den Niederlanden zu - Ist der Verbrennungsmotor bald Geschichte?

Amsterdam. EF/Trouw/VK/NOS. 13. Juli 2017.

Ladestation Hybrid Big
In den Niederlanden entstehen immer mehr Ladestationen für Hybridautos. Werden die Verbrennungsmotoren bald von Europas Straßen verschwinden?, Europaweit liegt der Anteil elektronischer Autos jedoch zurzeit bei lediglich 0,2 Prozent. Dennoch gehen Experten davon aus, dass das Zeitalter der Verbrennungsmotoren bald vorbei ist, Quelle: Roel Wijnants/CC BY-NC 2.0

Dem umweltbewussten Fahrer von Elektroautos fällt es zunehmend leichter, eine Ladestation für sein Auto zu finden. Die Niederlande zählten bereits zu Beginn des Jahres 27.000 Ladestationen. Das sind eineinhalb Mal mehr als im Jahr zuvor. Den geringsten Aufwand, um eine Station zum Aufladen des Autos zu finden, müssen die Bewohner der Insel Terschelling betreiben. Aus den Daten von Eco-movement, einem unabhängigen Unternehmen, welches Daten über Ladestationen für elektrische Fahrzeuge in BeNeLux erhebt, geht hervor, dass auf dieser Insel je eine Ladestation für etwa 100 Einwohner vorhanden ist. Im Durchschnitt stehen in den Niederlanden rund 16 Ladestationen je 10.000 Einwohner zur Verfügung. Doch was bedeutet das für die Automobil-Branche? Werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in Zukunft von niederländischen oder gar europäischen Straßen verschwinden?

Der starke Anstieg der Ladestationen für Elektromotoren hängt mit den technologischen Entwicklungen und den Verkaufszahlen der letzten fünf Jahre zusammen. Doch bleibt der Anstieg weiterhin bestehen? Laut Melanie Zierse, Redakteurin der niederländischen Tageszeitung Trouw, habe sich der Verkauf von neuen Elektroautos trotz des anfänglichen Booms schließlich im Jahr 2016 im Vergleich zum Jahr 2015 bereits halbiert. Maarten Steinbuch, Autoexperte und Professor für Robotik an der TU Eindhoven, macht die Steuererhöhung dafür verantwortlich. Diese stieg für Hybridautos Anfang Januar 2016 von 7 Prozent auf 15 Prozent an, während die Kfz-Steuern für schwere Leasingfahrzeuge hingegen gesenkt wurden. Nichtsdestotrotz geht Steinbuch davon aus, dass der Rückgang der Verkaufszahlen nur vorübergehend ist: „Ich denke, dass 2025 85 Prozent der Neuwagen einen Stecker haben und größtenteils vollelektrisch sind.“  Darüber hinaus seien die größten Nachteile des Hybrid-Autos, nämlich die hohen Anschaffungskosten und die im Gegensatz zum Verbrennungsmotor stark begrenzte Anzahl an zu fahrenden Kilometern, durch das Aufkommen neuer Modelle in den nächsten ein bis drei Jahren Geschichte.

Doch selbst ein erneuter Verkaufsanstieg der Hybrid-Autos bedeutet nicht, dass die Anzahl der Ladestationen in den Niederlanden weiter ansteigt. In den Niederlanden gibt es bereits eine neue und einzigartige Technik, mit der elektronische Autos, Busse, Roller oder Fahrräder über ein elektromagnetisches Feld drahtlos wieder aufgeladen werden. „Drahtloses Aufladen ist einfach viel bequemer“, sagt Arnaud van der Sluis, Unternehmensdirektor von Proov/IPT. „Vor allem, wenn die Menschen bald scharenweise Elektro- und Hybridfahrzeuge fahren, wollen sie keinen Ärger mit Kabeln. Wir haben sowieso schon so viele Geräte mit einem Stecker zuhause.“ 

Steinbuch ist nicht der Einzige, der von einem Boom der Hybridauto-Branche ausgeht. Auch das Economisch Onderzoeksbureau der ING prophezeit das Verschwinden des normalen Verbrennungsmotors. Laut eines von der ING am heutigen Donnerstag veröffentlichten Berichts werden Neuwagen mit Verbrennungsmotoren im Jahr 2035 der Vergangenheit angehören. Obwohl der Anteil elektronischer Autos in Europa mit nur 0,2 Prozent noch sehr gering ist, geht die ING davon aus, dass dieser bis 2020 auf 20 Prozent ansteigt. Durch die schnelle Entwicklung der Technologie sollen in rund 15 Jahren alle Neuwagen in Europa über einen Elektromotor verfügen. Umweltbewusste Autofahrer können aber bereits zuvor die Kostenvorteile eines Hybridfahrzeugs nutzen, denn durch die immer günstiger werdenden Akkus können Händler die Elektroautos preiswerter anbieten. „Die Entwicklung der Akkus für die Autos geht jetzt sehr schnell voran“, sagt Max Erich, Ökonom der ING. „Sie werden bald günstiger und man kann länger damit fahren. Das ist für den Verbraucher sehr wichtig, wenn er vor der Wahl steht, sich ein Elektroauto zu kaufen. Bei einem Aktionsradius von 400 bis 500 Kilometern und vielleicht noch mehr wird so ein Auto zunehmend interessanter.“ Bereits in sieben Jahren habe das Fahren eines elektronischen Autos laut Erich auch finanzielle Vorteile. Zwar könne ein Elektroauto bezüglich des Anschaffungspreises noch nicht mit einem Auto mit Verbrennungsmotor konkurrieren, der Preis pro gefahrenen Kilometer läge allerdings unter dem von Benzin- oder Dieselmotoren. Erichs Berechnungen basieren dabei auf Verschleiß-, Lade-, Wartungs- und Reparaturkosten. Hinzu kommt, dass die Vielzahl an Ladestationen und die Ausweitung des Fahrradius die Akzeptanz der umweltfreundlichen Autos stärken. 

Das sind äußerst gute Nachrichten für das Klima und die Luftqualität, die stark unter der Emission von Schadstoffen zu leiden haben. Dennoch hat diese Entwicklung auch eine negative Seite: Für europäische Fahrzeughersteller wird der große Durchbruch fernbleiben. Zwar geben sie in der Automobil-Branche zurzeit noch den Ton an, doch handelt es sich dabei lediglich um Brennstoffmotoren. Der Wettbewerbsvorteil wird nicht mehr gegeben sein, worunter die Margen erheblich unter Druck geraten. Vor allem die Produktion von Akkus wird für europäische Autohersteller zu einer großen Herausforderung. Weltweit liegt der Marktanteil europäischer Li-Ionen-Akkus, mit denen die Elektroautos angetrieben werden, bei lediglich 3 Prozent. Den größten Marktanteil haben Japan und China inne. Für die europäische Automobil-Branche könnten folglich demnächst düstere Zeiten beginnen.


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