Nachrichten Januar 2017


KOLUMNE ZUR WAHL 2017: Männerbastion

Münster. Redaktion: SB/Autor: Koen Vossen 23. Januar 2017.

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Unser Kolumnist Koen Vossen, Alles zur Wahl in den Niederlanden 2017, Quelle: ZNS

Die Niederlande pochen gerne auf ihre progressive Kultur. Ob es nun um die Homo-Ehe, Euthanasie oder die Politik der weichen Drogen geht, immer meinen die Niederlande, Vorreiter zu sein. Umso auffälliger ist es daher, dass die niederländische Politik immer noch eine altmodische Männerbastion ist. Unter allen Spitzenkandidaten der im Parlament vertretenen Parteien ist lediglich eine einzige Frau: Marianne Thieme von der winzigen Partij voor de Dieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern haben die Niederlande auch noch nie eine Regierungsführerin gehabt. Obwohl im gegenwärtigen Kabinett fünf der 13 Minister Frauen sind, sind die wichtigsten Ministerposten (wie Außenminister, Sozialminister und Finanzminister) ebenfalls von Männern besetzt.

Es stellt sich natürlich die Frage, warum in den Niederlanden relativ wenige Frauen auf politischen Toppositionen landen. Wo sind die niederländischen Angela Merkels, Hillary Clintons und Theresa Mays? Haben die Niederlande keine talentierten Politikerinnen, die für das Amt des Ministerpräsidenten reif sind? Es gibt tatsächlich Kommentatoren, die glauben, dass es in den Niederlanden einfach an Politikerinnen vom Format Merkels oder Mays fehlt. Und die talentierten Politikerinnen, die wir hatten, waren bei der falschen Partei (zum Beispiel Femke Halsema von der kleinen Partei GroenLinks), oder sie zogen, wie Neelie Kroes, nach Brüssel, um Europakommissarin zu werden. Dennoch macht man es sich etwas zu leicht, wenn man die Angelegenheit als eine Frage des bloßen Zufalls abtut.

Diesen Schluss kann man aus dem Buch Hare Excellentie (Ihre Exzellenz) ziehen, das die Nimwegener Politikprofessorin Monique Leyenaar kürzlich über die 33 Ministerinnen veröffentlicht hat, die es in den Niederlanden bis jetzt gegeben hat. Von diesen 33 Ministerinnen war die erste vielleicht auch die beste: Marga Klompé, die 1956 Ministerin für Soziales wurde und dies bis 1963 bleiben sollte. 1967 wurde sie sogar gefragt, ob sie möglicherweise Ministerpräsidentin werden wolle, aber Klompé lehnte ab, weil sie fand, dass sie zu wenig Ahnung von Wirtschaft habe und zudem die Zeit für eine Ministerpräsidentin noch nicht für reif hielt.

Diese Art von Bescheidenheit wird von vielen Ministerinnen als eine Erklärung dafür genannt, warum es in den Niederlanden relativ wenig Spitzenpolitikerinnen gibt. Im Gegensatz zu ihren männlichen Konkurrenten, die sich selbst oftmals für jede Funktion besonders geeignet halten, zweifeln Frauen häufig, ob sie einem schweren Ministeramt wohl gewachsen seien. Wenn sie nach reiflicher Überlegung doch zustimmen, erweisen sie sich im Übrigen oftmals als leistungsstärker als mancher selbstgefällige männliche Kollege.

Eine andere Erklärung, die häufig genannt wird, ist die, dass Ministerinnen mit herabsetzenden Vorurteilen sowohl der Presse als auch der Politiker-Kollegen konfrontiert werden. Bei Ministerinnen hält man die Kleiderwahl und die häusliche Situation für viel relevanter als bei Ministern. Ministerinnen müssen eher erklären, wie sie ihren belastenden Beruf mit der Erziehung von Kindern kombinieren, als ihre männlichen Kollegen.

Vielleicht hat das Fehlen von Spitzenpolitikerinnen auch damit zu tun, dass die Funktion des Staatsoberhaupts bis 2013 in den Händen einer Frau lag. Königin Wilhelmina, Königin Juliana und Königin Beatrix drückten der niederländischen Politik alle auf ihre eigene Weise ihren Stempel auf. Jetzt, wo die Niederlande seit 2013 ein männliches Staatsoberhaupt haben – König Willem Alexander -, zieht dieses Argument auf jeden Fall nicht mehr. Die Zeit scheint mehr denn je reif für eine niederländische Angela Merkel zu sein.


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