Unde ad memores

Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum

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Opfermesse
Hochgebet
1: Präfation
2: Kanon
- 2.1: Te igitur
- 2.2: Memento (Lebendengedächtnis)
- 2.3: Communicantes
- 2.4: Hanc igitur
- 2.5: Quam oblationem
- 2.6: Qui pridie
- 2.7: Unde et memores
- 2.8: Supra quae
- 2.9: Supplices te rogamus
- 2.10: Memento (Totengedächtnis)
- 2.11: Nobis quoque peccatoribus
- 2.12: Per ipsum

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UNDE ET MEMORES (GEDÄCHTNISVOLLZUG)

GENESE

Leistet der Einsetzungsbericht mit den begleitenden Handlungen den vergegenwärtigenden Nachvollzug des letzten Abendmahls, so folgt mit dem Unde et memores die Interpretation.
Sie eröffnet eine doppelte Perspektive auf das liturgische Geschehen: Im ersten Teil wird des Heilshandelns Gottes gedacht (Gedächtnis: Anamnese), im zweiten Teil die Darbringung bzw. der Opfercharakter akzentuiert.

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Liturgisches Unde et memores

Kommentar

Die gallische Liturgie kannte offenbar nur das Passionsgedächtnis:
Hanc facimus Domine ... commemorantes et celebrantes passionem unici Filii tui Jesu Christi Domini nostri, qui tecum. (Missale Gothicum, 1. Messe)
Bei Hippolyt kommt die Auferstehung hinzu:
Memores igitur, mortis et resurrectionis eius offerimus tibi panem et calicem.
Das Kanongebet des Ambrosius ergänzt noch die Himmelfahrt und fasst diese Dreiheit als glorisissima zusammen.

Eine Erweiterung des Wiederholungsauftrages findet sich in orientalischen wie auch in gallischen Liturgien:
Haec quotiescumque feceritis, in meam commemorationem facietis, mortem meam praedicabitis, resurrectionem meam annuntiabitis, adventum meum sperabitis, donec iterum de coelis veniam ad vos.

Unde et memores, Domine, nos servi tui, sed et plebs tua sancta, eiusdem Christi Filii tui, Domini nostri, tam beatae passionis, nec non et ab inferis resurrectionis, sed et in caelo gloriosae ascensionis:

Daher sind wir denn eingedenk, Herr, wir deine Diener, aber auch dein heiliges Volk, des Heil bringenden Leidens, der Auferstehung von den Toten und der glorrei- chen Himmel- fahrt deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus,

Kursorischer Gedächtnisvollzug mit Schwerpunkt auf Passion, Auferstehung, Himmelfahrt
(Erfüllung des Auftrages Christi Lk 22,19; 1 Kor 11,24f; vgl. 1 Kor 11,26).

Im Westen wurde erst in spätkarolingischen Messbüchern auch die Geburt genannt. Anfänge für diese Leseart schon bei Amalar, Liber off. III, 25,1.

Dass nicht nur die servi, sondern das ganze priesterliche Volk (vgl. 1 Petr 2,5.9) das Gedächtnis vollzieht, fand in der koptischen Messe in einem Anamneseruf des Volkes seinen Ausdruck: Seinen Tod verkünden wird, und seine heilige Auferstehung und Himmelfahrt bekennen wir.

Hippolyt schließt im Bewusstsein um die gewährte Gnade noch ein Dankeswort an:
Gratias tibi agentes quia nos dignos habuisti adstare coram te et tibi.
Ähnlich einige orientalische Liturgien, die sodann mit der Epiklese fortfahren.

offerimus praeclarae maiestati tuae de tuis donis ac datis,




hostiam + puram, hostiam + sanctam, hostiam + immaculatam, panem + sanctum vitae aeternae, et calicem + salutis perpetuae.

und bringen so deiner erha- benen Majestät von deinen Ge- schenken und Gaben


ein reines Opfer dar, ein heiliges Opfer, ein makelloses Opfer: das heilige Brot des ewigen Lebens und den Kelch des immerwährenden Heiles.

Zentrales Darbringungsgebet, das den Opfercharakter der mittelalterlichen Messe wesentlich prägt. Es ist ausschließlich vom Opfer der Kirche die Rede, nicht vom dahinterstehenden Opfer Christi.

de tuis donis ac datis leitet sich von 1 Chr 29,14 ab und formuliert einen Gedanken, der sich auch in altkirchlichen Stifterinschriften findet. Der Stifter gibt nicht aus eigenem Vermögen (de suo fecit), sondern bringt die von Gott empfangene Gabe dar (die immer schon Gottes ist: ex dono Dei).

Der Aspekt der gemeinsamen Darbringung von Gedächtnis und Opfer fehlt zwar in den orientalischen Liturgien. Diese kennen dafür Zurufe der Gemeinde, die das Tun des Priesters bestätigen (als Lob, Preis, Danksagung, Bitte).


Der Dreischritt Passion - Auferstehung - Himmelfahrt prägt auch die orientalischen Liturgien, wird dort jedoch breiter entfaltet und ggf. um weitere Punkte ergänzt. Angehängt findet sich hier auch noch einmal eine Erweiterung des Wiederholungsauftrags, wobei man Christus das Pauluswort 1 Kor 11,26 (Auftrag, den Tod des Herrn zu verkündigen) in den Mund legt: So oft ihr diese Brot esset ... sollt ihr meinen Tod verkünden und meine Auferstehung und Aufnahme bekennen, bis ich komme (Ägyptische Markusanaphora).

Ritus

Im späten Mittelalter wurde die Kreuzerinnerung (mitunter auch bei nachfolgenden Supra quae) durch die weit ausgestreckten Arme des Zelebranten unterstrichen: Der Priester agiert in persona Christi, das Heilsgedächtnis wird ihm leibhaftig eingeschrieben.




Literatur:
Jungmann 1962 II, 271-281.




 
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