© 2001 - Kultbild 
Design - J.Clasen 
 
 

 









PD DR. DAVID GANZ
Forschungen

Visio depicta. Zu den Bildkonzepten mittelalterlicher Visionsdarstellungen 
       (Habilitationsprojekt, abgeschlossen)

Unter den Vorzeichen der sich gegenwärtig neu formierenden Forschungsprofile Bildwissenschaft und visual studies sind Visionsdarstellungen ein Gegenstand von höchstem Interesse. Visionsdarstellungen bringen für ihre Betrachter einen doppelten Bildbegriff ins Spiel: Auf der einen Seite die materiellen Bilder, auf welche die Betrachter ihre Augen richten, auf der anderen Seite die bildhaften Offenbarungen, die ursprünglich für das Auge göttlich Auserwählter bestimmt waren. Das Projekt verfolgt die Frage, wie sich dieses Verhältnis im Medium der mittelalterlichen Buchkunst gestaltet. Entscheidend für eine Analyse dieser Relation ist eine möglichst umfassende und möglichst differenzierte Bestimmung des Ikonischen und Visuellen, über das sie Auskunft geben soll. Durch Ausrichtung an topologischen Kriterien zielt das Projekt auf eine Erweiterung herkömmlicher Definitionen des Bildhaften, die stark einem mimetischen Modell verpflichtet sind. In der Ausgestaltung topologischer Relationen könnte eine wesentliche Möglichkeit der Bildkunst aufgedeckt werden, im Vollzug der Betrachtung visuelle Sinnträchtigkeit zu entwickeln. Gezeigt werden soll, dass die gemalten Bilder der Visionen ein wichtiges Forum der mittelalterlichen Kultur waren, um Möglichkeiten und Reichweiten von Visualität abzustecken und zu begründen. Aus einer solchen historischen Perspektive kann das Projekt einen Beitrag dazu leisten, die kulturanthropologische Dimension des Sehens und der Bildmedien zu erhellen.