Sanctus - Benedictus

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SANCTUS - BENEDICTUS

GENESE

Teilhabe an der himmlischen Liturgie

Bereits die älteste melodische Fassung des Sanctus, eine Fortsetzung der wochentäglichen Präfationsmelodie, macht den ursprünglich sehr engen Zusammenhang zwischen diesen beiden Abschnitten deutlich: Mit der Sanctus-Akklamation wird die Präfation lediglich weitergeführt.
Die Ursprünge dieses Gesangs lassen sich nicht mehr ganz erhellen. Es fehlt zwar im Eucharistiegebet des Hyppolyt, scheint aber bereits um die Wende zum 1. Jh. ein Bestandteil des allgemeinen (nicht unbedingt des eucharistischen) Gebetsguts gewesen zu sein, wenngleich es in den orientalischen Kirchen erst seit dem 4., in der Westkirche sogar erst seit dem 5. Jh. nachweisbar ist.
Der Wortlaut ist der Berufungsvision des Jesaja entlehnt (Jes 6,2f), erfährt aber einige bedeutsame Abwandlungen:

Vulgata (Jes 6,2f)
Liturgisches Sanctus

Kommentar

Sanctus, sanctus, sanctus Dominus


Deus exercituum,






Plena est omnis terra gloria eius.

Sanctus, Sanctus, Sanctus Dominus,


Deus Sabaoth.






Pleni sunt caeli et terra gloria tua.
 

Heilig, Heilig, Heilig, Herr,


Gott der Heerscharen.





Himmel und Erde sind erfüllt von deiner Herrlichkeit.

Das Deus ist in beiden Texten bereits eine Ergänzung gegenüber dem alttestamentlichen Original.


Das Sabaoth - Heerscharen - bleibt in der liturgischen Fassung unübersetzt; es bezieht sich nicht nur auf die Engelscharen, sondern auf alle Geschöpfe und Wesenheiten des Sechstagewerks (Gen 2,1).


Dass Himmel und Erde von Gottes Herrlichkeit erfüllt sind, ergibt sich aus diesem schöpfungstheologischen Bezug.


Durch die direkte Anrede des tua wird der Gebetscharakter verstärkt.


Wesentlich ist die Einbeziehung von caeli et terra - Himmel und Erde - in den Lobpreis, und zwar in sämtlichen christlichen Liturgien (und offenbar nur in diesen!). Sämtliche Engelschöre, die ganze militia coelestis exercitus, ist darin vereinigt. Vor allem in orientalischen Liturgien wurde diese Vorstellung breit ausgemalt.


Herausgehoben ist das Sanctus durch den Aspekt der Teilhabe der irdischen Liturgie an der himmlischen Liturgie im Neuen Jerusalem (vgl. Offb), das der wahre Ziel- und Heimatort der irdischen Kirche ist. Denn das eröffnende Sanctus, das auf die lobpreisenden Seraphim anspielt, will mehr sein als bloße Erinnerung: Die singende Gemeinde stimmt vielmehr in die Chöre der Engel selbst mit ein, von denen man außerdem glaubte, dass sie sich während des Messopfers um den irdischen Altar versammeln bzw. die gewandelten Opfergaben zu Gott emportragen würden.
Erst in der Deutschen Messe von Martin Luther ist die Teilhabe durch eine reine, wenngleich bildgewaltige Memoria ersetzt worden: Mitgesungen wird nicht mehr das "Heilig, heilig, heilig" der Engel, sondern vorgetragen wird eine Paraphrase der ganzen Berufungsvision! An die Stelle der Einstimmung ist eine Nacherzählung getreten.

Fortgesetz wird das Sanctus mit dem Benedictus-Ruf, der dem Neuen Testament entnommen ist:

Vulgata (Mt 21,9)
Liturgisches Hosanna - Benedictus

Kommentar

Hosanna filio David.

Hosanna in excelsis.

 



Hosanna in excelsis!

 


Das in excelsis wird stimmig für beide Hosanna-Rufe verwendet.

benedictus qui venturus est in nomine Domini.




Hosanna in altissimi.

+ Benedictus, qui venit in nomine Domini.




Hosanna in der Höhe!

+ Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!




Hosanna in der Höhe!

Offenbar auch angeregt durch Ps 117,25f:

O domine salvum me fac ... benedictus qui venit in nomine Domini.


Im evangelischen Grundtext ist das qui venit präsentisch gemeint.


Vom Gesang der Laien zum Gesang der Schola

Dass die ganze Gemeinde das Sanctus singt, war in der Alten Kirche selbstverständlich. Noch im Liber Pontificalis findet sich eine Vorschrift Sixtus' I. von 530 (Duchesne 1886/92, Liber pont. I, 128). Anfang des 7. Jh. wird jedoch im römischen Festgottesdienst der Gesang bereits von einer Schola vorgetragen (Ord. Rom. I, Andrieu 1931-1961 II, 95, PL 78, 973).
In der fränkischen Liturgie behielt man den Volksgesang und eine schlichte, mehr rezitativische Melodie an dieser Stelle zunächst bei (Caesarius von Arles, Serm. 73,3; PL 39, 2277). Noch im 12. Jh. erscheint das Sanctus als gemeinsamer Gesang von Laien und Priester (Hildbert von Le Mans, Versus de mysterio missae, PL 171, 1182. Honorius Augustod., Gemma an. I, 42, PL 172, 556D). Auffällig ist die Erwähnung der Orgel in diesem Zusammenhang, die sich an dieser Stelle offenbar nicht auf die reine Begleitfunktion beschränkte; üblich wurde seit dem 13. Jh. auch das dreimalige Schellen der Messglöckchen (Sicard von Cremona, Mitrale III, 6, PL 213, 123D. Durandus, Rationale IV, 34, 10).
Mit der Zuweisung dieses Gesangs an die assistierenden Kleriker kündigt sich freilich auch hier eine Verschiebung an (Robert Paulus, De caeremoniis II, 24, PL 177, 425). Im Zuge neuer, komplizierterer Melodien, ausgreifender Tropierung und schließlich der Einführung der Mehrstimmigkeit auch an dieser Stelle ging der Gesang dann an den Sängerchor über.

Die (musikalische) Trennung von Sanctus und Benedictus

Ursprünglich bildeten Sanctus-Hosanna-Benedictus einen zusammenhängenden, einzigen Gesang. Im Zuge der polyphonen musikalischen Bearbeitung vollzog sich im Mittelalter eine Unterteilung in das Sanctus mit dem ersten Hosanna und dem Benedictus mit dem zweiten Hosanna (in der Regel eine musikalische Wiederholung des ersten).
Es wurde üblich, dass das Sanctus bis zur Wandlung gesungen wurde, d.h. der Priester sprach dazu zunächst ebenfalls das Sanctus in verbeugter Haltung und betete anschließend die Kanongebete still bis zum Erheben der konsekrierten Hostie (Elevation). Das Benedictus füllte dann die Kanonstille bis zum Ende.
Während also der Zelebrant das Messopfer vollzog, wurde der alte Gedanke vom Hochgebet als ein Lob- und Dankgebet vom Chor gleichsam kontrapunktisch dagegengesetzt.

Ritus

Der Priester (und ggf. die Leviten) verblieb bis zum Ende des Kanons traditionell in verbeugter Haltung. Wenn der Gesang verklungen war, richtete sich allein der Priester wieder auf, um mit dem Gebet fortzufahren. Dass er sich zu Beginn des Benedictus bekreuzigt, ist seit dem 11. Jh. überliefert (z.B. Bernardi, Ord. Clun. I,72). Bekreuzigung und Segnung finden sich an dieser Stelle auch in orientalischen Liturgien.



Literatur:
Jungmann 1962 II, 161-173.






 
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