Nachrichten april 2017


GESELLSCHAFT: Nach der Ankunft der Riesenpandas sind die Niederländer im Panda-Fieber

Rhenen. EF/VK/Trouw/NRC. 13. April 2017.

In den Niederlanden ist das Panda-Fieber ausgebrochen. Auslöser für den Hype um die großen, schwarz-weißen Bären ist die Ankunft von Wu Wen (‚schöne, kräftige Wolke‘) und Xing Ya (‚eleganter Stern‘), zwei Riesenpandas, die am Mittwochabend am Amsterdamer Flughafen Schiphol angekommen sind. Ihr neues Zuhause ist der Ouwehands Dierenpark in Rhenen. Damit gehört dieser Tierpark zu einem der weltweit wenigen Zoos, die Riesenpandas beherbergen.  

Empfangen wurden die beiden Pandas in einem vollgepackten Hangar neben dem Tierhotel in Schiphol, in dem normalerweise Tiere oder andere Fracht für den Transport vorbereitet werden. Gestern Abend herrschte dort allerdings ein ganz anderes Flair. Bereits vor der Landung der beiden Riesenpandas war die Halle sowohl mit Menschen von der Presse (von NOS bis BBC) als auch mit geladenen Gästen, Managern der Fluggesellschaft KLM und Schiphol-Personal gefüllt. Gegen 19.30 Uhr war es schließlich soweit. Nach einem elfstündigen Flug landete die Boeing 747-Combi mit den beiden Bären an Bord. Anschließend wurden sie von der Feuerwehr mit einer sogenannten ‚shower of affection‘ begrüßt. Die Landung des Flugzeugs wurde für die Anwesenden in der Halle über einen großen Bildschirm via Livestream ausgestrahlt.

Auf dem langen Flug von der chinesischen Stadt Chengdu nach Schiphol wurden die beiden Pandas neben ihren Betreuern auch von Marcel Boekhoorn, dem Eigentümer des Ouwehands Dierenpark, und José Kok, der zoologischen Leiterin des Tierparks, begleitet. „Ich habe im Flugzeug hinter ihnen gesessen und sie waren sehr entspannt“, sagte Kok, die für die Betreuung der Tiere verantwortlich ist. „Ich hoffe, dass sie das gleich, nach mehr als 30 Stunden in diesen Käfigen, noch immer sind.“ Nach dem Empfang begaben sich die beiden Neuankömmlinge, begleitet von Marcel Boekhoorn und einer festlichen Kolonne, in ihr neues Zuhause, einem Riesenpandapalast im Tierpark Ouwehand. Dort werden sie erstmal vier bis sechs Wochen unter Quarantäne gestellt, um sich von der langen Reise und dem Stress zu erholen. Wann Besucher des Tierparks die beiden Pandas live erleben können, ist noch nicht bekannt. 

In der Zwischenzeit entwickeln sich die beiden großen Bären in Rhenen zu einem Kassenschlager. Die Gemeinde ist bereits übersät mit Panda-Flaggen, Panda-Torten oder -Brot, Panda-Kuscheltieren, Panda-Bettwäsche, Panda-Schokolade, Bambus-Burger oder Panda-Eis. Selbst eine Panda-Party wurde anlässlich zur Ankunft der beiden Bären organisiert – mit dem Dresscode schwarz-weiß versteht sich. Hans van der Pas, der Bürgermeister von Rhenen, steht dieser Entwicklung positiv gegenüber. Das Image des knuddeligen Risenpandas sei schließlich eine Menge Geld wert. Darum suche man als Gemeinde noch mehr als zuvor nach Verbindungen mit Ouwehand. Er ist davon überzeugt, dass sich die Verbindung zwischen dem Ouwehands Dierenpark und den Produkten der ansässigen Metzger, Bäcker oder anderen Händler dauerhaft rentieren könne, falls diese weiterhin so kreativ mit diesem Thema umgehen. Die Aufregung über die neuen Zoo-Bewohner ist durchaus nachvollziehbar. Schließlich ist der Tierpark Ouwehand jetzt der einzige Tierpark in den Niederlanden, der Riesenpandas beheimatet. Selbst weltweit beherbergen nur 17 Zoos diese Tiere. Damit wird der Ouwehands Dierenpark nicht nur für Niederländer, sondern auch für Deutsche zu einem beliebten Ausflugsziel.

Die Anwesenheit von Riesenpandas in Tierparks ist eine Seltenheit. Für Marcel Boekhoorn, Eigentümer des Ouwehands Dierenpark, war es ein langer und komplexer Prozess, um die Tiere als Prestigeobjekt für seinen Tierpark zu bekommen, der insgesamt 16 Jahre andauerte. Bereits im Jahr 2000, nachdem Boekhoorn Eigentümer des Tierparks wurde, begann er mit seiner Lobbyarbeit bezüglich der Riesenpandas. In einem Brief an Ministerpräsident Wim Kok bat er um dessen Unterstützung. „Ein Brief Ihrerseits an die Regierung der Volksrepublik China, in dem Sie Ihre Sympathie für dieses Projekt aussprechen, würde uns in der Verwirklichung unserer oben genannten Ziele beträchtlich weiter bringen. Bislang konnten alle sieben Riesenpandas, die derzeit in Tierparks außerhalb von China untergebracht sind, ausschließlich und allein durch die Intervention von Staatsoberhäuptern (Kohl-Nixon-Clinton) erworben werden.“

Die niederländische Regierung war von Anfang an begeistert. Der erste Versuch schlug allerdings aufgrund der kritischen Haltung der Niederlande gegenüber den Menschenrechten in China fehl. Ein zweiter Versuch im Jahr 2005, an dem auch der chinesische Fabrikant Huawei beteiligt war, scheiterte ebenfalls. 2009 versuchte Boekhoorn mithilfe der Organisation Chinese Association for Zoological Gardens, das zu dem chinesischen Bauministerium gehört, an die Riesenpandas zu gelangen. Im Anschluss daran folgten viele Besuche mit wichtigen niederländischen Persönlichkeiten und einflussreichen Chinesen. Infolge dessen besuchte der damalige Premierminister Jan Peter Balkenende mit Prinz Willem-Alexander die Expo in Shanghai. Als 2011 noch immer keine Pandas in den Niederlanden angekommen sind, schließt sich auch Mark Rutte dem Unterfangen an und VVD-Mitglied Hans Wiegel bemühte sich als Berater in der Panda-Diplomatie. Im Oktober 2015 ist es schließlich soweit. Aus Peking gibt der niederländische Außenminister Bert Koenders bekannt, dass zwei Pandas in die Niederlande kommen werden. Dass die schwarz-weißen Bären nun doch ihren Weg in die Niederlande gefunden haben, ist einer diplomatischen Geste der Chinesen an die Niederlande zu verdanken. Diese Geste soll ein Beweis für die guten Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern darstellen. 

Obwohl nun zwei Riesenpandas in dem Ouwehands Dierenpark ihr neues Zuhause gefunden haben, ist Boekhoorn dennoch nicht der Besitzer dieser beiden Tiere. Die Riesenpandas bleiben stets Eigentum von China, dem einzigen Land, in dem diese Tiere in freier Wildbahn leben. Boekhoorn leiht sich die beiden Pandas aus China gegen eine jährliche Gebühr in Höhe von 1 Million Dollar. Zusätzlich investierte der Niederländer bereits mehrere Millionen in die Residenz der zwei Bären, die sie für die nächsten 15 Jahre bewohnen werden. Danach kehren die beiden Tiere zurück nach China.


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