Nachrichten Dezember 2006



MILITÄR: Verteidigungsminister zeichnet Soldaten von Dutchbat III aus

Assen. MG/VK/NRC. 8. Dezember 2006.

Der amtierende Verteidigungsminister Henk Kamp von der liberalkonservativen VVD hat in dieser Woche einige Mitglieder der Einheit ‚Dutchbat III’, die im Jahre 1995 die Enklave Srebrenica im ehemaligen Jugoslawien beschützen sollten, ausgezeichnet. Mit einer solchen Auszeichnung soll die Rehabilitation der Einheit betont werden, die einem Übergriff der Serben und der Deportation von 7.500 muslimischen Männern machtlos gegenüberstanden. Im Anschluss an diesen tragischen Fall, der als das größte Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet wird, war Kritik an den niederländischen Militärs geübt worden, die den Angriff nicht hatten verhindern können. Jahrelang waren sie zu Sündenböcken gemacht worden. Eine speziell für diesen Fall eingerichtete Untersuchungskommission hatte 2003 in ihrem abschließenden Bericht die Verantwortung für die Katastrophe auf höherem Niveau angesiedelt und Dutchbat III von den erhobenen Vorwürfen freigesprochen. Letztendlich hatte eine Verkettung von Versäumnissen von Seiten der internationalen Gemeinschaft dazu geführt, dass die Militärs nicht adäquat auf die Bedrohung durch die Serben unter Leitung von Ratko Mladic hatten reagieren können.

Die Verleihung der Auszeichnungen erfolgte unter anderem auf Wunsch der Militärs selbst, die damit noch einmal offiziell von der Verantwortung im Fall Srebrenica freigesprochen werden sollten. Unumstritten ist dieser Schritt währenddessen jedoch nicht. In Deutschland lebende Bosnier kritisierten die Entscheidung des Verteidigungsministeriums und auch in Den Haag fanden Protestkundgebungen statt. Kontroverse Töne wurden auch in den Medien angestimmt: so machten viele Kommentatoren deutlich, dass sie sich mit der Auszeichnung nicht unbedingt anfreunden konnten. Der Fall Srebrenica bleibt ein düsteres Kapitel in der Geschichte des niederländischen Militärs und die Auszeichnung nach nunmehr elf Jahren ändert daran nicht viel.


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