Nachrichten Juli 2017


SPORT: Am Sonntag startet die Fußball EM der Frauen in den Niederlanden

Hup Holland Hup. SB VK/Trouw. 11. Juli 2017.

Sarina Wiegman Big
Sarina Wiegman, wird die neue Nationaltrainerin ihre Mannschaft zum Erfolg führen?, Quelle: Anders Henrikson/CC BY-NC 2.0

Am kommenden Sonntag startet die Fußballeuropameisterschaft der Frauen in den Niederlanden. Bei den Gastgeberinnen steigt die Spannung, denn die Nationalspielerinnen wissen: „Wir können dem Frauenfußball in den Niederlanden enormen Aufschwung verleihen.“ Die Generalprobe gegen Wales lief mit einem souveränen 5:0 Sieg gut, aber Norwegen, der erste Gegner des Turniers, ist eine andere Hausnummer. Mit der neuen Nationaltrainerin, Sarina Wiegman, kann es aber für die Löwinnen ein furioses Tournier werden.

Im Jahr 1936 beschloss der Amsterdamer Gemeinderat die stadteigenen Fußballplätze nicht mehr für Frauen freizugeben. 1938 folgte ein landesweites Verbot, ausgesprochen vom KNVB, dem niederländischen Fußballbund. Der weibliche Körper, so die damalige Argumentation, sei nicht gemacht für einen solch kräftezehrenden Sport, Eleganz und Grazie drohten in Gefahr zu geraten. Außerdem waren schwitzende Frauen in kurzen Hosen einfach kein zumutbarer Anblick, ganz zu schweigen von der reellen Gefahr, dass Frauen durch das Ausüben dieses Sportes „dicke Waden“ und O-Beine bekommen könnten. Das Verbot hielt sich ganze 35 Jahre, aber auch nach Aufhebung des Verbotes hatte es der Frauenfußball nicht leicht. Und das übrigens nicht nur in den Niederlanden, sondern überall. Noch 1989 bekamen die Spielerinnen der deutschen Fußballnationalmannschaft als Siegerprämie für den Europameistertitel ein Kaffeeservice aus weißem Porzellan mit bunten Blumen darauf überreicht und selbst dabei hatte es nur für B-Ware aus dem Hause Villeroy & Boch gereicht.

Seitdem hat sich viel getan. In Deutschland können Frauen im Profifußball mittlerweile durchaus Geld verdienen. 2011 hätte jede Spielerin 60.000 Euro für den WM-Titel im eigenen Land bekommen, am Ende siegten allerdings die Japanerinnen. Auch in den Niederlanden hat der Frauenfußball einen Sprung gemacht. Der Durchbruch gelang hier im Jahr 2009 als die Niederländerinnen das Halbfinale der Europameisterschaft erreichten. Immerhin 2,2 Millionen Menschen verfolgten damals das Spiel. Mittlerweile hat der KNVB 150.000 weibliche Mitglieder und alle Gruppenspiele für die am Sonntag startende EM sind bereits ausverkauft. Trotzdem hinkt der niederländische Profifußball bei den Frauen im internationalen Vergleich noch hinterher. Das sieht man auch daran, dass gleich 12 Spielerinnen der insgesamt 23-köpfigen Auswahl in ausländischen Clubs spielen. Weitere zwei Spielerinnen haben bereits für die nächste Saison Verträge beim FC Bayern München unterzeichnet. Was das Gehalt, die Entourage und das Niveau betrifft, ist der deutsche Frauenfußball dem niederländischen ein ganzes Stück voraus. Auch die Franzosen sind hier vorne mit dabei. Sie lieferten gleich beide Finalisten für die letzte Champions League und die Engländer investieren derzeit ansehnlich in den Ausbau des Frauenfußballs.

Auch in den Niederlanden tut sich etwas. Die erste Frauenfußballbundesliga, in den Niederlanden spricht man von der eredivisie, entwickelt sich gut. Vor allem bei Ajax haben sich Infrastruktur, Organisation und Versorgung verbessert. Die Heimspiele werden nicht selten von fünfzehnhundert Zuschauern verfolgt. Aber Fulltime Profis, wie in Deutschland, England und Frankreich, das ist in den Niederlanden für Frauen noch immer nicht möglich. Deswegen ist diese Europameisterschaft im eigenen Land auch so wichtig für die niederländischen Kickerinnen. Mandy van den Berg, die Kapitänin der Löwinnen weiß das. Sie sagte: „Wir wissen, dass wir jetzt genau unter die Lupe genommen werden. Wir können dem Frauenfußball in den Niederlanden einen enormen Aufschwung verleihen.“ Zurzeit ist Oranje auf Ranglistenplatz 12 der FIFA (die niederländischen Männer stehen zurzeit auf 31) das kleine Wales gegen das die Niederländerinnen unlängst mit 5:0 gewonnen haben, belegt Listenplatz 35. Beim Eröffnungsspiel gegen Norwegen wird das eine ungleich höhere Herausforderung. Aber die Chancen stehen nicht schlecht und das liegt vor allem an einer Person: Sarina Wiegman.

Sarina Wiegmann ist die neue Nationaltrainerin der weiblichen elftal. Die 47-jährige hat eine lange Karriere hinter sich. Bereits mit sechs Jahren trat sie leidenschaftlich gegen den Ball. In Wassenaar spielte sie in einer Jungenmannschaft mit. Weil das damals noch illegal war, trug sie ihre Haare kurz, um nicht als Mädchen aufzufallen. Mit Beginn der Pubertät wechselte sie zu den Frauen und legte eine erfolgreiche Karriere bei Den Haag, Delft, Sassenheim und der University of North Carolina hin. Ehemalige Weggefährten und Kollegen beschreiben sie als eine, „die für den Fußball lebt“, eine, die schon früh die Neigung gezeigt habe, „zu führen“ – immer wieder fällt das Wort fanatisch. Während des Übungsspiels gegen Wales am vergangenen Samstag war sie ruhig auf der Trainerbank sitzen geblieben, aber wenn es nicht gerade schon 5:0 steht, kann Wiegman auch anders. Alex Scholte, technischer Manager bei den Frauen von ADO Den Haag, der Wiegman einst trainiert hatte und später ihr Assistent bei ADO war, sagt, dass Spielerinnen es als schwierig empfunden haben, das Training abzusagen, wenn sie mal nicht konnten: „Es kann ganz schön knallen, aber sie ist nicht nachtragend und Spielerinnen fühlen sich nicht persönlich angegriffen.“ Auch hier fällt wieder das Wort fanatisch. Don Koehorst, Trainer bei Haarlem, sagt über sie: „Sarina ist taktisch ausgebufft“ und sie sei ehrlich und direkt „Wenn sie einer Spielerin sagen muss, dass sie nicht zur Startelf gehört, dann sagt sie das deutlich heraus. Gerade ist gerade, krumm ist krumm und schlechte Neuigkeiten sind schlechte Neuigkeiten. Wenn sie gefragt wird „gewinnen oder gut spielen?“, dann antwortet Wiegman: „Wir wollen beides, aber gewinnen steht an erster Stelle. Wenn es mal hässlich werden muss, dann muss es eben hässlich werden. Vom Siegen kriegt man Selbstvertrauen, dann steht das Publikum hinter dir und dann kommt das gute Spiel von allein.“

Wiegmann war seit 2014 Co-Trainerin bei der niederländischen Frauennationalelf. Seit diesem Jahr ist sie die Cheftrainerin. Viele aus der Szene, die mit ihr gearbeitet haben, sagen, sie hätte viel eher Nationaltrainerin werden müssen. Denn die Mutter von zwei Töchtern tue „alles mit Herz und Seele. Sie kreiert eine Sphäre, in der jeder eher einen Schritt zu viel, als zu wenig tut. Sie holt mehr raus, als drin ist“, so Ted Bruggeling, Koordinator des Talentprogramms von Den Haag. Wenn dies alles zutrifft, was man über die neue Chef-Trainerin sagt, dann darf man sich auf einen furiosen Auftritt der Löwinnen freuen.

Die ersten Gruppenspiele der Niederländerinnen finden gegen Norwegen (16. Juli, Utrecht), Dänemark (20. Juli, Het Kasteel) und Belgien (24. Julie, Tilburg) statt.


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