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DR. JOSEPH IMORDE
Forschungen
Affektübertragung. Kulturhistorische
Studien zur Frage
nach
der "Wahrheit" in der Kunst.
Das Projekt "Affektübertragung" zeichnet
sich durch den Versuch aus, eine Kulturgeschichte des religiöse ästhetischen
Gefühles - insbesondere der Süße und der Tränen - zu schreiben, um damit
zu zeigen, wie sich das Sprechen über immer ähnliche Empfindungen durch die
Zeiten ändert. Ausgangspunkt ist der religiöse Diskurs der katholischen Reform
(Ignatius von Loyola u. andere Reformheilige), weitere Schwerpunkte liegen
im späten 17. Jahrhundert (Empfindsamkeit) und dann im späten 19. Jahrhundert
(Psychologisierung der Kunst- und Religionsgeschichte).
Die
Arbeit versucht, das Sprechen über das Gefühl zu kontextualisieren und geistesgeschichtlich
einzuordnen. Dabei soll gezeigt werden, wie alle ästhetische Erfahrung, gerade
auch die visuelle, immer schon synästhetisch geprägt ist. Die Begegnung mit
dem Unsichtbaren, selbst noch in dessen visueller Materialisierung, zielte
offenbar zunehmend auf Emotionalität, Innerlichkeit und fand ihren vornehmsten
Ausdruck weniger im visuellen Ereignis selbst als im Gefühl, im Geschmack
der Süßigkeit Gottes wie in den Tränen der Betrachter.
Dadurch
sollen Poesie und Rhetorik des Gefühls in Religion und Kunst als zentrale
Motivationen erwiesen werden. Wie bereits beim Schmecken und Weinen in der
Religion, die beide als Ausweis der Authentizität religiösen Erlebens zu
gelten vermochten, wird durch die Untersuchung der Verflechtung von Gefühl
und Ästhetik letztendlich die Frage nach der Wahrheit in der Kunst erhoben.
Schließlich
wird damit methodisch nicht nur ein Weg beschritten, der historische Forschung
und Wahrheitsfrage zusammenzuführen versucht, sondern auch einer in der jüngeren
Bildwissenschaft drohenden Verkürzung entgegengewirkt, sofern nämlich dort
die Konzentration auf das Bild und die Bildlichkeit synästhetische Effekte
zu negieren geneigt ist.
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