Brechung 2

Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum

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BRECHUNG / MISCHUNG

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2. Mischung

Ursprünge in der altrömischen Liturgie: die zwei Mischungsriten

Die altrömische Liturgie kannte zwei Mischungsriten:

a) zur Papstkommunion

Bei seiner eigenen Kommunion an der Kathedra gab der Papst ein Stück der Hostie in den Kelch und sprach dazu den Mischungsspruch:

Mischungsspruch bis zur Reform Pius V.

Fiat commixtio et consecratio corporis et sanguinis Domini nostri Jesu Christi accipientibus nobis in vitam aeternam. Amen.

Es mache diese Mischung und Heiligung des Leibes und Blutes unseres Herrn Jesu Chrsiti, dass ihr Empfang uns zum ewigen Leben gereiche. Amen.


Nachdem der Paspt das Blut Christi genossen hatte, goss der Archidiakon zunächst etwas davon und nach der Kommunion der Presbyter und Bischöfe den Rest in einen mit Wein gefüllten Kelch (scyphus). Hieraus wurde dem Volk die Kommunion gespendet, wobei bei Bedarf immer noch Wein nachgegossen werden konnte. Voraussetzung war, dass das Stück von der päpstlichen Hostie bis zum Schluss im Kelch verblieb.
Dieser Ritus erinnert an die Kommunion außerhalb der Messe in den Ostkirchen, wo man den benötigten Wein dadurch 'heiligte', dass man etwas von der leichter zu bewahrenden Hostie hinzugab. Ähnlich verfuhr man in der ägyptischen Kirche, von wo aus dieser Brauch nach Rom gelangt sein wird.
Offenbar diente dieser Ritus hier zunächst dazu, die Einheit der Messopfers zu demonstrieren: Konsekriert wurde nur ein päpstlicher Kelch,es kommunizierte jedoch die ganze Gemeinde. Das verbindende Glied war neben dem Restwein der Partikel der Papsthostie.
Diese Mischung verband sich zunächst mit einem, später mit drei Kreuzzeichen, die als Segensgestus mit dem Partikel über dem Kelch vollzogen wurden. Das verweist auf eine zweite Funktion: Die Einigung und Heiligung der Gaben zur Darstellung des Auferstehungsleibes (auch Konsignationsritus, in Anlehnung an ostkirchliche, vor allem an syrische Riten). Von daher handelt es sich durchaus um eine 'abgeschwächte' zweite Konsekration (consecratio), wie es ja auch im päpstlichen Mischungsspruch zum Ausdruck gebracht wurde.
Dieser Wortlaut wurde bei der Messbuchreform im 16. Jh. geändert, um den Eindruck zu vermeiden, dass erst nach der Mischung sowohl in der Wein- wie auch in der Brotgestalt Leib und Blut Christi miteinander verbunden seien. Trotz begründeter Einwände blieb das Wort consecratio erhalten. Es ist angemessen mit 'Heiligung' wiederzugeben.

Mischungsspruch seit der Reform Pius V.

Haec commixtio, et consecratio Corporis et Sanguinis Domini nostri Jesu Christi, fiat, accipientibus nobis in vitam aeternam. Amen.

Diese geheiligte Mischung von Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus gereiche uns bei ihrem Empfang zum ewigen Leben. Amen.


Bereits im 9. Jh. existierte im karolingischen Raum eine Formel ohne consecratio: Haec sacrosancta commixtio Corporis et Sanguinis D. N. J. C. fiat (mihi) omnibus(que) sumentibus salus mentis et corporis et ad vitam (aeternam promerendam et)( capescendam praeparatio salutaris. Per eundem ...) (Messordo von Amiens, ed. Leroquais 1927, 443).

b) zum Pax Domini

Um die Wende zum 8. Jh. wird in der stadtrömischen Liturgie zum Sign Link Pax Domini eine weitere Mischung erwähnt. Im ersten römischen Ordo heißt es diesbezüglich: Cum dixerit: Pax Domini sit semper vobiscum, mittat in calicem de sancta. Möglicherweise handelte es sich hier um ein Partikel von einer vorausgegangenen Eucharistie, der bezeugen sollte, dass es ein und dieselbe Eucharistie ist, die gestern und heute gefeiert wurde. Mehr noch dürfte eine Rolle gespielt haben, dass der gleiche Ritus in nichtpäpstlichen Liturgien in Kirchen im Umland von Rom vollzogen wurde. Dorthin wurden nämlich vom Papst durch einen Akolythen Partikel (sog. fermentum) zum Zeichen der kirchlichen Einheit gesandt. Diese wurden von den Presbytern zum Pax Domini in den Kelch gegeben.

Mittelalter: Umformung und Neudeutung

Bei der Übernahme in den fränkischen Ritus wurde dieser Brauch umgedeutet; der Akzent lag jetzt auf der Mischung an sich. Man schloss aus den von Rom übersandten Dokumenten, dass eine erste Brechung und Mischung beim Pax domini zu erfolgen habe, eine weitere vor der Kommunion.

3. Allegorische Deutung der Brechung und Mischung

Bereits Amalar deutete die drei Teile der Brechung symbolisch im Sinne des corpus Christi triforme aus: Der Mischungspartikel verweist bei ihm auf den Auferstehungsleib Christi, der Teil für die eigene Kommunion auf den irdischen Leib Christi, der für die Kranken bestimmte Partikel auf den Leib Christi im Grab (Liber off. III, 35; Hanssens 1930/32 II,367).
Diese Deutungen wurden später auf das Bild der streitenden, leidenden und triumphierenden Kirche übertragen.
Der Verfasser der ältesten deutschen Gesamtauslegung deutet die drei Partikel folgendermaßen: Erstens bedeuteten sie die drei Marien, die zum Grab gingen, um den Leib des Herrn zu salben. Weiter erinnerten sie an die drei Tage, die Christus im Grab gelegen hätte. Jener Partikel, der bei der Mischung in der Kelch gegeben werde, bedeute die allgemeine Auferstehung der Toten am Jüngsten Tag (Gesamtauslegung 1967, 181,10-16).

Im Spätmittelalter war die dreifache Symbolik der Brechung fester Bestandteil der Messerklärungen wie der Predigt. Ihre Prägekraft dürfte dafür gesorgt haben, dass man die dreifache Brechung selbst dann noch beibehielt, als man für die Krankenkommunion schon längst zu ungebrochenen kleinen Hostien übergegangen war.
Außerdem setzte sie sich gegenüber der ursprünglichen römischen Ordnung durch: Auf die zweite Brechung hat man schließlich verzichtet, weil sich die Mischung-Brechung beim Friedensgruß allegorisch leichter ausdeuten ließ: Hier vereinigten sich nach Auffassung der fränkischen Liturgen die beiden Gestalten zum Auferstehungsleib Christi. Brechung und Mischung wurden in der fränkischen Liturgie zudem nach dem Pax Domini vorgenommen, weil der Herr - historisch-biblisch gesprochen - seinen Jüngern eben auch erst als Auferstandener den Friedensgruß entboten hätte.
Die Praxis war allerdings differenziert, offenbar suchte man einen Ausgleich zwischen römischer Vorgabe und allegorischer Überformung.
Erst eine jüngere Tradition bezieht die Brechung der Hostie allein auf die Passion Christi und das Zerbrechen des heiligen Leibes (z.B. seit dem 11. Jh. Humbert von Silva Candida, Adv. Graecorum calumnias n. 31; PL 143, 950D).





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Literatur:
Jungmann 1962 II, 385-399.



 
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