Positionierung der Musikhochschule Münster zu Employability (Beschäftigungsfähigkeit)

Erarbeitet mit fachlicher Unterstützung des Career Service der WWU | Stand: 4. Juni 2014
Das Positionspapier kann auch hier als pdf-Dokument abgerufen werden.

GRUNDSÄTZLICHE AUSRICHTUNG DER STUDIENGÄNGE UND AUSBILDUNGSZIELE

Die Vorbereitung der Studierenden auf das Erwerbsleben als Musiker ist integraler Bestandteil aller angebotenen Studiengänge, sowohl im künstlerischen als auch im künstlerisch-pädagogischen Bereich. Die Musikhochschule Münster orientiert ihre Studiengänge an den aktuellen und voraussehbaren Bedarfen in den potentiellen Erwerbsfeldern auf dem Musikerarbeitsmarkt in Deutschland. Die Anzahl fester Stellen im Orchester, aber auch an Musikschulen nimmt seit Jahren und voraussichtlich auch in Zukunft ab. Für viele Absolventen wird es daher notwendig sein, verschiedene musikalische Tätigkeitsbereiche in der gleichen Lebensphase miteinander zu kombinieren, um sich ein ausreichendes Einkommen als Berufsmusiker zu sichern. Die Musikhochschule Münster will ihre Absolventen daher bestmöglich mit den unten aufgeführten Kompetenzen versehen, damit diese in verschiedenen und wechselnden beruflichen Situationen navigieren und Übergänge selbstbestimmt meistern können.

Das Erreichen und die Wahrung der Beschäftigungsfähigkeit liegen gleichzeitig aber auch in der individuellen Verantwortung der Studierenden. In besonderem Maße gilt dies für das intensive und ausdauernde Üben zur professionellen Beherrschung des Instruments bzw. der Stimme. Doch auch die Bereitschaft, im Laufe des Studiums einen realistischen Blick auf das eigene Potential einnehmen und davon ausgehend sich ein individuelles Berufsprofil erarbeiten zu können sind unabdingbare Eigenleistungen der Studierenden für einen raschen, erfolgreichen Berufseintritt und eine andauernd hohe Beschäftigungsfähigkeit.

KOMPETENZEN DER ABSOLVENTEN DER MUSIKHOCHSCHULE MÜNSTER

  • Exzellente Beherrschung des Instruments

    Die professionelle Beherrschung des Instruments bzw. der Stimme ist die maßgebliche Qualifikation für künstlerische wie auch künstlerisch-pädagogische Tätigkeitsbereiche von Musikern. Diese soll hauptsächlich durch den Einzelunterricht im künstlerischen Hauptfach (Kernmodul) erreicht werden. Im künstlerischen Studiengang Musik und Kreativität findet dieses Anwendung in der Kammermusik, im Orchester, in Solokonzerten und Musiktheaterprojekten. Gleiches gilt für den Studiengang Musik und Vermittlung, zusätzlich unter der Berücksichtigung der Vermittlung dieser Qualitäten in der Lehre. Der Unterricht im künstlerischen Hauptfach wird durch traditionell gewachsene Kernkompetenzen aus den Bereichen Musiktheorie und Musikgeschichte/Musikwissenschaft abgerundet. Maßgebliche Qualifikationen für Tätigkeiten im Bereich KMP (Keyboards & Music Production) und Popularmusik sind sowohl kreative Kompetenzen als auch Kompetenzen im Bereich der künstlerischen und kommerziellen Popularmusik. Individuell gestaltbare Studienverläufe und ein Betreuungsverhältnis Studierende zu Lehrende von zwei zu eins schaffen Raum für ganzheitliche musikalische Persönlichkeitsentwicklung.
  • Soziale Kompetenzen

    Die Team- und Integrationsfähigkeit in Musikensembles sowie die Flexibilität, in verschiedenen Gruppengrößen und Situationen künstlerisch arbeiten zu können, sind wichtige Kompetenzen für die Beschäftigungsbefähigung von Musikern, sowohl im künstlerischen wie im künstlerisch-pädagogischen Bereich. In den Lehrveranstaltungen im Profilmodul liegt der Schwerpunkt in der zu erlernenden Fähigkeit des Aufeinanderhörens sowie des professionellen miteinander Musizierens. Diese Kompetenzen werden in Projektarbeit vermittelt. So z.B. in Orchester- und Kammermusikprojekten, Musiktheaterprojekten, Kinderkonzerten oder Band Coaching.
    Diese von der Musikhochschule Münster angebotenen Projekte sorgen nicht nur für eine Steigerung des individuellen Leistungsniveaus, sondern stärken besonders die Kompetenzen Flexibilität und Integrationsfähigkeit in verschiedenartige Musikensembles. Geplant ist der weitere interdisziplinäre Ausbau von Projekten dieser Art.
  • Didaktische Methodenkompetenz und musikpädagogisches Fachwissen

    Für künstlerisch-pädagogisch tätige Absolventen ist eine ausgeprägte Vermittlungskompetenz besonders wichtig. Ein Künstler-Pädagoge muss neben der hervorragenden Beherrschung des Instruments bzw. der Stimme auch mit Menschen aller Altersstufen und Begabungsunterschiede (im Sinne des Inklusionsgedankens) um- und auf sie eingehen können. Im Profilmodul der künstlerisch-pädagogischen Studiengänge wird die Vermittlungskompetenz intensiv geschult. Sowohl aufeinander aufbauend als auch in Kombination miteinander ziehen sich Praxiserfahrungen gepaart mit wissenschaftlichen Vorlesungen und Seminaren wie ein roter Faden vom ersten Semester an durch das gesamte Studium. In den Seminaren („Grundlagen des Musiklernens und -lehrens“, „Musikerphysiologie“, „Allgemeine Didaktik“, „instrumentenspezifische Fachdidaktik“) steht ein fundiertes Verständnis für die Person des Lernenden, seiner Entwicklungsphasen, seiner physiologischen Voraussetzungen, seines sozialen Kontexts und seiner Entwicklungspotentiale im Vordergrund.
  • Fachlich-musikalische Vielseitigkeit

    Für die Absolventen, die nebeneinander mehrere Erwerbstätigkeiten ausüben, werden zielgruppenspezifische Zusatzqualifikationen zunehmend wichtiger, sowohl im künstlerischen als auch im künstlerisch-pädagogischen Bereich. Die Musikhochschule Münster unterstützt ihre Studierenden daher, durch (zertifizierte) Zusatzqualifikationen ihr Repertoire weiter zu vergrößern (z.B. Ensembleleitung/Gruppenunterricht, Propädeutikum Musiktherapie, Alexandertechnik/Feldenkrais etc.) und bietet weitere Zusatzqualifikationen als Wahlpflichtfächer an. Auf dieser Basis werden aktuelle Entwicklungen stets in die Ausbildung integriert.
  • Praxiserfahrung und berufliche Netzwerke

    Vom ersten Semester an haben die Studierenden der Bachelor-Studiengänge die Möglichkeit, über unterschiedliche Formen der Praxiserfahrung ihr persönliches, berufliches Netzwerk zu knüpfen. So dienen die Hospitationspraktika im ersten Studienjahr der Gewinnung eines Überblicks über das gesamte musikalische Berufsspektrum.
    In den künstlerisch-pädagogischen Studiengängen werden die Studierenden ab dem zweiten Studienjahr durch Mentoren der Musikschulen aus dem Regierungsbezirk Münster auf das eigenständige Unterrichten vorbereitet, was im vierten Bachelor-Studienjahr in Praktika in Musikschulen mündet. In intensiver Zusammenarbeit mit den Musikschulen der Regionalkonferenz des VDM im Regierungsbezirk Münster ist ein auf die Bedürfnisse der Studierenden zugeschnittenes Konzept entstanden, welches in dieser engen Kooperation mit den Musikschulen ein Alleinstellungsmerkmal der Musikhochschule Münster ist und die berufliche Netzwerkbildung der Studierenden stärkt. Der regelmäßige Austausch zwischen den Dozentinnen und Dozenten der Musikhochschule und den Musikschulleiterinnen/Musikschulleitern sowie gemeinsame Reflexionsveranstaltungen mit den Studierenden stärken die Qualität der Praktika.
    Studierende der künstlerischen Studiengänge profitieren von der Kooperation mit dem Theater Münster und der Möglichkeit, dort im Rahmen des Studienangebots „Künstlerische Berufspraxis“ im Profilmodul nach bestandenem Probespiel an Konzert- oder Bühnenproduktionen teilzunehmen. Sowohl im künstlerischen Hauptfach als auch über das Fach „Orchesterstudien“ findet eine enge Zusammenarbeit statt. Lehrveranstaltungen zu Veranstaltungsmanagement, PR und Selbstmanagement sowie zu Arbeits-, Vertrags- und Urheberrecht vermitteln zudem weitere Kompetenzen für die berufliche Selbständigkeit von Musikern.
  • Berufliche Orientierungskompetenz

    Die intensive persönliche Betreuung der Studierenden durch Analysegespräche zu Beginn und während des Studiums bezüglich der künstlerischen Potentiale und beruflichen Ziele unterstützt die Studierenden bei der beruflichen Orientierung. In regelmäßigen Studienberatungen (verpflichtend in Jahrgang 2 und Jahrgang 4) sowie den im Rahmen der Einführungswoche stattfindenden Informationsveranstaltungen wird den Studierenden die Bedeutung der im Studium angebotenen Wahlveranstaltungen im Hinblick auf die Arbeitsmarktsituation nahe gebracht.
    Über den in Form von Einzelunterricht erfolgenden künstlerischen Hauptfachunterricht bekommt jeder Studierende wöchentliches Feedback durch die Professorinnen/Professoren und Dozentinnen/Dozenten. Gleiches gilt für Seminarveranstaltungen.
    Die Musikhochschule Münster kooperiert zudem mit dem zentralen Career Service der Universität – ein besonderer Vorteil der Musikhochschule im Rahmen ihrer Einbindung in die Universität. So wird allen Studierenden der Musikhochschule empfohlen, das umfangreiche Beratungs- und Seminarangebot des Career Service in Anspruch zu nehmen und in dessen Seminaren berufsrelevante Kompetenzen zu erwerben, bspw. zur individuellen Berufsorientierung und Profilbildung, zum Selbstmanagement, zum Aufbau professioneller Netzwerke, zu Soft Skills und Bewerbungstraining. Die in den Seminaren erbrachten Leistungen finden in den Wahlfächern „Freie Wahl“ Anrechnung.
  • Psychische wie physische Belastbarkeit

    Musiker müssen zum einen gesundheitlich in der Lage sein, ihr Instrument bzw. ihre Stimme über eine möglichst lange Dauer im Erwerbsleben einsetzen zu können. Zum anderen müssen sie mit den Belastungen psychisch umgehen können, die mehrere verschiedene Engagements und freiberufliche Beschäftigungsverhältnisse mit sich bringen.
    Die Lerninhalte des Unterrichtsangebots „Musikerphysiologie“ im Modul „Musikpraxis“ vermitteln die Kenntnis der für Musiker relevanten anatomischen und physiologischen Voraussetzungen. Hierzu gehören u.a. das Grundlagenwissen über die Muskulatur, das Nervensystem und das Skelettsystem sowie grundlegende Kenntnisse über das Atmen und das Gehör. Mit den in diesem Seminar erworbenen Kennt¬nissen wird die Möglichkeit der Umsetzung und Anwendung über weitere Veranstaltungen wie z.B. „Alexandertechnik“ und „Feldenkrais“ oder auch „Bühnenpräsenz“ und „Aktiv gegen Lampenfieber“ gegeben.
    Mithilfe der in „Applied Music Psychology“ vermittelten Kenntnisse wird das Lernen effizienter, denn es berücksichtigt Erkenntnisse der Sportwissenschaften zur Human Skills Acquisition, musikpsychologische Forschung zu Ausdruck und Kreativität, sowie Standards professionellen Verhaltens im Erreichen musikalisch-beruflicher Ziele.

TÄTIGKEITSFELDER UND ARBEITSMARKTSITUATION

  • Absolventen der Studiengänge Musik und Kreativität

    Die Absolventen verlassen die Musikhochschule Münster mit den oben beschriebenen Qualifikationen, um zukünftig solistisch oder als Ensemblemitglied zu arbeiten, entweder in selbständiger Tätigkeit (z.B. als freiberufliche Solisten, als freiberufliche Orchestermusiker, als Mitglieder in professionellen (Opern-Chören oder als Kammermusiker) oder als Angestellte (z.B. als Orchestermusiker in einer Tutti- oder Soloposition, oder als Sänger in einem Theaterensemble).
    Hierbei gilt es jedoch, den schwierigen Arbeitsmarkt in der Theater- und Orchesterlandschaft zu beachten. Nur eine Minderheit der Absolventen deutscher Musikhochschulen erreicht eine Vollzeitstelle in einem Orchester oder ein festes Engagement als Sänger und extrem wenige davon eine Stelle in einer Soloposition. Die Ansprüche der Spitzenorchester sind sehr hoch, teils mit spezifischen Klangvorstellungen. Zudem sinkt etwa drei Jahren nach Studienende die Chance stark, eine Orchesteranstellung zu erhalten. Die Zahl freiberuflicher Musiker ist hingegen laut Künstlersozialkasse von 1992 bis Ende 2013 von ca. 14.700 auf 50.000 gestiegen. Diese Entwicklung zeigt die eingangs bereits angemerkte Notwendigkeit auf, dass sich Musikhochschulabsolventen, insbesondere die Absolventen des Studiengangs Musik und Kreativität in verschiedenen, über die o.g. Berufsperspektiven hinausgehenden, musikalischen Tätigkeitsfeldern einbringen können sollten. Es ist davon auszugehen, dass viele der Absolventen auf diesem Weg ihr Einkommen als Berufsmusiker finden werden. Vor diesem Hintergrund berät die Musikhochschule Münster ihre Studierenden im Studiengang Musik und Kreativität, sich durch den zusätzlichen Erwerb pädagogischer Kompetenzen und möglicher Zusatzqualifikationen eine verbesserte Perspektive für die berufliche Integration und Sicherheit zu schaffen (s. hierzu den nachfolgenden Absatz).
  • Absolventen der Studiengänge Musik und Vermittlung

    Die Absolventen verlassen die Musikhochschule Münster mit der Qualifikation, zukünftig instrumental- bzw. gesangspädagogisch resp. zielgruppenspezifisch pädagogisch tätig sein zu können, je nach eigener Schwerpunktsetzung im Studium oder durch den Erwerb weiterer Zusatzqualifikationen während und nach dem Studium in spezialisierten musikpädagogischen Bereichen. Dies kann entweder in selbständiger Tätigkeit freiberuflich erfolgen oder als Angestellte, z.B. als Musikschullehrer, als Instrumental- oder Gesangslehrer für bestimmte Zielgruppen (ältere Menschen, musikalische Früherziehung für Kinder, Klassenmusizieren, JeKi etc.) oder als Privatlehrer.

Da viele Studierende erst nach Beginn ihres Musikstudiums sowohl ihr eigenes Potential als auch die Aussichten auf dem Musikerarbeitsmarkt realistisch einzuschätzen lernen, ist es an der Musikhochschule Münster möglich, noch im Studium entweder vom künstlerischen zum künstlerisch-pädagogischen Bachelor-Studiengang zu wechseln, oder beide Bachelorstudiengänge parallel zu studieren (dieses ist derzeit nur in Münster möglich). Die Berufsaussichten der Studierenden werden durch die zusätzliche pädagogische Ausbildung deutlich erhöht.

LITERATUR

     Musikhochschule Münster
Auszug aus dem Akkreditierungsantrag für die Masterstudiengänge, FB 15 Musikhochschule
Fragebogen zur Positionierung des Fachs, Fachbereich 15 Musikhochschule, ausgefüllt am 23.9.2013 im Interview mit Frau Renate Vornhusen und Barbara Plenge in der Musikhochschule. Mensch.musik, Website der Musikhochschule Münster (Stand: 2.2.2014)

     Modulbeschreibungen des Fachbereichs 15 für den Bachelorstudiengang Bachelor of Music – Musik und Kreativität, Studienrichtung Instrument, an der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster, Stand: 6. Juni 2012.

     Modulbeschreibungen des Fachbereichs 15 für den Bachelorstudiengang Bachelor of Music – Musik und Vermittlung Studienrichtung Instrument an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Stand: 6. Juni 2012.

     Modulbeschreibungen Master of Music – Musik und Kreativität, Stand: 13. Oktober 2009.

Externe Literatur

     Aktuelle Zahlen zu Planstellen und Strukturveränderungen in Orchestern in Deutschland:
Internetseite der Deutschen Orchestervereinigung: Material zur Jahres-Pressekonferenz am 29. Januar 2014‎ (Stand: 09.04.2014)

     Anzahl der in der Künstlersozialkasse versicherten Musiker: Internetseite der Künstlersozialkasse (Stand: 09.04.2014)

      Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen in der HRK (RKM): Musikstudium in Deutschland. Positionspapier der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen in der HRK (RKM). Beschluss der Mitgliederversammlung vom 16. Januar 2011, in: Heinrichs, Werner (Red.): Die deutschen Musikhochschulen. Positionen und Dokumente, Bonn 2011.

      Vollständige Ergebnisse einer deutschlandweiten Verbleibsstudie von 2004: Gembris, H. & Langner, D.: Von der Musikhochschule auf den Arbeitsmarkt. Erfahrungen von Absolventen, Arbeitsmarktexperten und Hochschullehrern, Augsburg 2005; aktuell auch Heiner Gembris: Berufsaussichten und Anforderungen an die Ausbildung. Vortrag zur Zukunftskonferenz Musikhochschulen, Mannheim, 15.2. 2014 (Stand: 09.04.2014).