Per ipsum

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PER IPSUM (DOXOLOGIE UND KLEINE ELEVATION)

GENESE

Der Kanon schließt mit zwei doxologischen Texten. Es handelt sich um rühmende Prädikationen, die sich sprachlich deutlich von den vorausgehenden Gebeten unterscheiden.


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Kommentar

Per quem haec omnia, Domine, semper bona creas, sancti+ ficas, vivi+ ficas, bene+ dicis et praestas nobis.

Durch ihn erschaffst du, Herr, immerfort all diese Gaben, heiligst, belebst, segnest und gewährst sie uns.

Offenbar handelt es sich um die übrig gebliebene Schlusswendung eines Segnungsgebets. Eine Segnungspraxis im Anschluss an die Messe ist schon bei Hippolyt bezeugt. Sie ist dann in den Kanon mithineingenommen worden.


An dieser Stelle wurden bis ins späte Mittelalter Naturaliengaben gesegnet. In frühen Quellen finden sich Wasser, Milch und Honig bei der feierlichen Taufe; Trauben beim Fest des hl. Sixtus, Bohnen oder ein Lamm am Osterfest etc. Später konnten auch Brot, Wein, Früchte und Saatgut an unterschiedlichen Heiligenfesten gesegnet werden.

Abschluss bei Hippolyt:
Per ipsum et cum ipso et in ipso est tibi omnis honor et gloria Deo Patri omnipotenti in unitate Spiritus Sancti per omnia saecula saeculorum.

Per ip+ sum, et cum ip+ so, et in ip+ so, est tibi Deo Patri + omnipotenti, in unitate Spiritus + Sancti, omnis honor, et gloria. Per omnia saecula saeculorum. Amen.


Durch ihn und mit ihm und in ihm wird dir, Gott allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes, alle Ehre und Verherrlichung. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.




Ritus

Der Priester umfasste den Kelch und die Hostie und hielt sie bei den Worten omnis honor et gloria empor ('kleine Elevation'): kein Akt des öffentlichen Zeigens wie bei der Sign Link großen Elevation, sondern des symbolischen darbringenden Emporhebens.
Der stadtrömische Ritus des 7. Jh. sah anders aus: Bei den Worten per quem haec omnia richtete sich der assistierende Archidiakon auf, fasste bei den Worten per ipsum mit einem Leinentuch den Kelch bei den Henkeln und hielt ihn empor. Währenddessen berührte der Papst mit seiner Brotoblation den Kelchrand (Rubrik: tangit a latere calicem), wohl um die Zusammengehörigkeit der beiden Gestalten auszudrücken. Dabei sprach er die Doxologie zu Ende.

Dieser Ritus wurde schließlich durch die Bekreuzung ersetzt. Hat man bis ins 11. Jh. hinein nur drei Kreuze bei sanctificas, vivificas, benedicis geschlagen, so dehnte sich seitdem dieser Brauch auch auf den zweiten Teil der Doxologie aus. Drei Kreuzzeichen erfolgte nach und nach bei den Worten per ipsum et cum ipso et in ipso angebracht. Weil man zudem den Kelch nun nicht einfach, sondern vierfach und kreuzförmig mit der Hostie berührte, kam in diesem Abschnitt ein viertes Kreuzzeichen hinzu. Gedeutet wurde dies als Zeichen für den Gekreuzigten, der aus allen vier Windrichtungen die Menschen an sich ziehe (Ivo von Chartres, Ep. 231, PL 162, 234).
Im 13. Jh. verknüpfte man mit diesem vierten Kreuzzeichen ein vierteiliges Augustinuswort über die Unendlichkeit Gottes: Deus est extra omnia non exclusus, ... super omnia non elatus, ... intra omnia non inclusus, ... infra omnia non depressus (freie Fassung durch Hugo von St. Cher; Vorlage bei Augustinus, De Gen. ad lit. 8,26, PL 34, 391f). Dieses Augustinuswort wirkte nun seinerseits auf den gesamten Ritus zurück: Im älteren Dominikanerritus wurden von den vier Kreuzzeichen drei absteigend über dem Kelch gemacht, das dritte innerhalb des Kelches, das vierte vor dem Kelch.
Ein fünftes Kreuzzeichen kam hinzu, als sich die Übertragung der Bezeichungen auf die fünf Wundmale Christi durchsetzte. Ab dem 11. Jh. traten in einigen Handschriften zu den ersten drei Kreuzen zwei weitere Kreuze, wobei das fünfte als Seitenwunde gedeutet wurde. Es lag nahe, dieses Kreuz seitlich vom Kelch zu zeichnen, bis sich schließlich das Bedürfnis nach Symmetrie durchsetzte.
Eine andere Deutung im 12. Jh. ging dahin, die Kreuze christologisch-trinitarisch zu deuten. Hier spielte dann auch die Größe der Kreuzzeichen eine Rolle: Dem Sohn entsprachen drei Kreuzzeichen beim ipse, Vater und Heiliger Geist hat man entsprechend bei der Nennung ihres Nahmens mit jeweils einem Kreuz bezeichnet. Dabei wurden die beiden letzten Kreuzzeichen mit dem Text verknüpft.
Wie auch immer: Hier kam es zum einen zu jener Zeit schon häufiger beobachteten Sakralakkumulation durch die Häufung heiliger Zeichen bzw. Handlungen wie auch zu einer Überformung des Textes durch eine symbolisch-allegorische Aufladung, die letztlich der subjektiven Aneignung und damit dem Verständnis diente.

Die Worte Per omnia saecula saeculorum wurden laut gesprochen, ursprünglich wohl, um einfach den Schluss des Kanons zu bezeichnen und damit die Gemeinde auf das noch in der Karolingerzeit allgemein und laut gesprochene Amen vorzubereiten.



Literatur:
Jungmann 1962 II, 322-340.



 
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