Nachrichten Januar 2015


SCHULE: Sitzenbleiben ist „altmodisch und teuer“

Den Haag/Amersfoort. KL/CPB/DT/NPO/NRC/VK. 20. Januar 2015.

Sander Dekker
Staatssekretär Dekker will die Zahl der Sitzenbleiber zügig halbieren, Quelle: Roel Wijnants/cc-by-nc

Sitzenbleiben könnte an niederländischen Schulen bald der Vergangenheit angehören. Denn dem Staat entstehen durch die Ehrenrunden jährlich Kosten in Millionenhöhe, wie das Centraal Planbureau (CPB) in einer am Samstag veröffentlichten Studie vorrechnet. Der Staatssekretär für Bildung, Sander Dekker (VVD), reagierte darauf mit klaren Worten: „Sitzenbleiben ist eine altmodische, teure und nicht-motivierende Art und Weise, Schüler 'bei der Stange' zu halten.“

Sitzenbleiber kosten den niederländischen Steuerzahler pro Jahr 500 Millionen Euro. Das entspricht drei Prozent der Gesamtausgaben für Schulen. Laut Berechnungen des CPB kommen indirekt sogar weitere 900 Millionen Euro pro Jahr hinzu, da die betroffenen Schüler erst später auf den Arbeitsmarkt kämen und dadurch auch später Steuern und Sozialabgaben bezahlten.

Das CPB betrachtet das Sitzenbleiben als „stumpfes und teures Instrument“ und fordert daher dessen Abschaffung. Es gebe „effizientere“ Möglichkeiten, das angestrebte Bildungsziel zu erreichen. Momentan müssten Sitzenbleiber das gesamte Unterrichtsjahr wiederholen, obwohl ihre Defizite oft nur einen Teil des Unterrichtsstoffs beträfen. Das CPB plädiert deswegen für Experimente mit alternativen Maßnahmen, wie Sommerschulen oder Nachbesserungskursen, bei denen Lerndefizite gezielt beseitigt werden sollten. Bisher erhielten niederländische Schulen zwar eine finanzielle Entschädigung für wiederholte Schuljahre, nicht jedoch für weniger kostspielige Alternativen.

Einem Radiointerview mit NPO 2 zufolge teilt Staatssekretär Dekker die Einschätzungen des CPB-Berichts grundsätzlich. Es müssten zusätzliche Anreize für Schulen geschaffen werden, Maßnahmen wie Sommerschulen und Nachbesserungskurse anzubieten. Dafür werde der Staat auch weitere finanzielle Mittel bereitstellen. Dekker äußerte zudem die Absicht, die Zahl der Sitzenbleiber in den nächsten Jahren zu halbieren. Er sei froh darüber, dass das CPB Alternativen zur bisherigen Praxis aufgezeigt habe, die zukünftige Einsparungen ermöglichen könnten.

In den Niederlanden bleibt ungefähr die Hälfte aller Schüler mindestens einmal sitzen. Am häufigsten kommen solche „Ehrenrunden“ am Anfang der Grundschule oder im Jahr vor dem Schulabschluss vor. An weiterführenden Schulen ist die Wahrscheinlichkeit, eine Klasse wiederholen zu müssen, doppelt so hoch wie an Grundschulen.

Die vollständige Studie des CPB zum Thema „Sitzenbleiben an Schulen“ steht auf der Website des Instituts zum Herunterladen bereit.


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