Pater noster

Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum

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PATER NOSTER (HERRENGEBET)

GENESE

In die lateinischen Riten fand das Pater noster, das Gebet des Herrn, seit dem 4. Jh. Eingang. In der römischen Liturgie wurde mit ihm seit Gregor dem Großen der Kommunionkreis eröffnet, andernorts - im Westen wie im Osten - ging diesem Gebet noch die Brechung des Brotes voran. Wird man das Pater noster in früherer Zeit wohl erst unmittelbar vor der Kommunion gesprochen haben, so betete man es seit Gregor direkt nach dem Kanon, während sich die Gaben noch auf dem Altar befanden.
Die Einleitung war zunächst ein schlichtes oremus, was die Nähe zum Kanon unterstrich, ohne dass das Gebet sich mit diesem verband. Offenbar bezog man in der Alten Kirche die Brotbitte unmittelbar auf den Empfang der Kommunion, deutete sie also im sakramentalen Sinne.

Liturgisches
Pater noster mit Embolismus


Kommentar

[dunkel = ältere Teile / heller = spätere Ergänzungen]



Oremus:
Praeceptis salutaribus moniti, et divina institutione formati, audemus dicere:

Lasset uns beten.
Durch heilbringende Anordnung gemahnt und durch göttliche Belehrung angeleitet, wagen wir zu sprechen:


Gebetsaufforderung und Einleitungsworte

Pater noster, qui es in caelis: Sanctificetur nomen tuum: Adveniat regnum tuum: Fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra.

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.



 

Panem nostrum quotidianum da nobis hodie:

Unser tägliches Brot gib uns heute.


Brotbitte, sakramental gedeutet auf den Empfang der Eucharistie.

Et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.


Vergebungsbitte mit Blick auf den Empfang der Gaben.

Et ne nos inducas in temtationem.

Und führe uns nicht in Versuchung.



Sed libera nos a malo.

Sondern erlöse uns von dem Bösen.



Amen.

Amen.


erscheint erstmals bei Alkuin in der fränkischen Liturgie


Libera nos, quaesumus, Domine ab omnibus malis, praeteritus, praesentibus et futuris


et intercedente beata et gloriosa semper Virgine Dei Genitrice Maria, cum beatis Apostolis Petro et Paulo, atque Andrea, et omnibus Sanctis, da propitius pacem in diebus nostris: ut, ope misericordiae tuae adiuti, et a peccato simus semper liberi et ab omni perturbatione securi.


Erlöse uns, Herr, wir bitten dich, von allem Bösen, sei es vergangen, gegenwärtig oder zukünftig;
und auf die Fürsprache der seligen, glorreichen, allzeit reinen Jungfrau und Gottesmutter Maria, wie auch deiner hll. Apostel Petrus, Paulus, Andreas, und aller Heiligen, gib barmherzig Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde.


Embolismus / Einschub
Im Mittelalter konnten hier in Zeiten der Bedrängnis noch weitere Notgebete eingeschaltet werden. Dies hängt offenbar damit zusammen, dass man das Pater noster immer weniger als Kommunion, denn als universales christliches Gebet auffasste, dessen Bittcharakter zu derartigen Erweiterungen einlud.

Per eundem Dominum nostrum Jesum Christum, Filium tuum: Qui tecum vivit et regnat in unitate Spiritus Sancti;


[quia tuum est regnum, et potestas, et gloria in saecula;] Deus:

Per omnia saecula saeculorum.

Amen.

Durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn: der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes,

[denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit,] Gott:

Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.




Ritus

Das Gebet wurde in der Alten Kirche von der ganzen Gemeinde laut gesprochen. Es unterlag der Arkandisziplin, durfte also nicht aufgeschrieben bzw. außerhalb des Gottesdienstes laut gesprochen werden. In den einzelnen Riten kam es dann zu einer Differenzierung: in den östlichen Riten (Ausnahme: die armenische Liturgie) wurde es vom Volk gesprochen; im byzantinischen Ritus auch schon mal nur vom Chor oder von einem einzelnen Chorsänger. Von den lateinischen Riten kennt nur die gallische Liturgie das Sprechen durch das Volk, während es ansonsten im Abendland nur vom zelebrierenden Priester in Stellvertretung für die Gemeinde gebetet wurde, wobei in Afrika oder Spanien das Volk durch äußere Riten - z.B. akklamierendes Amen nach jedem Abschnitt - beteiligt war.

Der römische Ritus teilte das Gebet zwischen Zelebrant und Gemeinde. Der priesterliche Teil wurde zwischen dem 5. und 7. Jh. musikalisch besonders ausgestaltet und im Ton der Präfation angenähert; beim Embolismus fiel der Priester wieder in den einfacheren Rezitationston im Stil des Te igitur zurück. Im Mittelalter wurde dieser Teil, den man in der allegorischen Auslegung ebenfalls noch auf die Passion Christi hin deutete, still gebetet. Zusammen mit der Secreta und dem Te igitur ergab sich eine dreifache Stille, die sich auf die drei Tage der Grabesruhe beziehen ließ. Das Sed libera nos a malo war vom Volk zu sprechen; unter Alkuin wurde hier in der fränkischen Liturgie ein Amen eingeschoben. Während dies zunächst vom Volk ebenfalls laut gesprochen wurde, fiel es später an den Priester, der damit leise zum anschließenden Embolismus anhob.

Im späten Mittelalter begleiteten das Pater noster weitere Riten. So wurden Kelch und Hostie erhoben, z.B. nach den Worten Fiat voluntas tua oder während der ersten drei Bitten bis sicut in coelo et in terra oder auch zum ganzen Gebet. Hier verschob sich der Akzent von einer Darbringungsgeste zu einem Zeigegestus. Dieser verband sich daher mancherorts auch mit den Worten Panem nostrum. Erhoben wurde die Patene mitunter auch von demjenigen Kleriker bzw. Subdiakon, der sie trug.
Auch konnte die Schlussdoxologie Per omnia saecula saeculorum im Sinne einer Verdopplung der Kanondoxologie aufgefasst und entsprechend inszeniert werden.
Neben gelegentlichen Ergänzungen des Embolismus durch Notgebete hat man ab dem 11. Jh. in einigen Ordines auch nach dem Pater noster weitere Gebete - z.B. Ps 73. 78. 121; Kyrie, Versikel - und Riten wie das Aufstellen von Kreuz, Evangelienbuch und Reliquien bzw. das Niederfallen des ganzen Klerus ergänzt. Diese Zusätze fielen mit der Messbuchreform unter Pius V. weitgehend fort.

An körperlichen Gesten wird in einigen Messordnungen von den Gläubigen an normalen Tagen die prostratio gefordert; die Messordnung von Bec fordert diese Haltung beim Embolismus auch vom Zelebranten.




Literatur: Jungmann 1962 II, 343-363.




 
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