Homilie

Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum

Suche Site Map
Startseite Universität Münster

Eröffnung und Lesungen
1: Praeparatio ad missam
2: Introitus
3: Lesungen
- 3.1: Lesung
- 3.2: Epistel
- 3.3: Graduale - Alleluia
- 3.4: Evangelium
- 3.5: Homilie
- 3.6: Credo
- 3.7: [Deprecatio Gelasii]

Startseite

Kontakt

Impressum

HOMILIE (AUSLEGUNG)

GENESE

Auslegung und Applikation des Schriftwortes

Die Homilie (Predigt, Auslegung) gehört zu den ältesten Bestandteilen der Liturgie; ihre Wurzeln reichen bis in den Synagogengottesdienst zurück (vgl. auch LK 4,16ff; Mk 1,21; Apg 13,15). Im frühchristlichen (sonntäglichen) Gottesdienst gehörte sie selbstverständlich als aktuelle Auslegung bzw. zeitgemäße Applikation des Schriftwortes zur Lesung. Sie war ursprünglicher Dienst des Bischofs (Lehrautorität), aber auch der Presbyter. In der Frühzeit gab es jedoch auch Regionen, wo die Homilie dem Presbyter verwehrt war. In städtereichen Provinzen (Nordafrika, Italien), wo jede Kleinstadt Bischofssitz war, bedeutete dies auch kein Problem; in siedlungsarmen Gebieten, z.B. in Gallien, wurde das Recht zur Pedigt den Presbyter dagegen ausdrücklich zugesprochen.

Liturgische Einbindung

Der Rahmen der Predigt sollte ihren liturgischen Rang betonen. So sprach der Bischof gemäß seiner Stellung von seiner Kathedra herab: sitzend (was seine Autorität betonte) oder auf den obersten Stufen stehend (Chrysostomus bevorzugte allerdings mit Rücksicht auf die Zuhörer den Ambo), mit dem Evangelienbuch in der Hand.


Wilhelm Pleydenwurff
Zwei Flügel eines Martin-Altars
1490
linker Flügel: Predigt des Hl. Martin von der Kathedra herab
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum
Gm 1178/79


Eröffnet wurde die Predigt zunächst lediglich mit einem schlichten Gruß. Im späten Mittelalter hat man auch ein Gebet vorgeschaltet: Das auf die Gepflogenheiten der Mendikantenprediger zurückgehende Ave Maria, zu dem gekniet wurde, oder das ebenfalls für zulässig erklärte Veni Sancte Spiritus bzw. das Vaterunser. Eine weitere Vorbereitung stellt das Predigtlied dar.

Blüte im Hochmittelalter und liturgische Lockerung

Zwar war in den (auf die großen Festgottesdienste bezogenen) römischen Ordines keine Predigt vorgesehen, die Praxis zeigt indes, dass sehr wohl gepredigt wurde; allerdings ging der Anteil der Wortverkündigung seit dem frühen Mittelalter immer stärker zurück. Mit dem Aufkommen der Mendikantenorden im hohen Mittelalter erfuhr das Predigtwesen dann einen starken Aufschwung. Damit einher ging allerdings auch eine zunehmende Loslösung von der Liturgie: Die Homilie wandelte sich zur Missionspredigt; der Standort des Predigers verlagerte sich ins Kirchenschiff, wobei die Orientierung zur Evangelienseite die ursprüngliche Zuordnung noch erkennen ließ. Dort wird die erhöhte Kanzel zum Ort der Predigt, die jetzt auch aus rhetorischen Gründen im Stehen vorgetragen wird. Die Gemeinde folgte der Homilie bis zur späten Einführung der Kirchenbänke stehend, schwächeren und gebrechlichen Personen war das Sitzen (in der Regel der Fußboden) gestattet; für den Klerus gab es Sitze.



Sign Link Texte

Sign Link Seite vor
Sign Link Seite zurück

Literatur: Jungmann 1962 I, 583-590.




 
Erweiterte Suche

Zurückblättern

 Diese Seite:  :: Seite drucken    ::	Seite empfehlen   :: Seite kommentieren, Link öffnet neues Fenster

© 2007 VW-Forschungsgruppe Uni Münster

:: Seitenanfang

Seitenanfang

© 2007 Universität Münster
Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum
Schlossplatz 2 · D-48149 Münster
Tel.: +49 (0)251 - 83 31973 · Fax: +49 (0)251 - 83 30038
E-Mail: kultbild@uni-muenster.de