Nachrichten Januar 2010
POLITIK: Kommission Davids: Kein adäquates Mandat für Irak-Invasion
Den Haag. CK/NRC/VK. 12. Januar 2010.
Keine solide völkerrechtliche
Grundlage und eine unzureichende Informierung des Parlaments – dies
sind die Kernpunkte des heute veröffentlichten Berichts der Kommission
Davids. Die unabhängige Kommission war im Februar 2009 von
Ministerpräsident Jan Peter Balkenende einberufen worden, um den
genauen Vorgang der niederländischen Unterstützung des Irak-Kriegs im
Jahr 2003 zu untersuchen. Balkenende war damit der jahrelangen
Forderung, insbesondere der Opposition, nachgekommen, die damalige
Beschlussfindung aufzuklären.
Heute überreichte Willibrord Davids,
Vorsitzender der Kommission und ehemaliger Präsident des Hohen Rates
(oberstes ordentliches Gericht der Niederlande) das Ergebnis der
monatelangen Nachforschungen an Balkenende. Hier die wichtigsten
Ergebnisse im Überblick:
1. Der politischen Unterstützung des
Irak-Einfalls fehlte eine „solide völkerrechtliche Grundlage“. Die
UN-Sicherheitsratsresolution aus den 1990er Jahren hat – entgegen der
Auslegung der niederländischen Regierung – keine Grundlage für die
amerikanisch-britische Militärinvasion im Irak dargestellt. Die
völkerrechtliche Legitimation ist zudem den außenpolitischen Leitlinien
der Niederlande untergeordnet worden, die von einer pro-atlantischen
Haltung geprägt war.
2. Die Niederlande lieferten, entgegen
früherer Behauptungen, „keinen aktiven militärischen Beitrag“ - weder
beim Einfall in den Irak noch bei dessen Vorbereitung. Die
Unterstützung war rein politischer Natur.
3. Das Parlament wurde
nicht ausreichend informiert und einige Informationen recht selektiv
interpretiert. So wurde das Parlament beispielsweise nicht ausreichend
über die genaue Unterstützungs-Anfrage der USA aus dem Jahr 2002
informiert. Zudem ist „eine gewisse Unaufrichtigkeit“ des Kabinetts bei
der Bekanntgabe der eigentlichen Invasionsziele festzustellen.
4.
Ministerpräsident Balkenende, der 2002 die Leitung seines ersten
Kabinetts übernommen hatte, hat die Irak-Frage zunächst fast
ausschließlich dem damaligen Außenminister Jaap de Hoop Scheffer
überlassen. Erst Anfang 2003 begann er vermehrt in die Irak-Frage
einzugreifen – zu einem Zeitpunkt, als die wesentlichen Richtlinien des
zukünftigen Kurses der Niederlande bereits festlagen.
In
ersten Reaktionen äußerten sich einige Politiker zu dem Bericht.
Oppositionspolitikerin Femke Halsema (GroenLinks) bezeichnete die
Kommissionsergebnisse in ihrer Gesamtheit als „schockierend“.
PvdA-Senator Klaas de Vries meinte, dass „offenbar eine Anzahl Dinge
recht falsch gelaufen sind.“ Er bezeichnete die Ergebnisse als „ernst“.
Äußerungen des niederländischen Kabinetts gibt es bislang noch nicht.
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