Epiklese

Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum

Suche Site Map
Startseite Universität Münster

Opfermesse
1: Offertorium
- 1.1: Offertoriumsgesang
- 1.2: Altarbereitung
- 1.3: Orate fratres
- 1.4: Oratio super oblata
2: Hochgebet
3: Kommunion
4: Schluss

Startseite

Kontakt

Impressum

ORATE FRATRES

GENESE

Gebetsaufforderung an Klerus und Gemeinde

Zu den Gebeten, die sich in allen mittelalterlichen Oblationsriten finden, gehört das Orate fratres. Mit ihm wurde die Gabenbereitung auf dem Altar abgeschlossen. Nachdem der Zelebrant seine eigene Gabe zu den Gaben der Gläubigen und des Klerus hinzugelegt hatte, wandte er sich den Umstehenden mit der Bitte zu, für ihn zu beten (Breviarium eccl. ord., Andrieu 1931-1969 III, 181, Z. 10).
In diesem Fall war der Klerus angesprochen, seit Amalar galt jedoch die Vorstellung, dass die Gemeinde - das Volk - zum Gebet aufgefordert wird. Mit diesem Gebet bereitete sich der Priester darauf vor, mit der Gabe der Gemeinde vor Gott hinzutreten. Die Ansprache der Gemeinde fand ihren Ausdruck im Ordo secundum Romanos unter anderem darin, dass der Bischof hier die Schola zunächst mit einem Zeichen zum Schweigen auffordert (ut sileant), um sich dann dem Volk zuzuwenden: Et convertit se ad populum dicens: Orate (Ordo sec. Rom., Andrieu 1931-1969, II, 220; PL 78, 973C). In der weiteren Entwicklung blieb es auch für den Priester bei dieser Wendung ad populum. Vorher küsste der Zelebrant - wie bei den Hinwendungen zum Volk auch sonst üblich - den Altar, dann sprach er die Aufforderung, jedoch mit gedämpfter Stimme.
In anderen Formularen ist dagegen von den cirumstantes, clerici oder dem chorus die Rede.

Amalar unterstreicht durch seine Deutung den herausragenden Status des Zelebranten: et precatur ut orent pro illo, quatenus dignus sit universae plebis oblationem offerre Domino (Amalar, Liber off. III, 19, 36, Hanssens 1930/32, II, 322). Gestärkt durch das Gebet tritt der Priester als Mittler Gott allein gegenüber. Die schon in frühesten Beispielen anzutreffende Formulierung Orate pro me (oder alternativ: pro me peccatore; Obsecro vos, orate pro me; Orate pro me, fratres et sorores, et ego orabo pro vobis ) betont sowohl den persönlichen Charakter wie auch die Wechselseitigkeit dieser "Gebetsverbrüderung": Die Gebetshilfe wird für das eigene Opfer erbeten, die zugleich das Opfer der Gemeinde ist: ut meum pariter et vestrum sacrificium acceptum sit Deo.

Antwortgebet

Eine laute und allgemeine Antwort auf das Gebet ist in frühester Zeit nicht vorgesehen, die Gebetsbitte erging an jeden (jede) Einzelne(n) zum stillen, privaten Gebet.
In der karolingischen Liturgie entwickelt sich dann jedoch eine allgemeine Antwort. So berichtet Amalar, dass das Volk aus Ps 19 die Verse 3-5 für den Priester beten soll - eine Lösung, die sich in den folgenden Jahrhunderten, mitunter abgewandelt oder durch einen anderen Psalm ersetzt, immer wieder findet (Amalar, Liber off. III, 19,36, Hanssens 1930/32, II, 322). Ebenfalls verbreitet waren Suscipiat-Formeln, die in unterschiedlichsten Variaten auftraten, z.B. Suscipiat Dominus sacrificium de manibus tuis ad tuam et nostram salutem omniumque circumadstantium et animarum omnium fidelium defunctorum (Sakramentar von S. Denis, Martène 1736/38, I, 526E). Daraus entwickelte sich der später beibehaltene Suscipiat-Text, der dann von Chor und Klerikern gemeinsam als Antwort gegeben wurde.



Literatur: Jungmann 1962 II, 103-112.





 
Erweiterte Suche

Zurückblättern

 Diese Seite:  :: Seite drucken    ::	Seite empfehlen   :: Seite kommentieren, Link öffnet neues Fenster

© 2007 VW-Forschungsgruppe Uni Münster

:: Seitenanfang

Seitenanfang

© 2007 Universität Münster
Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum
Schlossplatz 2 · D-48149 Münster
Tel.: +49 (0)251 - 83 31973 · Fax: +49 (0)251 - 83 30038
E-Mail: kultbild@uni-muenster.de