Nachrichten März 2013


KIRCHE: Untersuchung über weibliche Missbrauchsopfer enttäuscht Betroffene

Den Haag. AF/BNR/NOS/NRC/onderzoekrk.nl/VK. 13. März 2013.

Deetman
Wim Deetman leitete den parlamentarischen Untersuchungsausschuss Sexueller Missbrauch von Minderjährigen in der Römisch-Katholischen Kirche, Quelle: Wikimedia Commons/public domain

Seit vor drei Jahren bekannt wurde, dass auch in der niederländischen katholischen Kirche sexueller Missbrauch von Minderjährigen stattgefunden hat, wird das Ausmaß dieser Taten untersucht. Bereits im Herbst 2011 hatte der eigens dafür eingerichtete parlamentarische Untersuchungsausschuss einen ersten Bericht vorgelegt; Anfang dieser Woche wurde nun die Fortsetzungsuntersuchung veröffentlicht. Sie sollte klären, inwiefern Mädchen Missbrauchsopfer der katholischen Kirche in den Niederlanden geworden sind.

„Sexueller Missbrauch von und Gewalt gegen Mädchen in der Römisch-Katholischen Kirche“ lautet der Titel des Abschlussberichts, den der Untersuchungsausschuss unter der Leitung von Wim Deetman (CDA), am Montag vorgelegt hat. Ziel der Untersuchung war es, die Art, den Schweregrad, die Umstände, sowie die Folgen des Missbrauchs und der Gewalt an jungen minderjährigen Frauen innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche für die Jahre 1945–2010 aufzuklären. Auch die Täter und Täterinnen sollten benannt werden.

Bei rund 40 Prozent Rede von schwerem sexuellem Missbrauch

Man geht – auf Grundlage des ersten Berichts der Kommission Deetman – davon aus, dass  10.000 bis 20.000 Jungen und Mädchen, die von der Kirche in Heimen oder Internaten betreut wurden, Opfer von Missbrauch geworden sind. Bei rund 40 Prozent der weiblichen Opfer, die nun in der Fortsetzungsstudie befragt wurden, könne von schwerem sexuellem Missbrauch mit weitreichenden sexuellen Handlungen und Penetration gesprochen werden. Der Missbrauch der Mädchen fand am häufigsten zu Hause und in der Pfarrgemeinde statt. Täter waren meist männliche Aufsichtspersonen.

Drei Fälle sexuellen Missbrauchs an Mädchen durch die Römisch-Katholische Kirche hat die Kommission Deetman der Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Auch wenn die Fälle verjährt gewesen seien, habe man sie aufgrund ihrer Schwere doch den Strafverfolgungsbehörden gemeldet.

Die niederländische Bischofskonferenz erklärte in einer Reaktion auf die Vorwürfe, „die Verletzung der körperlichen oder geistigen Integrität eines Menschen, und ganz gewiss bei Kindern, ist unter allen Umständen verwerflich. So etwas darf in der Kirche nicht vorkommen.“ Die Bischöfe entschuldigten sich und erklärten, man werde das Gespräch mit den Frauen, die Opfer geworden sind, suchen, „um an einer Wiederherstellung des Vertrauens, der Heilung und Versöhnung mitzuarbeiten.“

Frauenplattform Kirchlicher Kindesmissbrauch enttäuscht

Annemie Knibbe von der niederländischen Frauenplattform Kirchlicher Kindesmissbrauch (VPKK) zeigte sich enttäuscht von der Arbeitsweise des Untersuchungsausschuss. „Dass eine Untersuchung über weibliche Missbrauchsopfer stattgefunden hat, ist vielen Frauen im Land erst jetzt bekannt geworden. Sehr wenige waren darüber im Bilde“, erklärte sie im Interview mit BNR. Die Meldefrist von etwas mehr als einem Monat, in der sich weibliche Opfer beim Untersuchungsausschuss hätten melden können, sei viel zu kurz gewesen.

Insgesamt sei das Untersuchungsergebnis „enttäuschend“, so die VPKK. Der Bericht werfe mehr Fragen auf als dass er Antworten liefere. Eine der wichtigen Fragen, die nicht beantwortet wird, ist beispielsweise wie viele Mädchen sexuell missbraucht wurden oder Opfer körperlicher Gewalt geworden sind. Des Weiteren beklagte die VPKK, dass die Kommission Deetman nicht beantworte, wie Hilfe und Schuldtilgung der Kirche für die Opfer aussehen könnte und auf welche Weise weitere Missbrauchsfälle in der Zukunft verhindert werden können.


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