Leibniz-Forschungsstelle Münster

Robert-Koch-Str. 40 - 48149 Münster
Fon: 0251 83 329 20 - Fax: 0251 83 329 31 - Mail: leibnizf at uni-muenster.de

Direktor: Prof. Dr. Thomas Leinkauf ~ Leiter der Edition: PD Dr. Stephan Meier-Oeser

Mitarbeiter: Gerhard Biller M.A., Stefan Jenschke, Dr. Herma Kliege-Biller, Dr. Stefan Lorenz, Prof. Dr. Heinrich Schepers, Jörg Dieckhoff (EDV) und Angelika Rüter (Bibliothek und Verwaltung).

I. Aufgabe und Ziel

Die Leibniz-Forschungstelle an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ist befaßt mit der Edition und Erforschung des philosophischen Nachlasses des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716). Die Leibniz-Forschungsstelle ist ein Forschungsvorhaben der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Sie gibt die philosophischen Reihen II (Briefe) und VI (Schriften) der seit 1901 arbeitenden Leibniz-Akademieausgabe heraus. Sie ist damit eine der vier Editionsstellen neben dem Leibniz-Archiv in Hannover (zuständig für die Reihen I, III, V - noch nicht in Bearbeitung - und VII), der Leibniz-Edition Arbeitsstelle Potsdam (zuständig für die Reihe IV) und der Leibniz-Edition Arbeitsstelle Berlin (zuständig für die Reihe VIII), welche das umfassende Oeuvre der "Sämtlichen Schriften und Briefe" von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) erschließen. Seit ihrer Gründung als Institut der WWU Münster im Jahre 1956 stand sie zuerst unter der Leitung von Erich Hochstetter, seit 1968 unter der von Heinrich Schepers. Seit 1996/97 steht das Institut unter der Leitung von Thomas Leinkauf. Zum 01.11.2010 hat Stephan Meier-Oeser die Nachfolge von Martin Schneider als Editionsleiter angetreten.

II. Editionstechnik

Die Quellen für die Leibniz-Akademieausgabe bilden überwiegend handschriftlich überlieferte Texte sowie Handexemplare mit Marginalien, die für die Ausgabe historisch-kritisch aufbereitet werden. Die Originaltexte werden aus den Handschriften transkribiert, dabei werden geänderte oder verworfene Textteile im Variantenapparat festgehalten und Hinweise auf Personen und Schriften (teilweise auch Problemzusammenhänge) im Kommentar aufgelöst. Die Leibniz-Forschungsstelle hat die von Beißner für seine Hölderlinausgabe entwickelte Variantenbeschreibung übernommen und ihren Bedürfnissen angepaßt. Ein Stufensystem dokumentiert im Variantenapparat die Genese der Gedanken des Philosophen, ergänzt durch ein Balkensystem, das Streichungen und Hinzufügungen als herausnehmbare und einfügbare Textelemente beschreibt. Die Bände werden durch ausführliche Register (Personen, Sachen, Schriften, ggfls. Korrespondenten) und durch Konkordanzen (Fundorte, Synopsen mit anderen Ausgaben, u.ä.) erschlossen.

III. Elektronische Verfahren

Die Bände II 1, VI 1, 2 und 6 wurden noch auf konventionelle Weise erstellt und im Bleisatzverfahren gedruckt. Während der laufenden Bearbeitung an Band VI 3 fanden unter der Leitung von Heinrich Schepers elektronische Satzverfahren Eingang in die editorische Arbeit, unter Verwendung des Tübinger Systems von Textverarbeitungsprogrammen (TUSTEP). Die Leibniz-Ausgabe war die erste historisch-kritische Ausgabe, die im elektronischen Verfahren erarbeitet und gesetzt wurde, Band VI 3 - der erste Band dieser Art - erschien 1981.

Ab 1981, mit dem Beginn der Arbeit an Band VI 4, wurden die elektronischen Verfahren der technischen Entwicklung angepaßt und für die Edition optimiert. Die zunächst nur im ZDV-Tübingen durchführbaren Arbeitsgänge konnten mit der Implementierung von TUSTEP am Rechenzentrum der Universität Münster und später mit dem Einsatz von vernetzten Personal-Computern vollständig an den Arbeitsplatz des Editors verlagert werden. Ab 1993 konnte mit der UNIX-Version von TUSTEP auch der Satz mit anschließender POSTSCRIPT-Ausgabe des fertigen Textes in der Leibniz-Forschungsstelle durchgeführt werden. Der Verlag übernahm den fertigen Satz auf einer selbstgebrannten CD-ROM zur Herstellung des Bandes. Damit ist mittlerweile die vollständige Erstellung der gesamten Edition von der ersten Erfassung bis zum endgültigen Satz im Hause möglich.

Nach der Erfassung der EDV-unterstützt bearbeiteten Texte der Bände VI 3 und VI 4 werden durch Einscannen auch die weiteren noch traditionell erstellten Bände der philosophischen Reihen II und VI der Akademieausgabe (teilweise auch Texte anderer Editionen wie z.B. der Ausgabe von Gerhardt) elektronisch in einer Datenbank zugänglich gemacht. Die elektronisch bearbeiteten Texte der Bände VI 3 und 4 können dabei nicht nur durch Volltextsuchprozeduren, sondern auch über Routinen, die auf Wortformenkonkordanzen basieren, erschlossen werden. Diese dynamische Form des Suchverfahrens hat die Texterschließung durch abgeschlossen vorliegende Wortformenkonkordanzen (wie sie z.B. auf 10 Micro-Fiches dem Band VI 3 beigefügt waren) inzwischen weitgehend ersetzt. Mittlerweile ist die Leibniz-Forschungsstelle Münster zusammen mit den anderen Arbeitsstellen dazu übergegangen, ihre erarbeiteten Bände neben der gedruckten Buchausgabe im Internet zugänglich zu machen bzw. auch interimistische Arbeitsergebnisse vorab als elektronische Vorausedition ins Netz zu stellen. Derzeit sind über den Downloadbereich der Band VI 4, die 2. Auflage des Bandes II 1, Band II 2 und Band II 3 abrufbar.

IV. Bearbeitungsstand

  • A. Bisher erschienene Bände
    • Reihe II (Philosophischer Briefwechsel)
      • Band 3: 2013 (1695-1700)

    • Reihe VI (Philosophische Schriften)
      • Band 1: 1930 (1663-1672)
      • Band 2: 1966 (1663-1672)
      • Band 3: 1981 (1672-1676)
      • Band 4 A, B, C, Registerband: 1999 (1677-1690)
      • Band 6: 1962 (1703-1705: Nouveaux Essais)

  • B. In Bearbeitung befindliche Bände:
    • Reihe II
      • Band 4: (1700-1706)

    • Reihe VI
      • Band 5: (1690-1703)