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DR. SUSANNE WEGMANN
Forschungen

Reformatorische Bildkonzepte. Die lutherische Konfessionalisierung in der Kunst des 16. Jahrhunderts

Ziel der Untersuchung ist eine kunsthistorische Bewertung und Einordnung des reformatorischen, insbesondere lutherisch geprägten Bildverständnisses im Prozess der Konfessionalisierung. Von Interesse sind dabei insbesondere Stellung und Aufgabe des Bildmediums im Kontext von Identitätsbildung, Abgrenzung und Rechtfertigung der eigenen Lehre gegen die römisch päpstliche, aber auch gegen Lehren anderer reformatorischer Parteien.

Den Ausgangspunkt der Arbeit bilden dabei zwei Gruppen von reformatorischen Altarretabeln. Eine Gruppe bilden dabei Retabel, die als zentrales Thema reformatorische Glaubensinhalte vorführen. Dazu zählen Beispiele zur Gesetz und Gnade-Thematik aus der Cranach-Werkstatt in Schneeberg und Weimar. Zur zweiten Gruppe, welche die gottesdienstlichen Handlungen thematisiert, sind das Wittenberger Retabel aus der Cranach-Werkstatt, Michael Ostendorfers Altarbild für die Neupfarrkirche in Regensburg und Heinrich Gödings Retabel für das ehem. Kloster Güldenstern in Mühlberg/Elbe zu rechnen. 

Die exemplarisch ausgewählten Werke stehen an Brennpunkten der kirchenhistorischen und politischen Entwicklung des 16. Jahrhunderts: Wittenberg als Ausgangspunkt der lutherischen Lehren; die Reichsstadt Regensburg, die der Reformation aufgeschlossen gegenüberstand, eine direkte Konfrontation mit Karl V. jedoch zu meiden suchte; Mühlberg als Ort der kriegerischen Niederlage des Schmalkaldischen Bundes und letztlich dennoch des politischen Triumphes des protestantischen Fürstenbundes über Karl V. und Weimar das Exil und die Grablege des im Schmalkaldischen Krieg unterlegenen Fürsten Johann Friedrich.

Formal präsentieren sich die Retabel zunächst eng der spätmittelalterlichen Tradition der Flügelretabel verbunden. Doch über den Weg des Bekannten vermitteln sie die neue Lehre, die Ausübung der gottesdienstlichen Handlungen nach der protestantischen Ordnung, zurückgeführt auf Christus selbst in der Ausführung des Abendmahls und fortgeführt durch die Wittenberger Reformatoren, Luther, Melanchthon und Bugenhagen, durch Regensburger und Mühlberger Prediger, bzw. durch die jeweiligen Gemeinden. 

Den auf das Diesseits des lutherischen Gottesdienstes ausgerichteten Bildprogrammen der Retabel-Vorderseiten, steht das Weltgericht auf den Rückseiten gegenüber. Die Gestaltung der Ikonographien lässt eine kritische Auseinandersetzung mit den spätmittelalterlichen Weltgerichtsvorstellungen und der Bildtradition erkennen. Der Versuch einer ikonographischen Neuformulierung in Wittenberg verbunden mit der Propagierung eines gnädigen Richters scheint angesichts der Darstellungen in Regensburg und Wittenberg gescheitert zu sein.

Darüber hinaus stellt sich im Zusammenhang der Arbeit die Frage nach der Auftraggeberschaft dieser eigentlich nicht mehr heilsnotwendigen Stiftungen. Dabei rückt vor allem der Stifter der Retabel in Schneeberg und Weimar in den Mittelpunkt: Johann Friedrich d. Großmütige, der sich die Lehren Luthers frühzeitig zu eigen machte. Daneben erscheinen aber auch die memorialen Aspekte der Gemeinden und im Bild dargestellten Reformatoren, Pfarrer und Prediger von Interesse.