Nachrichten SEPTEMBER 2014


GESELLSCHAFT: Erneut mehr Fälle von Sterbehilfe in den Niederlanden

Den Haag. KL/MF/MN/NOS/NRC/NU/NVVE/RO. 30. September 2014.

Hospital
Immer mehr Patienten in den Niederlanden wählen den Weg der Sterbehilfe, Quelle: Tomasz Sienicki/gemeinfrei

Die Zahl der Sterbehilfefälle und Hilfe zur Selbsttötung ist 2013, genau wie in den vorhergehenden Jahren, erneut gestiegen. Vergangenes Jahr haben niederländische Ärzte fast 5.000 Fälle gemeldet – das sind 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 2009 hatte die Zahl im Vergleich zu 2013 noch bei etwas über 2.500 Fällen gelegen. Diese Zahlen stehen im Jahresbericht 2013 der Regionale Toetsingscommissies Euthanasie (dt. Regionale Prüfungskommissionen für Sterbehilfe).

Ärzte sind in den Niederlanden dazu verpflichtet, den Regionalen Prüfungskommissionen alle Fälle von Sterbehilfe zu melden. Die weitaus meisten genehmigten Sterbehilfeanträge haben Krebskranke gestellt (ca. 3.500). Demenz schnellte 2013 als Begründung auf 97 Fälle hoch, das waren mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Die betroffenen Demenzpatienten befanden sich in der Regel in einem frühen Stadium der Krankheit, sodass sie rechtlich noch einwilligungsfähig waren. In 42 Fällen wurde eine psychische Krankheit als Grund angegeben. Das stellt im Vergleich zu den Jahren 2011 und 2012 fast eine Verdreifachung dar. Offensichtlich steigt bei niederländischen Ärzten die Bereitschaft, psychisch Kranken Sterbehilfe zu gewähren. Ausgeführt wurde die Sterbehilfe beziehungsweise die Hilfe zur Selbsttötung meist von Hausärzten.

Lediglich in fünf Fällen stellten die Prüfungskommissionen fest, dass die strengen Richtlinien für Sterbehilfe nicht eingehalten wurden. In drei Fällen lag der Fehler in der Vorbereitungsphase. Der behandelnde Arzt muss nämlich jeden Antrag auf Sterbehilfe von einem unabhängigen Mediziner begutachten lassen; das war hier nicht geschehen. Die beiden übrigen Fälle ereigneten sich bei der Durchführung der Sterbehilfe. So hatte ein Arzt beispielsweise nicht das vorgeschriebene Medikament für die Einleitung des künstlichen Komas verwendet. Die fünf Fälle wurden zwar bei der niederländischen Inspektion für das Gesundheitswesen gemeldet, keiner der genannten Fälle war jedoch so gravierend, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden musste.

Außerdem haben die Prüfungskommissionen für Sterbehilfe die Aktivitäten der 2012 in den Niederlanden neu eingerichteten „Lebensende-Klinik“ überwacht. Bei der Prüfung der 107 Meldungen von Sterbehilfe für das Jahr 2013 wurden keine Fehler festgestellt. Das wird sich nächstes Jahr sicher ändern, weil die Lebensende-Klinik 2014 innerhalb von vier Monaten bereits zweimal von den Kommissionen kritisiert wurde. In einem Fall handelte die Klinik nicht sorgfältig bei einer psychiatrischen Patientin. In einem anderen Fall erhielt eine Frau Sterbehilfe, weil sie nicht in ein Pflegeheim kommen wollte. Das hatte sie 20 Jahre zuvor in einer Willenserklärung festhalten lassen. Nach Ansicht der Kommission stellt das keinen hinreichenden Grund zur Genehmigung von Sterbehilfe dar.

Ärzte in den Niederlanden dürfen einen Antrag auf Sterbehilfe nur dann bewilligen, wenn sie davon überzeugt sind, dass die Betroffenen ihn freiwillig und wohlüberlegt stellen und dass sie unerträglich leiden und ihre Heilung aussichtslos ist.

Der vollständige Jahresbericht der Regionalen Prüfungskommissionen für Sterbehilfe kann auf der Website der Rijksoverheid heruntergeladen werden.

Weitere Informationen zur Sterbehilfe in den Niederlanden finden Sie im gleichnamigen Dossier von NiederlandeNet.


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