Pax domini / Agnus Dei

Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum

Suche Site Map
Startseite Universität Münster

Opfermesse
1: Offertorium
2: Hochgebet
3: Kommunion
- 3.1: Pater noster
- 3.2: Brechung / Mischung
- 3.3: Pax domini / Agnus Dei
- 3.4: Kommuniongesang
- 3.5: Aufbewahrung und Ablution
4: Schluss

Startseite

Kontakt

Impressum

PAX DOMINI / AGNUS DEI (FRIEDENSGRUSS / BROTBRECHUNG)

GENESE

Pax Domini

Das Pax Domini war ursprünglich Zeichen und Aufruf an die Gläubigen zum Friedenskuss. Biblisch wurzelt er im Friedensgruß des Auferstandenen an die Jünger (Lk 24,36; Joh 20,19-21.26) und in der Mahnung Christi zur rechten Gesinnung vor dem Opfer (Mt 5,23f). Dass er als Besiegelung des vorangegangenen Gebets nicht schon am Ende des Gebetsgottesdienstes bzw. zu Beginn der Opfermesse, sondern erst vor der Kommunion getauscht wurde, ist eine Besonderheit der römischen und afrikanischen Liturgie.

Älterer liturgischer Text
Liturgischer Friedensgruß

Kommentar

Qui es omnium Deus et dominatro, fac nos pacificando digne operari in hora ista, amator humanitatis, ut emundatos ob omni dolo et simulatione suscipias nos invicem in osculo et dilectione sancta, in quo manet vera pacificatio et caritas et unitatis coniunctio.
(Sakramentar von Fulda, 10. Jh.)

Domine Jesu Christe, qui dixisti Apostolis tuis: pacem relinquo vobis, pacem meam do vobis: ne respicias peccata mea, sed fidem ecclesiae tuae; eamque secundum voluntatem tuam pacificare et coadunare digneris: Qui vivis et regnas Deus per omnia saecula saeculorum. Amen.
(Süddeutsches Sakramentar Cod. 1084 von Bologna, Regensburg, 11. Jh.)

Herr Jesus Christus, du hast zu deinen Aposteln gesagt: "Den Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch." Schau nicht auf meine Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche, und gib ihr huldvoll Frieden und Eintracht, wie es deinem Willen entspricht: der du lebst und herrschest, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Friedensgebet
(wenn der Friedenskuss ausfiel, so entfiel auch dieses Gebet)


[Pax tecum.

Et cum spiritu tuo.]

[Der Friede sei mit dir.


Und mit deinem Geiste.]

Friedensgruß / Zeichen zum Kuss


Habete vinculum pacis et caritatis, ut apti sitis sacrosanctis mysteriis.


seitdem der Friedensgruß - u.a. vermittelt über das Paxtäfelchen - vom Altar ausging, fügte der Zelebrant ein Segensgebet hinzu, das ggf. entsprechend beantwortet wurde:


Pax Christi et Ecclesiae abundet in cordibus nostris [vestris].




Kommunionvorbereitung

Zur Zeit Gregors des Großen galt der Friedenskuss nicht allein als Zustimmung zum Vorausgegangenen (so noch im Jahr 416 Papst Innozenz I.; Ep. 24,1; PL 20, 553), sondern mehr noch als Vorbereitung auf die Kommunion.
Nach dem ersten römischen Ordo erteilte der Archidiakon dem ersten Bischof den Friedenskuss. Vom Altar aus wurde der Gruß dann zur Gemeinde im Schiff weitergetragen.
Um die göttliche Quelle des Friedens zu betonen, empfing der Zelebrant den Friedensgruß schließlich nicht mehr vom Archidiakon, sondern durch einen Altarkuss. Dieser Ritus wurde um 1100 in einem unteritalienischen Pontifikale erweitert durch den Kuss von Altar, Messbuch und Hostie. Danach erst küsste der Priester den Diakon. In Frankreich wurde dagegen nur die Hostie geküsst, während man diese Praxis in England im 13. Jh. als unpassend zurückwies und statt dessen Kelchrand, Korporale und Patene küsste. In Deutschland wurde der Kuss von Buch und Altar üblich.

Stilisierung - Paxtafel



Gerhard Horenbout (u.a.)
Rothschildgebetbuch
Gent um 1510
fol. 75 v: Kuss der Paxtafel
Wien, Österreichische Nationalbibliothek
Cod. Ser. n. 2844





Die Beteiligung des Volkes am Friedenskuss - beschränkt auf die unmittelbaren Nachbarn in der Kirche - hielt sich über Jahrhunderte, wenngleich sich mit der Zeit Stilisierungen durchsetzten. Man küsste nur die Finger des Gegenübers (Ostsyrien) oder begnügte sich mit einer Verbeugung (Armenier). In der römischen Liturgie beschränkte sich der Friedenskuss schließlich zunehmend auf den Klerus. Im Rahmen der Stilisierung des Friedenskusses in der Gemeinde kam um die Mitte des 13. Jh. in England der Brauch auf, ein so genanntes osculatorium, eine Paxtafel zu küssen. In der Regel handelte es sich um kostbar gerahmte und ausgestattete Bildtafeln oder Reliefs in Form von Retabeln oder kleinen Altären, überwiegend mit Passionsdarstellungen (Kreuzigung, Fünfwundenbild, Schmerzensmann, Vera Icon), aber auch Marienkrönung oder Heiligendarstellungen. Die Höhe erhaltener Paxtafeln liegt zwischen 15-30cm, es gibt aber auch größere Objekt. Daneben waren noch sekundäre pacificalia in Gebrauch: Reliquiare in Form von an Ketten hängenden oder auf Ständer montierten Reliquienkapseln oder ostensorienförmige Bildträger mit Reliquien bzw. Reliquiare in Form kleiner Kästchen. Darüber hinaus konnten aber auch geeignete liturgische Objekte wie Tragaltäre, Patenen, Pyxiden, weiter Buchdeckel, Handspiegel etc., die aufgrund von Material, Alter oder Ikonographie geeignet waren, zu Pacificalien fallweise oder dauerhaft umgewidmet bzw. entsprechend überarbeitet zu werden (vgl. Richter 2003, 24-26).

Der Brauch verbreitete sich auch auf dem Kontinent und wurde schließlich auch in das Missale Pius' V. aufgenommen. Die Paxtafel wurde für die Laien zum einzigen Weg, den Friedenskuss zu empfangen bzw. zu erwiedern, wobei die Reihenfolge des Empfangs schließlich dazu diente, die soziale Rangordnung abzubilden - eine Quelle ständiger Konflikte.

In der fränkischen Liturgie folgte die Kommunion gleich auf den Friedenskuss, der nach mehreren Zeugnissen daher konsequent auf den Kreis der Kommunikanten bzw. die Kommuniontage beschränkt war. Noch lange Zeit galt daher für das Hochamt, dass zumindest Diakon und Subdiakon, die den Kuss tauschten, auch die Kommunion empfangen sollten. Bei den Zisterziensern galt dies sogar für den Messdiener bei der Privatmesse (Eugen IV. hob 1437 diese Verpflichtung auf).
In dem Maße wie der reale Kommunionempfang der Gemeinde immer stärker zurückging, konnte der Friedenskuss zu einem Kommunionersatz werden.



Sign Link Texte

Sign Link Seite vor
Sign Link Seite zurück

Literatur:
Jungmann 1962 II, 399-413.


 
Erweiterte Suche

Zurückblättern

 Diese Seite:  :: Seite drucken    ::	Seite empfehlen   :: Seite kommentieren, Link öffnet neues Fenster

© 2007 VW-Forschungsgruppe Uni Münster

:: Seitenanfang

Seitenanfang

© 2007 Universität Münster
Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum
Schlossplatz 2 · D-48149 Münster
Tel.: +49 (0)251 - 83 31973 · Fax: +49 (0)251 - 83 30038
E-Mail: kultbild@uni-muenster.de