Memento (Totengedächtnis)

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Opfermesse
Hochgebet
1: Präfation
2: Kanon
- 2.1: Te igitur
- 2.2: Memento (Lebendengedächtnis)
- 2.3: Communicantes
- 2.4: Hanc igitur
- 2.5: Quam oblationem
- 2.6: Qui pridie
- 2.7: Unde et memores
- 2.8: Supra quae
- 2.9: Supplices te rogamus
- 2.10: Memento (Totengedächtnis)
- 2.11: Nobis quoque peccatoribus
- 2.12: Per ipsum

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MEMENTO (TOTENGEDÄCHTNIS)

GENESE

Beim Memento für die Verstorbenen handelt es sich zwar um einen alten Text (bereits das irische Bobbio-Missale um 700 kennt ihn, wenngleich für den Gebrauch nur an Wochentagen).
Dennoch ist es eine weitere sekundäre Einschaltung in den Kanon, die sowohl in der eucharistia als auch in den meisten älteren Sakramentaren keine Entsprechung hat. Es fehlt nicht nur im Sakramentar Hadrians I. für Karl den Großen, auch in Quellen des 11. Jh. begegenet es nicht durchgängig. Wo es vorhanden ist, kann es auch an ganz anderer Stelle erscheinen. Noch nach der Melker Messerklärung von 1366 ließen einige Priester das Memento fort.

Dieses späte Eindringen in den Kanon hängt damit zusammen, dass das Totengedächtnis in der Sonn- und Feiertagsmesse der Gemeinde ursprünglich nicht vorgesehen war (vgl. die ähnliche Situation beim vorgregorianischen Sign Link Hanc igitur). Ein entsprechendes Gedenken vollzog sich ab dem 5. Jh. ganz allgemein in der Kyrielitanei.
Eine nochmalige Erwähnung im Kanon galt als Spezialfall: Eine solche Messe war eben nicht Sache der Gemeinde, sondern der Angehörigen. Üblich war hier ursprünglich wie beim Lebendengedächtnis eine förmliche Verlesung von Namenslisten hervorragender Persönlichkeiten oder besonderer Wohltäter von Diptychen, und zwar durch den Diakon an jener Stelle, die später dem stillen Gedenken vorbehalten sein sollte. Das spezielle Gedenken hatte seinen Ort in den wochentäglichen Gottesdiensten.
Auf die Ditpychen verweist noch die zwar seltene, aber bis ins späte Mittelalter gebräuchliche Rubrik super diptycha vor dem memento etiam. Eine häufigere Rubrik für das stille Gedenken seit dem 9. Jh. lautet: Hic recitentur nomina defunctorum. Später ging die Aufgabe zusammen mit immer umfänglicheren Einschaltformeln oder weiteren Apologien auf den Priester über bzw. es blieb diesem ein persönliches Gedenken nach freiem Ermessen überlassen.

Die Nähe zum Allerheiligsten und die gerade im Spätmittelalter noch einmal gesteigerte Sorge um das jenseitige Heil, für das man das Messopfer einzusetzten gedachte, machen den dauerhaften Eingang in die Kanongebete plausibel. Auch das in Übung kommende halblaute oder leise Sprechen ließ den "Spezialcharakter" namentlicher Einschaltungen selbst bei Sonn- und Feiertagsmessen verblassen.
Dennoch ist auffällig, dass das Gebet genau an dieser Stelle eingeschaltet wurde und nicht etwa mit dem Sign Link Lebendengedächtnis vor der Wandlung verbunden wurde. Offenbar empfand man die auf dem Altar liegenden Opfergaben als machtvolles Unterpfand für die Gewährung göttlicher Gnaden: Wenn ... das schauererregende Opfer auf dem Altar liegt, wie sollten wir da nicht durch unsere Fürbitten für sie (die Verstorbenen) das Herz Gottes erweichen? (Chrysostomus, In Phil. hom. 3,4, PG 62,204)
Prägend dürfte sich hier auch der Gemeinschaftsgedanke niedergeschlagen haben: Das Totengedenken dient als Ersatz dafür, dass den Verstorbenen eine durch das Mahl vermittelte sakramentale Gemeinschaft mit den Heiligen nicht mehr möglich ist (vor allem im syrischen Raum wurde offenbar die Vorstellung gepflegt, dass auch die Verstorbenen noch nach dem Altarsakrament verlangten).

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Liturgisches Memento

Kommentar

Memento etiam, Domine, et eorum nomina * qui nos praecesserunt  cum signo fidei *, et dormiunt in somno pacis.
(Irische Überlieferung des römischen Kanons; Namensnennung durch den Priester alternativ bei *)

[Rubrik: Super diptyca] Memento etiam, Domine, famulorum famularumque tuarum (Namensnennung: ill. et ill. [bei Alkuin], später N. et N.), qui nos praecesserunt cum signo fidei, et dormiunt in somno pacis. [Rubrik für stilles Gedenken: Orat aliquantulum pro iis defunctis, pro quibus orare intendit.]

Herr, gedenke auch deiner Diener und Die-
nerinnen (N. und N.), die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen und im Frieden entschla- fen sind. [Hier betet man mit dem Priester kurz für die bestimmten Verstorbenen.]

Das etiam stellt die Beziehung zwischen dem Gnadenempfang der Gemeinde und der Begnadung der Toten her.
Das signum fiedei meint die Taufe.
Formulierungen wie praecesserunt pacis begegnen auch auf frühchristlichen Grabinschriften.


Ipsis, Domine, et omnibus in Christo quiescentibus locum refrigerii, lucis et pacis ut in dulgeas, deprecamur.

Wir flehen dich an, Herr: gewähre ihnen und allen, die in Christus ruhen, in deiner Milde den Ort der Erquickung, des Lichtes und des Friedens.



Per eundem Christum, Dominum nostrum. Amen

Durch Christus unseren Herrn. Amen.



Ritus

Das abschließende Per eundem ... wird vom Priester mit einer Verneigung begleitet, die offenbar durch allegorische Messauslegungen angeregt wurde: Wie Christus sterbend sein Haupt geneigt hat, so an dieser Stelle auch der Priester, der in personam Christi agierte.





Literatur:
Jungmann 1962 II, 295-308.




 
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