Nachrichten FEBRUAR 2017


WIRTSCHAFT: Blokker kämpft mit starken Umsatzeinbußen und schließt Filialen

Amsterdam. EF/VK/Trouw/NRC. 16. Februar 2017.

Nach starken Umsatzeinbußen der Einzelhandelskette Blokker hat der Konzern in der letzten Woche beschlossen, in Belgien 69 von 190 Filialen zu schließen. Auch in den Niederlanden wurden in den letzten Jahren mehrere Dutzend Blokker-Filialen aufgegeben. Darum startete die Blokker Holding, die Muttergesellschaft von Xenos und Intertoys, verschiedene Umstrukturierungen. Ob der Betrieb dadurch erhalten bleiben kann, ist noch unklar.

Für die Blokker Holding folgt nun eine schwierige Zeit, in der sich entscheiden wird, ob das Unternehmen Bestand hat oder nicht. Die Muttergesellschaft der Einzelhandelsketten Blokker, Xenos, Leen Bakker, Marskramer, Big Bazar, Bart Smit und Intertoys führt seit letztem Jahr rasend schnell diverse große Veränderungen durch, um dadurch die immer größer werdenden Verluste einzudämmen.

Der Grund für die Schließung von 69 belgischen Blokker-Filialen resultiert aus den schwerwiegenden Umsatzeinbußen in den letzten beiden Jahren. Laut eines Presseberichts betrugen diese im Jahr 2015 15 Millionen EUR und im Jahr 2016 sogar 18 Millionen EUR. Mit der Schließung gehen allerdings auch 302 Arbeitsplätze verloren.

Doch nicht nur in Belgien, sondern auch in den Niederlanden wurden in den letzten Jahren nach starken Umsatz- und Gewinneinbußen mehrere Dutzend Blokker-Filialen aufgegeben. Bereits im Jahr 2014 handelte es sich um einen Gewinnverlust von 20 Millionen EUR. 2015 waren es bereits 52 Millionen EUR bei einem Umsatz von 2,1 Milliarden EUR. Auch hier gingen dadurch viele Arbeitsplätze verloren. Bereits im Februar 2015 kündigte die Blokker Holding, die insgesamt über ca. 21.000 Mitarbeiter verfügt, an, 440 niederländische Arbeitsplätze zu streichen. Ein Jahr später folgten weitere 390 Arbeitsplätze. Weitere 250 Mitarbeiter mussten im letzten Jahr das Tochterunternehmen Xenos verlassen und nach der Aufgabe der Einzelhandelskette Cook & Co wurden auch deren 85 Mitarbeiter verabschiedet. Neben einer drastischen Umstrukturierungen des Personalbestands werden außerdem alle Bart-Smit-Spielwarenläden zu Intertoys-Filialen umgebaut, sodass die Blokker Holding nur noch für eine einzige Spielwarenkette werben muss. Da aber auch die Spielwarengeschäfte von der Konkurrenz aus dem Internet bedroht sind, geht unter anderem Kitty Kitty Koelemeijer, Professorin an der Universität Nyenrode davon aus, dass die Blokker Holding auch die Intertoys-Filialen umstrukturieren und die Anzahl ihrer Mitarbeiter reduzieren werde.

Laut John Wanders, Redakteur der Tageszeitung de Volkskrant, habe der Betrieb viel zu lange passiv zugeschaut, wie das Internet den Einzelhandel auf den Kopf gestellt hat. Die allseits bekannte Einrichtung der Filialen sei stark verschlissen und damit für Kunden unattraktiv. Kluge und reaktionsfähige Konkurrenten haben mittlerweile Blokkers Marktanteil übernommen. Es ist daher fraglich, ob der verlorene Marktanteil noch zurückgewonnen werden kann.

Innerhalb der Führungsebene führten die starken Gewinneinbußen zu diversen Meinungsverschiedenheiten mit schwerwiegenden Folgen. Der Geschäftsführer Roland Palmer, Cousin der im Jahr 2011 verstorbenen Betriebsikone Jaap Blokker, verließ im Sommer 2015 den Aufsichtsrat. Ein paar Monate später trat auch Jack Peters als Direktor der Blokker-Filialen zurück. Das neue Konzernmanagement von Blokker ist sich allerdings einig, dass die im vergangenen Jahr durchgeführten Innovationen, Kursänderungen und auch die ‚schmerzhaften Eingriffe‘ für das Überleben in einem umkämpften Markt für Haushalt- und Wohnartikel sowie Spielwaren notwendig waren.

Laut RetailNews, einem digitalen Informationskanal für Einzelhändler, gab der Geschäftsführer der Blokker Holding, Casper Meijer, Ende letzten Monats auf der Anton-Dreesmann-Jahreskonferenz bekannt, dass man nicht umhin könne, sich neu zu organisieren. Man habe aber die Sorge, nicht schnell genug auf das veränderte Verhalten von Kunden agieren zu können. Durch die Umstrukturierung muss das Unternehmen schneller, effizienter und sichtbar anders sein als zuvor.

Damit startet Blokker eine Art Aufholjagd. Durch den späten Zeitpunkt könnte es sich allerdings um ein Rennen gegen die Zeit handeln. Der Rotterdamer Professor Cor Molenaar sagt dazu, dass Blokker aktuell gute und sinnvolle Maßnahmen ergreife. Das heißt aber nicht, dass diese zwangsläufig ausreichen werden, um den Betrieb dauerhaft gewinnbringend erhalten zu können. Molenaar weist außerdem auf den Kontrast zwischen den Verlusten von Blokker und dem schnellen Umsatzwachstum von Action hin, eine Einzelhandelskette, die ihren Ursprung in Nordholland hat. Während die Belegschaft von Action wächst, kam es bei Blokker und Xenos zu hunderten von Entlassungen. Außerdem kündigte die Blokker Holding bereits vor einem Jahr einen Umbau von 450 der 600 niederländischen Blokker-Filialen an - die übrigen 150 werden geschlossen.

Koelemeijer sieht einen Grund für die schlechten Umsatzzahlen der letzten Jahre in dem Produktangebot von Blokker. Bei Haushaltsartikeln handele es sich um Produkte, deren Kauf durchaus auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden könne. Die Zeiten, in denen man zu Blokker ging, sobald man Haushaltsartikel benötigt, seien vorbei. Heutzutage könne Haushaltswaren auch online oder bei Action kaufen.

Aber nicht nur die Produktpalette ist entscheidend. Blokker wird aktuell von verschiedenen Seiten angegriffen. Dazu gehören unter anderem bol.com, Wehkamp, Amazon, Alibaba, Fonq, Hema, Action oder Supermärkte mit umfangreichen Non-Food-Abteilungen. Um mit Konkurrenten mithalten zu können, hat Blokker kürzlich eine eigene Hausmarke auf den Markt gebracht. Koelemeijer ist allerdings der Meinung, dass es sich dabei erneut um eine reichlich spät eingeführte Maßnahme handele. Der Konkurrent Hema habe mit seiner bereits seit Jahren bekannten Hausmarke einen Trumpf in der Hand, während Blokker seine Hausmarke erst noch aufbauen müsse.

Das Unternehmen Blokker scheint aktuell auf der Suche nach seiner Identität zu sein, stellte die Einzelhandelsexpertin Carin Frijters fest. Sie beurteilt die schnell aufeinanderfolgenden Veränderungen als eine Art Panikstrategie und versteht nicht, warum Blokker in einer Zeit hoher Umstrukturierungen eine teure US-amerikanische Schauspielerin für TV-Werbespots engagiert – vor allem, da Sarah Jessica Parker, Star der TV-Serie Sex and the City, laut Frijters einer anderen Welt angehört als die traditionellen Blokker-Kunden. Es sei eine goldene Regel des Einzelhandels, die bestehenden Kunden zu erhalten. Sarah Jessica Parker stehe allerdings weit von der Herkunft Blokkers entfernt, so Frijters.

Ein weiteres Manko der Blokker-Filialen, auch nach den jüngsten Umbaumaßnahmen, sieht sie in der “männlichen” Einrichtung. Da es sich bei der Zielgruppe eher um Frauen handelt, solle man den Filialen ein weiblicheres, freundlicheres Profil geben und statt auf enge Regalreihen auf Inseln setzen, die mit einem hohen Entdeckungsgehalt versehen seien.

Ob die Familie Blokker das Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens aufrecht erhalten kann, zeige sich im Laufe der nächsten Zeit, betont die Professorin aus Nyenrode. Die Aktionäre sind in den erfolgreichen Jahren reichlich mit Dividenden belohnt worden. Im letzten Jahr haben sie dahingegen 130 Millionen EUR in das Unternehmen zurückinvestiert. Dieser Betrag war allerdings durchaus vertretbar, angesichts der 200 Millionen EUR teuren Erneuerungen. Es stelle sich nun lediglich die Frage, wie lange die Familie bereit sei, weiterhin Geld zu investieren.


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