Nachrichten SEPTEMBER 2014


STUDIUM: Mehr Flexibilität und Informationsaustausch gefordert

Münster. KK/ZNS. 16. September 2014.

Bussemaker Schulze
Jet Bussemaker und Svenja Schulze diskutierten über grenzüberschreitende Hochschulkooperationen. Quelle: Julius Dürrwald/Zentrum für Niederlande-Studien.

Um die Zusammenarbeit zwischen deutschen und niederländischen Universitäten und Hochschulen zu stärken, ist mehr Austausch von Informationen und mehr Flexibilität notwendig. Es sei wichtig, voneinander zu lernen, so die niederländische Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft Jet Bussemaker im Rahmen der Hochschulkonferenz, die gestern am Zentrum für Niederlande-Studien der Universität Münster stattfand. Viele Regelungen seien unterschiedlich und würden so grenzüberschreitende Kooperationen erschweren, war sie sich mit ihrer nordrhein-westfälischen Amtskollegin Svenja Schulze einig. Die Konferenzteilnehmer betonten, dass eine gewisse Flexibilität und Regelungsfreiheit ebenso wichtig sei.

Rund 130 Vertreter des niederländischen und nordrhein-westfälischen Ministeriums für Wissenschaft, deutscher und niederländischer Hochschulen und Universitäten sowie Akkreditierungsgesellschaften setzten sich mit dem Thema „Gemeinsame Studiengänge und andere Formen der Zusammenarbeit in der Lehre zwischen nordrhein-Westfälischen und niederländischen Hochschulen“ auseinander. Die Ministerinnen nutzten die Konferenz, um auszuloten, wo Probleme liegen und was die Politik tun kann, um die Potenziale der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit besser zu nutzen.

Derzeit besteht ein großes Ungleichgewicht bei den Studierendenzahlen. Rund 25.000 deutschen Studierenden in den Niederlanden stehen 1.900 Niederländer gegenüber, die an deutschen Universitäten und Hochschulen eingeschrieben sind. „Da ist noch Luft nach oben“, so Schulze. Was gemeinsame Studienangebote betrifft, ist die Zahl in den letzten Jahren gestiegen. Momentan gibt es rund 30 gemeinsame Studienangebote von Hochschulen und Universitäten in Deutschland und den Niederlanden, von Sommerangeboten bis hin zu ganzen Studiengängen. Von solchen Angeboten würden alle Seiten profitieren, doch der Weg dorthin ist oft steinig. Zu diesem Ergebnis kam auch die Studie, die das Zentrum für Niederlande-Studien im Auftrag des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung im Vorfeld durchgeführt hatte (NiederlandeNet berichtete). Stolpersteine seien vor allem administrative Vorgaben, die Akkreditierung der jeweiligen Studiengänge, die in beiden Ländern unterschiedliche Regelstudienzeit für Bachelor bzw. Master, aber auch die unterschiedliche Gliederung des Studienjahres, die Bewertung von Studienleistungen sowie sprachliche Voraussetzungen, so der Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien, Prof. Dr. Friso Wielenga.

Ergänzend hat auch das Duitsland Instituut Amsterdam (DIA) im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft die Probleme und Lösungsansätze grenzüberschreitender Kooperationen untersucht, die an niederländischen Universitäten und Hochschulen gesehen werden. Die Hindernisse dort sind ähnlich, wobei sich ihre Auswirkungen in der Praxis allerdings unterschiedlich darstellen. Einige Hürden könnten in der Praxis pragmatisch überwunden werden, ein häufig genanntes Problem bleibe allerdings beispielsweise das Erstellen der Abschlussurkunden bei Joint Degrees, so Dr. Jennifer Steetskamp vom DIA. Die Diplome müssten den Anforderungen beider Seiten entsprechen, die sich zum Teil nicht vereinen ließen. Beispielsweise stehe auf deutschen Abschlusszeugnissen das Datum der Abgabe der entsprechenden Arbeit, auf niederländischen dagegen das Datum der Korrektur. Wichtig beim Aufbau von Kooperationen sei es daher, Probleme und Unterschiede zu inventarisieren und Kreativität und Flexibilität bei der Lösung von Problemen zu zeigen, so Steetskamp.

In Arbeitsgruppen wurde über die Hürden der Akkreditierung, Formen der Zusammenarbeit sowie zum Themenbereich Hindernisse, Pragmatismus und Flexibilität beraten. Das Fazit der Workshops war, dass in allen Bereichen mehr Austausch von Informationen stattfinden müsse. Dazu wurde über eine gemeinsame Internetplattform nachgedacht, auf der Informationen bereitgestellt und ausgetauscht werden könnten. Auch sei in vielen Bereichen mehr Flexibilität erforderlich. Die Konferenzteilnehmer riefen daher die Ministerinnen auf, Regelungen zu schaffen, in deren Rahmen die Universitäten flexibel reagieren können.

Die Konferenz setzte den Dialog über die Zusammenarbeit der Hochschulen weiter fort, der 2013 mit der Tagung „Kansen verzilveren“ in Nimwegen begonnen wurde. Damals stand die Förderung der Studentenmobilität im Vordergrund (NiederlandeNet berichtete). Eine weitere Konferenz ist im nächsten Frühjahr geplant. Dabei soll ein Link zum grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt gelegt werden. Denn die Situation für Hochschulabsolventen sei vergleichsweise gut, erklärte Dr. Karl Dittrich, Vorsitzender des VSNU (Verband der niederländischen Universitäten). Für Jugendliche, mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung hätten wir allerdings die Pflicht, die Grenzen zu öffnen und den Arbeitsmarkt zugänglich zu machen.


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